verzerrtes Gesicht mit scharfen , spitzen Zügen und dunklen Ringen um den Augen . Mimi legte ihr Schinken und Honig und Kuchen auf den Teller . “ Liebe Agathe , ” begann sie in ihrer weisen , näselnden Stimme , “ unser alter Herr Rat sagt immer , die erste Mahlzeit wäre die nahrhafteste . Morgen kommst Du mit , im Kuhstahl Milch trinken . ” Der Regierungsrat neckte sie . “ Werden Deine Kranken auch mal Honig und Schinken bekommen ? ” Agathe versuchte zu essen — es mußte doch möglich sein , wenn sie sich zwang . Ein fester Knäuel saß ihr im Hals . Schon nach den ersten Bissen begann sie zu husten . “ Es ist nichts , ” stammelte sie mit einem Lächeln und dabei hustete und hustete sie immer heftiger . Sie wurde aschfahl , die Schweißtropfen rannen ihr von der Stirn und Thränen über die Wangen . Instinktiv preßte sie die Hand auf die rechte Seite der Brust , wo sie einen leisen Schmerz fühlte . Man sprang mit besorgten Mienen von den Stühlen . Mühsam erhob sich Agathe , um sich vor all diesen teilnehmenden Blicken zu retten . Sie spürte einen fremden , unheimlichen Geschmack auf der Zunge — da — das war Erleichterung . . Sie hielt ihr Tuch an den Mund — es färbte sich dunkelrot . Blut . . . . Entsetzt , hilfesuchend sah sie ihre Mutter an . Frau Heidling stützte sie und führte sie hinweg . Mit einer ruhigen , tröstenden Stimme sagte sie : “ Du legst Dich still hin — dann wird sich ' s schon beruhigen . Das kommt wohl mal vor . ” Sie bettete die Tochter , hielt sie im Arm , als ein neuer Anfall kam , und hatte ein Lächeln , indem sie ihre Wangen streichelte und sagte : “ Armes Kind , hast Du Dich geängstigt ? Das sieht gleich so schrecklich aus . Nicht wahr ? Das kommt ja so oft vor . ” Agathe lächelte auch . Ja — ja — sie wußte schon — das kam oft vor . Alles war gut so — ganz friedevoll und gut . Nur die Aussicht , das Erlebte jahrelang heimlich mit sich weitertragen zu müssen , hatte sie so aufgeregt und zerrissen . Da — sie tastete mit der Hand — da unter dem rechten Schlüsselbein — wenn sie atmete , fühlte sie ein leichtes Rasseln an der Stelle . Kaum Schmerzen . Sterben war ja gar nicht schwer — war ja ein müdes Aufgeben — ein gleichgültiges sich Abwenden von allem . . . . Die Augen geschlossen , ein wenig fiebernd , lag sie , nachdem der alte Sanitätsrat , der mit dem Wagen aus der Stadt geholt war , sie verlassen hatte . Nicht reden — nichts erklären zu brauchen — ach — das war gut . Auf Zehen schlich jemand ins Zimmer , sie kannte ihres Vaters Schritt , aber sie öffnete die Lider nicht . Er küßte sie auf die Stirn — behutsam — sie fühlte warme Tropfen über ihre Schläfe rinnen . Da quollen ihr auch die Thränen . Er wischte sie ihr fort und murmelte : “ Mein gutes Kind — meine gute Kleine ! ” Mama , die in einer großen weißen Schürze vor dem Bette saß , machte ihm ein stummes Zeichen , beide gingen leise , leise wieder hinaus und standen flüsternd vor der Thür . “ Der Herr Rat sagt , wenn Du hübsch vorsichtig sein willst , bist Du in vierzehn Tagen wieder munter , ” erzählte Mama mit der heiteren Stimme , die so seltsam von ihrem gewöhnlichen , sorgenvollen , müden Ton abstach , und die sie nur annahm , wenn eine große Gefahr ganz nahe stand , doch durch Selbstbeherrschung und Verständigkeit vielleicht noch abgewendet werden konnte . Agathe erinnerte sich dieser besonderen , sanftheiteren Sprechweise ihrer Mutter von den Kranken- und Sterbebetten ihrer kleinen Geschwister her . Wie gut es that , so zu ruhen , umspielt von der linden Frühlingsluft , die zu den geöffneten Fenstern bald die kräftigen Gerüche der Landwirtschaft , bald die zarten Düfte des jungen Laubes an der großen Linde hereintrug . Keine Schmerzen — nur eine leichte fieberische Verwirrung des Denkens , das in halben Schlummer überging . Und alles Erlebte so ferne — aus einem früheren Dasein mit verblaßten Farben herüberdämmernd . Auf dem Tischchen neben ihr standen Blumen , Flieder und Kamelien . Cousine Mimi brachte sie täglich frisch aus dem Gewächshaus . Die kostbaren Blumen , die nur bei den seltensten Gelegenheiten geopfert wurden — das hatte so etwas Feierliches , wie letzter Liebesdienst . Sie war doch nicht verlassen — man hätte sie gerne noch behalten . Und sie hatte ein Bedürfnis nach Zärtlichkeit . . . . Auch ein Bild des Heilandes hatte Mimi an ihrem Lager aufgestellt , sie wollte ja Diakonissin werden , und ihr Sinnen , ihr ganzes Wesen war von einer heiteren und bestimmten Glaubenskraft erfüllt . Agathe sah gerne auf das edle gesenkte Haupt unter der Dornenkrone . Sie betete viel — stumm mit gefalteten Händen . Es war ihr dem Gottessohn gegenüber wie einem hohen wundervollen Menschen , von dem man viel hat erzählen hören — aber man glaubte doch niemals , von Person zu Person ihn kennen zu lernen . Und da meldet er plötzlich seine nahe Ankunft — und nun fühlt man erst , was das besagen will . Eugenie schrieb einen langen , teilnehmenden Brief . Sie erzählte von einer Landpartie , die am zweiten Ostertage stattgefunden hatte . “ Es war recht schade , daß Du nicht dabei warst . Herr von Lutz fragte auch nach Dir und läßt Dir gute Besserung wünschen . Er war ganz verrückt und machte der dummen Wehrenpfennig den Hof — aber , wie jeder sehen konnte , nur zum Spaß . Die Daniel ist übrigens nach Schluß der Saison anderweitig engagiert und geht von