Hofgärtners oder des Kastellans verpflegen . Dies gereicht dem König um so mehr zur Ehre , als Rösel , ein echter Sohn der Aufklärungszeit , seine Ansichten , ja , seine Spöttereien , niemals verhohlen hatte . « Diese Zeilen werden durch eine Stelle bei Varnhagen , Tagebücher II. S. 75 bestätigt . Es heißt daselbst : Sonnabend den 4. Juni 1842 . » Der Maler Rösel ist sehr krank . Der König hat ihn nach Charlottenhof eingeladen , die Königin selbst wollte ihn pflegen , – zu spät kommt dem armen Manne so viel Huld ! « So weit Varnhagen . Irrtümlich an dieser Notiz ist wohl nur das leise anklagende » zu spät « . Es scheint Rösel zu keiner Zeit an » Huld « und herzlichsten Freundschaftsbeweisen gefehlt zu haben . Einem Sterbenden war nur eben schwer zu helfen . Beinah gleichzeitig mit den vorstehenden Zeilen empfing ich die folgenden . » Sie werden Adolf Stahrs kleinen Artikel in der National-Zeitung gelesen haben . Auch ich entsinne mich Rösels sehr wohl . Er war ein Meister in der Sepiamalerei und hat eine Anzahl seiner Blätter publiziert . Alte Berliner Familien , ich nenne nur Deckers , bewahren manches davon als Andenken und Rauchs Tochter , Broses , Brendels , Marianne Mendelssohn und die Solmar müssen von ihm zu erzählen wissen . Er war sehr gefürchtet , weil er einen scharfen Witz hatte . Seine Herzensgüte glich es aber wieder aus . Mal wurde für ein armes Künstlerhaus eine Lotterie veranstaltet . Auch Rösel hatte beigesteuert und erschien endlich zur Ziehung : klein , krumm und in schwarzem Frack . Er sah dabei aus , als ob er nie etwas anderes trage als einen schwarzen Frack . Ich seh den kleinen Mann noch durch die Stube schreiten . Stahr spricht von einem Blatte » Goethes Hof « . Das trifft nicht völlig zu . Was Rösel gezeichnet hat , ist der Brunnen auf Goethes Hof in Frankfurt . Ihr W. Hertz . « Und noch ein Brief . Er lautete : Wiesbaden 4. März 1873 . ... Sie fragen in Ihrem Buche › Wer war Rösel ? ‹ Diese Frage war mir wieder einmal ein rechter Beweis für die Vergänglichkeit alles Irdischen . Denn zu meiner Zeit war Rösel eine bei alt und jung , bei hoch und niedrig bekannte und beliebte Persönlichkeit . Ohne mich auf seinen Lebensgang und seine Leistungen hier einzulassen , will ich Ihnen doch wenigstens einige Notizen mitteilen . Rösel war Professor an der Kunstakademie und gab auch in Privatkreisen Unterricht im Landschaftzeichnen mit der Feder . Er hatte darin eine ganz eigene kräftige Manier , wie ich sie nie wieder gesehen habe Die höchsten Herrschaften , die vornehmsten Familien nannten ihn ihren Lehrer , und alle liebten ihn , seiner Heiterkeit , seines Witzes , und seiner unermüdlichen Gefälligkeit wegen . Es gab kein Familienfest , kein Liebhabertheater , keine lebenden Bilder , bei denen er nicht Ratgeber und Helfer war . Es kam ihm gar nicht darauf an , Kulissen zu malen und Gelegenheitsgedichte zu machen . Ich selbst habe manchmal seine Güte in Anspruch genommen . Seine ganze Erscheinung hatte etwas Drolliges , Gnomenhaftes . Er war klein und verwachsen , der Kopf aber groß , mit dunkeln , ins Graue spielenden langen Locken . Sein sehr markiertes Profil hatte etwas Orientalisches . Sie werden ihn leicht auf dem bekannten Krügerschen Huldigungsbilde in der Künstlergruppe auf der Estrade rechts erkennen . Wenn ich nicht irre , sind Zeichnungen von ihm im Kupferstichkabinett , doch bin ich dessen nicht gewiß . Er hat lange Jahre in der Friedrichstraße gewohnt , Ecke der Mohrenstraße , unendlich einfach eingerichtet , ein echter Künstler-Junggeselle . von Röder , 28 Generalleutnant z. D Das waren die Zuschriften , die ich ohne mein Zutun erhielt . Um andere bemühte ich mich , indem ich bei Personen anfragte , von deren früheren Beziehungen zu Rösel ich inzwischen erfahren hatte . Einen aus der Reihe dieser Briefe , der das reichste Material gibt , lasse ich in nachstehendem folgen . Rom 21. Januar 1880 . Piazza Campitelli , Palazzo Capizucchi . Ihren lieben Brief mit der Rösel-Anfrage habe ich gestern erhalten und ich beeile mich , Ihnen darauf zu antworten . Rösel wurde um 1770 in Breslau geboren . Und zwar am 9. Oktober . Sonderbarerweise bin ich über das Jahr unsicher , desto sicherer aber über den Tag . Ich weiß nämlich , daß es der Tag vor meines Vaters Geburtstag war . Er malte Landschaften , aber nicht in Öl , sondern in Sepia , hatte eine besondere Vortrags-und Behandlungsart , die er » knackern « nannte . Was es bedeuten sollte , weiß ich nicht . Er war eine der bekanntesten Persönlichkeiten und es gab kaum einen Abend im Jahr , an dem er nicht in Gesellschaft gewesen wäre . In besonders freundlichen Beziehungen stand er zur Familie Mendelssohn . Er hatte die Eigentümlichkeit , sich überall anzusagen , gewöhnlich zu einem Karpfenkopf . Bei meinem Großvater Feilner war er , dreißig Jahre lang , jeden Dienstag zur Whistpartie , sehr heftig beim Spiel und der jedesmalige Schrecken seines Partners . Ich sehe noch das große rote Kissen , mit dem darauf gestickten Röselchen , das ihm auf den Stuhl gelegt wurde . Denn Sie wissen , daß er sehr klein und bucklig war . Zu jedem Geburtstage meines Großvaters erschien er mit einem paar pompejanischen Scherben und obligatem Gedicht , das dann bei Tische vorgelesen wurde . Seine Handschrift war sehr charakteristisch , und jeden von ihm geschriebenen Brief bezog er am Rande mit einem rotgetuschten Strich . Seine Korrespondenz war die umfangreichste von der Welt und ein paar alte Weiber dienten ihm dabei als Briefboten . Sie hatten verschiedene Namen . Eine nannte er » Iris « , doch waren die Namen , die wir ihnen beilegten , minder poetischen Klanges . Sie waren alle sehr häßlich und wahre Unholde . Seine Beziehungen