erstaunt über diesen Ton wie über die dunkle Purpurgluth , die auf einmal ihr Antlitz bedeckte . „ Verzeih ’ ! “ sagte er sich fassend , „ ich kann mich immer noch nicht an den Gedanken gewöhnen , daß meine Tochter einem Arthur Berkow angehört , und daß ich mich in seinem Hause befinde , aber sie zwingen mich ja , es zu betreten , wenn ich mein Kind sehen will . Du hast Recht , ich muß Dich in dem Manne schonen , dem Du nun einmal angetraut bist , wenn ich es auch deutlich genug sehe , wie sehr Du durch ihn gelitten hast und noch leidest . “ Die tiefe Gluth war langsam wieder von Eugeniens Antlitz gewichen , aber noch blieb ein heller Schein davon zurück , als sie gepreßt erwiderte : „ Du irrst , ich habe keine Klage über Arthur . Er hat sich von Anfang an in einer Entfernung gehalten , die ich ihm nur danken kann . “ Das Auge des Barons flammte auf . „ Ich wollte ihm und seinem Vater auch nicht rathen , die schuldige Rücksicht gegen Dich zu vergessen ; sie verdienten am wenigsten die Ehre , die Du in ihr Haus brachtest , wo bis dahin nicht viel Ehre zu finden war . – Aber eine Genugthuung wenigstens kann ich Dir geben , Eugenie ! Du wirst nicht lange mehr den Namen tragen , an dem so viel Gemeinheit , so viel Schändlichkeit gegen uns und Andere haftet , nicht minder schändlich deshalb , weil das Gesetz sie nicht strafen kann . Ich habe dafür gesorgt , daß wenigstens das ein Ende nimmt . “ Die junge Frau sah ihn überrascht an . „ Was meinst Du damit ? “ „ Ich habe die nöthigen Schritte gethan , damit Deinem – “ der Baron schien sich schwer überwinden zu müssen , als er das Wort aussprach – „ Deinem Gatten die Erhebung in den Adelstand zu Theil wird . Nur ihm , nicht seinem Vater , dem leiste ich keinen Dienst und den will ich nicht , wenn auch nur formell , in unsern Reihen wissen . Es ist nicht ungewöhnlich , daß mit einer solchen Standeserhöhung auch eine Namensänderung verbunden wird , und das soll auch hier geschehen . Ihr könnt selbst unter den Namen Eurer Güter wählen , welcher Euch am passendsten für das neue Adelsgeschlecht erscheint . Eure Wünsche werden Berücksichtigung finden . “ „ Für das neue Adelsgeschlecht ? “ wiederholte Eugenie tonlos . „ Du bist im Irrthum , Papa , und wenn Du diese Standeserhöhung nur meinetwegen wünschest – doch Du hast Recht , es ist in jedem Fall das Beste ! Mir ist der Gedanke schrecklich gewesen , von Arthur ’ s Großmuth bedingungslos zurücknehmen zu müssen , was er theuer genug gekauft und bezahlt hat . So bieten wir ihm doch etwas dafür ! Das Adelsdiplom wird ihm reichlich Ersatz sein für das , was er aufgiebt . “ Es war ein Ausbruch überwallender Bitterkeit in diesen Worten , und doch zuckte mitten durch die Bitterkeit ein verhaltener Schmerz ; für Windeg war eins so unverständlich wie das andere . Die Rede seiner Tochter blieb ihm völlig räthselhaft , und er war eben im Begriff , eine Erklärung darüber zu verlangen , als der Diener Herrn Berkow meldete , der den Herrn Baron zu begrüßen wünsche . Arthur trat ein und näherte sich dem Baron , dem er einige Artigkeiten über sein unerwartetes Eintreffen sagte . Der junge Mann war wieder sehr gleichgültig , sehr blasirt . Man sah es ihm deutlich genug an , daß er nur eine Pflicht der Höflichkeit erfüllte , die ihm gebot , seinen Schwiegervater zu bewillkommnen , der seinerseits die Nothwendigkeit dieser Bewillkommnung über sich ergehen ließ . Da diesmal keine fremden Zeugen zugegen waren , so unterblieb auch die Form des Händedrucks , man ließ es bei einer gegenseitigen kühlen Verneigung bewenden ; dann nahm der ältere Herr wieder neben seiner Tochter Platz und der jüngere blieb an seinem Sessel stehen , in der offenbaren Absicht , diesen gezwungenen Besuch im Salon seiner Gemahlin so viel als möglich abzukürzen . Windeg hätte nicht der vollendete Weltmann sein müssen , um nicht , trotz des aufregenden Gespräches , das er soeben mit Eugenien geführt hatte , sofort den Gesellschaftston wieder zu finden . Es folgten die üblichen Fragen und Erkundigungen nach den verschiedenen Familiengliedern ; der Tod des Grafen Rabenau wurde als Veranlassung der Reise erwähnt und sehr förmlich von Arthur bedauert , der jedenfalls keine Ahnung von der Veränderung hatte , die dieser Tod in den Verhältnissen seiner neuen Verwandten hervorrief . Endlich ging der Baron auf ein anderes Thema über . „ Uebrigens bringe ich eine Nachricht aus der Residenz mit , die auch für Sie , Herr Berkow , vom höchsten Interesse ist , “ sagte er artig . „ Ich darf wohl annehmen , daß Ihnen die Wünsche Ihres Herrn Vaters in Bezug auf eine Standeserhöhung kein Geheimniß geblieben sind , und kann Ihnen die Versicherung geben , daß ihre Erfüllung nahe bevorsteht . In einem Punkte freilich fand ich unübersteigliche Hindernisse ; man hegt gewisse – Vorurtheile gegen Herrn Berkow persönlich , die kaum zu überwinden sein dürften , dagegen ist man sehr gern bereit , einen unserer ersten Industriellen dadurch auszuzeichnen , daß man seinem Sohne den Adel ertheilt . Ich hoffe Ihnen in Kurzem dazu gratuliren zu können . “ Arthur hatte zugehört , ohne eine Miene zu verändern . Jetzt hob er das Auge empor , und sofort richtete sich Eugeniens Blick mit einem ihr selbst unerklärlichen Interesse auf diese Augen , obgleich augenblicklich darin nicht das Geringste zu lesen war . „ Darf ich fragen , Herr Baron , ob in dieser Angelegenheit allein die Wünsche meines Vaters oder auch Rücksichten auf Ihre Tochter vorwaltend waren ? “ Windeg bekämpfte eine leichte Verlegenheit . Er hatte sicher auf einen Dank gerechnet und nun