dann anfangen , sagte ein Herr , der am dritten Tage , daß ich saß , in mein Gefängniß kam , was wirst du dann anfangen , wenn du frei bist ? Am dritten Tage ? ein Herr ? Doch nicht ein Franzose ? Ein alter Franzose in feinem Rock mit Orden ... Einer weißen Weste und einem rothen Notizbuche in der Hand ... Der ! Der dieselbe Frage auch an mich richtete : Murray , was werden Sie dann anfangen , wenn Sie frei sind ? sagte er zu mir . Was antwortetest du ? Ich sagte : Mein Herr , ich fange nie etwas an , ich lass ' es gehen , wie es Gott gefällt ! Da lächelte er und ich sah sogleich den Fuchs - Den Wolf im Schafspelz ! Er wollte meine künftige Wohnung wissen und schielte mich an , als hätt ' er mich zu taxiren ... Du irrst doch wohl , Auguste . Dieser Mann heißt - Murray griff nach der Visitenkarte - Sylvester Rafflard und ist ein Abgesandter fremder Vereine , die sich die Verbesserung des Looses der Gefangenen , die Untersuchung der Gefängnisse , den Einfluß auf die künftigen Schicksale der Verbrecher zur Aufgabe machen . Da ich mich nicht schuldig wußte und traurig war , gab ich ihm wenig Antwort . Ich bin überrascht , daß er mich heute besuchen wollte . Ich fand seine Karte abgegeben . Zu mir , sagte Auguste , wird er nicht kommen . Ich war so voll Zorn , daß ich ihn mit allen seinen Redensarten von Besserung zur Thür hinauswerfen lassen wollte und ihm einen Kalbskopf über den andern nachschimpfte . In dem Zorn wurd ' ich eben frei . Die Kleider und Schmucksachen waren mir genommen und unter Lachen und schlechten Witzen gaben mir die Aktuare gute Lehren . Da rannt ' ich zur Tante . Man wollte mich abweisen . Ich ließ mich nicht stören . Es war mir , als hört ' ich die Stimme der Alten in den Zimmern der Geheimräthin . Ich werfe den Bedienten bei Seite , reiße eine Thür nach der andern auf und stehe vor einem wunderschönen Bilde , das ganz frisch , wie eben fertig mit noch halb nassen Farben - ich hab ' etwas von dem Handwerk gelernt beim Professor Berg - auf einer Stellage steht . Das bin ich ! sagt ' ich mir . Das hat Heinrichson gemalt und in dem Augenblick geht die Thür auf und Heinrichson mit der Geheimräthin tritt herein . Ha , ha , ha ! fang ' ich an zu lachen . Da zu lachen war Verrücktheit . Ich war auch verrückt . Ich weiß noch jetzt nicht , ob ich in dem Augenblick Vernunft gehabt habe . Ich lachte und schluchzte und redete mit Heinrichson , wie er schon längst nicht mehr da war . Heinrich Heinrichson , rief ich , bin ich Das ? Sag ' s deiner Liebsten , das weiße Thier da , der Vogel auf dem Bilde warst du , du tückischer , falscher , heuchlerischer Drache ! So kannst du lügen , wie dies Thier da ! Sieh , wie ' s mit dem Schnabel klappert , wie der Held den Schönen spielt und die arme Auguste Ludmer schläft oder macht die Augen zu , um deine Teufelsaugen nicht zu sehen ! Beiß mich nicht ! sprach ich . Geh ! Geh , ich verlange nichts für mein Kind , geh , es ist todt ! Und in dieser Art sprach ich meine rasende Wuth vor dem geleckten Menschen aus ; seine zierlich gekräuselten , geölten Locken hätt ' ich zerzausen mögen . Aber er war fort . Die Geheimräthin zog die Glocke , alle Glocken im Hause schellten . Die Ludmer kam und schleppte mich fast an den Haaren hinaus . Wahnsinnige , schrie sie mich an , du machst , daß ich dich noch in ' s Tollhaus stecken lasse ! Schändliche , was willst du hier ? Welche Frechheit gegen die Herrschaft , gegen einen fremden , feinen Herrn ... ich war todtblaß , stieß sie zurück und setzte mich auf ein Sopha , um mich zu erholen . Sie wollte mich aufreißen , ich schleuderte sie wieder zurück , daß sie auf einen Sessel sank und ächzte . Du mordest mich noch ! stöhnte sie . Ich sagte : Ja , das thu ' ich . So saß ich wol zehn Minuten . Ich war zu elend , ich konnte nicht mehr sprechen . Immer dacht ' ich auch , die Thür geht auf und Heinrich Heinrichson kommt wieder herein und sagt ' dir : Auguste , vergib mir ! Ich bereue , daß ich die Ursache deiner Leiden bin ! Ich denke täglich an dich , wenn ich in meiner Mappe blättere und diese schönen Bilder male ! Vergib mir ! Du siehst , ein vornehmes Weib liebt mich ! Was kann ich für dich thun ? Aber Heinrich Heinrichson kam nicht . Die Tante hatte sich erholt , stellte sich wenigstens so und verlangte , daß ich mit ihr in ihre Wohnung ginge , die in einem Nebengebäude liegt . Ich ging ganz willenlos hinter ihr über den Hof . Ich sage Das ausdrücklich , weil ich wol mag ausgesehen haben wie das Leiden Christi . Wer mich sah , mag gedacht haben : Die schlägt die Augen nieder und ist sittsam wie ein Grabesengel .. Warum erwähnst du Das ? Wer sah dich denn ? Im Zimmer der Alten , fuhr Auguste sinnend fort , hielt sie mir eine letzte Strafpredigt und gab mir zwei Thaler . Ich mußte sie nehmen , weil ich nichts zu essen hatte . Vor ihrem Spiegel ordnete ich meine Kleider und ging nun . Ich elendes Geschöpf mag doch gedacht haben : Vielleicht sieht Heinrichson dir durch ' s Fenster nach ! Ich will doch nicht , daß er hinter mir herspottet und mich auslacht ! Ich