, weil ich Angst hatte , daß wir uns beim Besehen der Bilder zu nahe anstreiften ! Und ich glaube gar , ich stellte mich dennoch kurzsichtig , nur um mit der Stirn dein goldenes Haar zu berühren ! ... O , wie Feuerglut war es in meinem ganzen Sein - und du , du wußtest , jetzt ist der Stoff erschöpft , jetzt ist die Unbefangenheit beim Gespräch vorüber - beim Gespräch über was nicht alles , ich glaube über die alten Krater feuerspeiender Berge bei Kocher am Fall , über die byzantinische Baukunst , über die Philosophie Püttmeyer ' s ! Gleich hattest du etwas anderes ; auf die Musik die Bücher , auf die Bücher die Natur , auf die Natur die eben hereingebrachten Zeitungen ! ... Und du erschrakst nicht einmal , als vom Diener an die Thür geklopft wurde ... So tändelten wir den Tag hin bis zum Abend , bis zur süßesten Dämmerstunde , wo endlich mein Auge kein anderes Licht begehrte , als das in deinen Augen strahle , endlich ich auch das so tollkühn sagte , ganz so vom » Licht in deinen Augen « ... Da erbebtest du , brachst zusammen und trotz all deiner List und Fassung lagst du in meinen Armen ! ... Armer Priester ! ... Diese Stunde schenkte dir wirklich der Himmel ! Er gab sie in ganzer , seligster Fülle ! Er rief auch an diesem Nachmittage Paula nicht in die Sterne zurück , ließ sie nicht wachend träumen , nicht mit geschlossenen Augen sehen ... Sie blieb auf der Erde , in deiner Nähe , im lebendigsten , wärmsten Anhauch deines Athems - und du erstauntest sogar , daß Paula nicht entschlummerte , obgleich deine Hand an ihrem seidnen Kleide hinfuhr , oft auch - zufällig ? - wirklich sie selbst berührte ... Du durftest dir sagen : Dir , dir ist sie beschieden ! Du würdest sie durch die Liebe erlösen können von den magischen Banden , die sie gefesselt halten ! ... Gott wollte die Ehe und gerade die Deine mit ihr ! ... Alles , alles traf zu ... Auch bis zur Abenddämmerung , bis in die erste Stunde nächtlichen Dunkels hinein hattet ihr das volle selige Glück des Alleinseins ... Und dennoch , du armer Levit , was durftest du wagen ? Was zu gewinnen hoffen ? ... Gingst du am Flügel vorüber und lehntest die Epheuranken zurück , die den goldgerahmten Spiegel beschatteten , so sahst du deinen langen Priesterrock ! ... Sahst du in die geöffnete Kupferstichmappe und prüftest das Zeichen des alten Meisters , das unter dieser Radirung , unter jenem Holzschnitt versteckt und unleserlich stand , so mußte dir erinnerlich werden , daß Paula an deinem vorgebeugten Haupte bemerkte , wie die Schere dir die Mitte deines schönen Haares geraubt ! Dem Schicksal konntest du sprechen : Des reinen Herzens Natur ist es , nicht alles zu wollen und viel entbehren zu können ; aber auch zu grausam nimmst du , o Verhängniß , uns beim Wort und gewährst uns wirklich nichts ! ... Paula ' s Wesen mußte Bonaventura ohnehin zu entweihen glauben durch eine zu stürmische Werbung . So unterblieb alles ... Situation und Wille , Charakter und - die Liebe selbst schmiegte sich unter die Tyrannei des Gelübdes . Und doch allein , allein - zwei Seelen , die sich lieben ! .. Wie bestrickend schon , wenn sich Paula selbst beurtheilte über das , was die Welt an ihr so voll Andacht bewunderte ! Sie hätte eine Heuchlerin sein können und sie war es nicht . Sie hätte eine Despotin sein können und sie war es nicht . Sie war willenlos , eine durch sich selbst und andere Gefangene . Und so galt ihre Liebe Bonaventura auch nur , wie ein Priester sich lieben lassen darf - in Andacht , in geistiger Schwärmerei ... Sie hatte - wie diese Erziehung ist , die von Schiller und Goethe nichts weiß - nicht viel gelesen , nicht viel gesehen . Sie konnte über ihren Kreis hinaus an schwierigen geistigen Dingen nicht lange theilnehmen ; sie stand bescheiden zurück , allem Höheren im Zustand jungfräulicher Ueberraschung zugewandt . Aber diese Weise stand ihr hoheitsvoll . Zu ihren Füßen sproßten Lilien , ihr Haupt trug eine Himmelskrone , ihre Schultern bedeckte ein langer , himmelblauer Mantel mit goldenen Sternen . Sie wußte nur das alles nicht von sich selbst . Sie konnte lachen und weinen mit Armgart , sie konnte furchtsam sein wie Tante Benigna , sie konnte mit dem Onkel Levinus an die Möglichkeit , Gold zu machen , glauben . So lebte sie hin ... Nun aber mit Bonaventura ' s Nähe wuchs ihre Kraft . Sie fing an , sich über sich selbst Rede zu stehen . Seit seiner Ankunft trat sie in allem und jedem mit festerm Willen auf . Das zu wissen beglückt ein zagendes Herz ohnehin und gibt ihm Muth , sich über das Geheimste wahr zu sein ... O wie die Liebe so stark macht ! ... Paula fühlte es mächtig ... Sie hätte heute vielleicht zu ihrer Absicht , ins Kloster zu gehen , gedankenlos nein und sogar - ja ! sagen können . Sie konnte alles , konnte selbst ein Gelübde ablegen und vielleicht es - betrügen , wenn nur Bonaventura sie an sich gezogen und mit einem Kuß ihr den Muth - seines , seines Lebens gegeben hätte . In diesem stillen Zimmer , durch dessen Scheiben eben das Abendgold floß , unter diesen Epheuranken , deren grüne und welke Blätter den Priester an einen andern Abschied , den von Lucinden , erinnern mußten , über die Saiten eines geöffneten Flügels hin , dessen Resonanz von jedem durch die Zimmerwärme noch am Leben erhaltenen Insekt leise erbebte - standen sich zwei Menschen gegenüber , die die Natur zum gegenseitigen Besitz bestimmt hatte . Gregor VII. hielt den Arm dazwischen . Wo ist denn nun bei dieser eurer