von mir . Ich kann es ihr nicht verdenken ; es ging ihr so gut bei mir . Aber sie muß fort . Dienstag , 16. April 1833 . Es geht endlich besser . Schickt nun nichts mehr für den Kranken . Heute wird Gräfin Sophie Schwerin für mich sorgen und morgen Mendelssohns in der Jägerstraße . Donnerstag komm ich selbst . In demselben Jahre ( 1833 ) machte er eine Sommer- , Studien- und Erholungsreise bis nach Hessen und Westfalen und im August nach Berlin zurückgekehrt , schrieb er einen langen Reisebrief an seine Freundin Fanny Jordan , die mittlerweile Frau Steuerrätin Hedemann zu Demmin in Pommern geworden war . Der Brief lautet : Berlin , 18. August 1833 . Mit fast noch größerem Recht als der muskauwitische Fürst Pückler , könnte ich seit dem fünften Juli dieses Jahres meine Episteln : » Briefe eines Verstorbenen « titulieren , denn an jenem Tag stand mein Leben still und alle meine Sinne versagten mir den Dienst . Zwar wäre diese Todesart eine ganz exzellente zu nennen gewesen , denn ich verschied in den Armen zweier Exzellenzen : Minister von Klewitz und Generalleutnant Graf von Hacke , auf des letztern Hausflur zu Magdeburg , aber ich bin nicht so eitel und ziehe ein bescheidenes Leben einer glänzenden Todesart vor . Mein alter Freund , der Medizinalrat Dr. Schulz , trat zur rechten Zeit ins Haus , denn der entscheidende Augenblick war nahe und nur ein Aderlaß konnte mich retten . Die Herren Homöopathen mögen dagegen sagen , was sie wollen , denn alle ihre niedlichen Riechfläschchen und Million-Teilchen hätten mich nicht wieder ins Leben gerufen . Mir gelang es besser , wie jenem armen Sünder , der auf dem Wege zum Galgen gefragt : » Ob er etwas zu seiner Equickung begehre , etwa einen Schluck Wein ? « um einen Aderlaß bat , und auf die Frage : » warum gerade das ? « antwortete : » man hab ' ihm immer gesagt , der erste Aderlaß könne vom Tode retten . « Mir hat ' s geholfen , dem armen Jungen aber nicht , trotzdem ich in Städten und Schlössern viel mehr eingesteckt habe , als er . Aber so geht es in der Welt : Die kleinen Diebe henkt man , und die großen läßt man laufen . Sorgfältiger und liebevoller kann kein Bruder vom andern gepflegt und gewartet werden , als ich im Gräflich von Hackeschen Hause , und so ward es mir möglich , nach acht Tagen meine Reise langsam fortzusetzen . Die Krisis war glücklich überstanden , und ich gehörte endlich wieder zu der uralten Familie A-Grippa , d.h. zu der , welche die Grippe nicht hat . Leider trat mit der Sonnenfinsternis am 17. Juli erst Nebel , dann Regen und Kälte ein , so daß ich meinem Skizzenbuche nur schmale Kost reichen konnte . Ein Fremder an der Table d ' hôte in Hildesheim nannte den feinen Nebelregen » Luftschweiß « ; er ist aber dem kalten Todesschweiße noch ähnlicher , der allen zarten Pflänzchen den Garaus macht . Zu meinem Glücke reise ich nicht bloß auf schöne Gegenden , Kirchen , Schlösser und Altertümer , sondern vor allem auf Menschen . Papa Goethe hat wohl recht , wenn er sagt : » Die Welt ist so leer , wenn man nur Berge , Flüsse und Städte darinnen sich denkt ; aber hie und da jemand zu wissen , der mit uns übereinstimmt , mit dem wir auch stillschweigend fortleben , das macht dieses Erdenrund erst zu einem bewohnten Paradiesgärtlein . « Da mochte es denn regnen und kalt sein , ich sonnte mich an den vielen , des unverhofften Wiedersehens sich freuenden Augen alter Freunde und Bekannter , die mir fast an jedem Orte entgegenleuchteten und mich alles Ungemach der Witterung vergessen ließen . Und so schied ich denn auch von jedem Orte viel reicher an Freunden und interessanten Bekanntschaften , als ich kam . Der Herzenskalender füllte sich zusehends mit neuen Geburtstagen und Lebensfesten , und solches tut auch not , denn in der letzten Zeit war der Abgang stärker , als der Zuwachs . – Den Geburtstag unsres teuren Königs feierte ich , trotz Sturm und Drang , auf einem höchst klassischen Boden und zwar im Arnsbergischen Regierungsbezirk , auf den Grundmauern der Burg Karls des Großen , wo er Reichsversammlungen und Zehntgerichte hielt , wo ihn die Päpste Hadrian I. und Leo III. besuchten , und allwo er die widerspenstigen und ungläubigen Sachsen ziemlich unsanft bekehrte . Dies war auch der weiteste Punkt meines Streifzuges , denn da ich durch mein Sterben und Auferstehn in Magdeburg zwölf Tage von der Urlaubszeit eingebüßt hatte , und nur kleine Reisen wagen durfte , um nicht zum zweiten und vielleicht letzten Male zu verscheiden , so mußt ich kehrtmachen , ohne den alten Vater Rhein begrüßt zu haben . Und so bin ich denn über Arolsen , Kassel , Heiligenstadt , Nordhausen , Eisleben , Halle , Wittenberg am 8. August wieder heimgekehrt . Noch zu guterletzt feierte ich in Halle ein beseligendes Fest des Wiedersehens und zwar im Gasthofe am Zeitungstisch . Da saß ein eifriger Zeitungsleser in den Hamburger Korrespondenten ganz und gar versunken ; plötzlich sah er auf und schrie : » Sind Sie ' s wirklich , lieber Rösel ? « » Ja , ich bin ' s Exzellenz . « Es war mein alter Freund und Gönner , der Chefpräsident von Vincke aus Münster . Seine Umarmung bei meinem Einsteigen in die Extra Post-Chaise gab mir in den Augen der Umstehenden ein gewaltiges » Basrelief « , wie General Elsner zu sagen pflegte . An der nächsten Station hielt gleichzeitig mit meinem Postwägelchen ein stattlicher Reisewagen . Ein elegant gekleideter Reisender stieg aus , und siehe , es war der Hofbuchdrucker Rudolph Decker . Bald darauf kuckte mich auch sein Schätzellchen gar freundlich an . Da gab ' s etwas zu erzählen , vom schönen Musikfeste in