in diesem Leibe ! ‹ Wieder hörte ich lange Zeit nichts als die Schläge meines Herzens . Dann sprach Herr Thomas zum andern Male und streckte seine schmalen Hände aus : › Durchstich sie und gewahre mir deine Passion ! ‹ Da erbebte ich in Ehrfurcht und getraute mich nicht länger das Angesicht des Herrn Thomas zu besehen , weil ich fürchtete der Dreifaltige habe in seinem Leib Einzug gehalten und blicke majestätisch aus seinen Augen . Aber ich raffte mich zusammen , als ich auf dem Gange Waffenlärm vernahm , stürmte nach der Pforte und stieß alle Riegel vor Durch mein Zufahren wie aus dem Banne eines Traumes gelost , umringte der ganze Haufe der Kleriker den Primas , etliche fielen ihm zu Füßen , andere , die ihn fortziehen wollten , faßten seine Arme , noch andere umschlangen seine Hüften , um sich seiner zu bemächtigen und ihn mit liebender Gewalt wegzutragen . Inzwischen schmetterten Beilschläge von draußen gegen die Türe . Der Primas aber wollte von dem Sitze , wo er gerichtet worden , nicht weichen . Da trat ein schlanker , klug blickender Diakon vor ihn hin , legte den Finger auf den Mund und machte ihn auf das feine Geläute eines Glöckleins aufmerksam , das in dem Tumulte kaum zu vernehmen war . › Es läutet zur Vesper und man erwartet Euch in der Kirche , Vater ‹ , mahnte er . Thomas Becket erhob sich ohne Weigerung , ein Zug ordnete sich und der Primas durchschritt hinter dem vorgetragenen Kreuze den langen Gang , der durch das Innere des bischöflichen Hauses in den Chor der Kathedrale führte . Auch ich wandelte in Reih und Glied mit den psallierenden Pfaffen . « Hier hielt der Armbruster inne . Sein Blick richtete sich auf eine neben ihm auf dem Kaminsimse stehende Sanduhr , in welcher eben die letzten Körner aus dem oberen in das untere Glas rollten . Hans drehte die Uhr und sagte : » Heute jährt es sich und es war zu dieser Stunde des Nachmittags , daß Herr Thomas seinen letzten Gang antrat . In den Chor des Münsters gelangt , warf er sich vor dem Fronaltar auf die Kniee , von seinen Klerikern umlagert , deren mehr als einer , an den Bogentoren des Lettners lauschend , furchtsame Blicke durch die Länge des Schiffes nach dem Hauptportale irren ließ , durch welches die Normannen jeden Augenblick eindringen konnten ; denn der Diakon hatte diese Zufluchtsstätte nicht der Festigkeit , sondern der unantastbaren Heiligkeit des Ortes wegen gewählt . Auch ich hielt das Portal unverwandt im Auge , entschlossen im letzten Augenblick , nicht gegen die vier Herren das Schwert zu ziehen – solches war mir als einem Knechte verwehrt – , aber Herrn Thomas mit meinem Leibe zu decken , ob ich die Schuld vergossenen Märtyrerblutes von meinem Herrn und Könige abwende . Alle Zeit und Frist nimmt ein Ende . Es klirrte und blitzte unter dem Portal , die viere traten , geharnischt vom Wirbel bis zur Sohle , in die Pforte und stürmten mit nackten Schwertern durch das Schiff der Kirche . › Mir nach , Getreue des Königs ! ‹ schrie Herr Wilhelm Tracy . Schleunig wollte ich noch die offenstehenden festen Gitterpforten schließen , die den Chor von der Kirche trennen ; aber der Primas , der sich erhoben und gegen seine Mörder gewendet hatte , wehrte es mir mit unwiderstehlicher Gebärde . Seine Kleriker aber alle umdrängten ihn . Die jüngeren und mutigeren füllten die Stufen . Voran auf die unterste stellte sich festen Fußes Trustan Grimm , der das Kreuz trug . Die anderen standen und knieten um den Bischof und drückten sich durcheinander wie eine erschreckte und verwirrte Herde , deren Hirte geschlagen wird . › Wo ist der Verräter ? ‹ rief Herr Wilhelm Tracy . Da hielt der tapfere Mönch Trustan das Kreuz mit beiden Händen gegen ihn empor als einen Schutz und eine Drohung . Ein Schwerthieb , ein Blutstrahl , und der vom Leibe getrennte Arm sank mir dem Kreuz auf die Erde . Jetzt griffen die viere mit flach fallenden Hieben die geängstigte Pfaffheit an und trieben die auseinanderstürzenden Geschornen in feige Flucht . Ich aber trat neben Herrn Thomas , der mitten vor dem Hochaltare stand , die Arme öffnend , wie der Gekreuzigte über ihm , als hätte sich dieser verdoppelt . › Der König will , daß du sterbest ! ‹ sprach Tracy und erhob das Schwert . › Es geschehe ! ‹ antwortete Herr Thomas . Ich umschlang ihn mit diesen beiden Armen , fühlte den Schlag niederblitzen und wurde in demselben Augenblicke unter dem Rufe : › Fort , Knecht ! ‹ von einer eisernen Faust , die nur dem Frappedür gehören konnte , gepackt und geschleudert , daß ich sausend mit dem Schädel gegen eine Säule fuhr . Während mir die Sinne schwanden , sah ich ein Blutmeer vor meinen Augen und darin ein sterbendes , lächelndes Haupt . Wie lange ich auf den Steinplatten lag , ist mir unbewußt Als meine Sinne wiederkehrten , war ich allein in der Kirche Ich versuchte mich aufzurichten , aber wagte nicht nach der Leiche des Heiligen hinzublicken , die zwei Schritte von mir entfernt vor dem Altare lag . Das aber sah ich , wieder zurücksinkend , daß mein Lederkoller mit dem Blute des Gemordeten benetzt war . Jetzt erhoben sich aus der dunkeln Tiefe des Schiffes zerreißende Klagetöne , das Wehgeschrei wuchs und wuchs und die Kirche füllte sich mit armem sächsischen Volke , das nach seinem Vater schrie und die Rache des Himmels auf die Mörder herabflehte . Mit unheimlicher Hast und Liebe stürzten sich neben mir die Gestalten über den heiligen Leichnam , umfaßten die toten Hände und Füße , küßten die Wunden und wuschen sie mit Tränenströmen . Ihre Kleider und Lumpen aber tunkten sie gierig in das ausgegossene Märtyrerblut . Endlich brachte ich mich auf die Kniee , zog mit noch