mußte . » Die Szene tat Ihnen weh ? Sie war nicht meine Schuld , ich möchte Sie um Verzeihung bitten . « Er wollte nach ihrer Hand fassen , sie barg sie in den Falten ihres Kleides . Kein Wort kam aus ihrem fest geschlossenen Munde . So stand sie in stummer Abwehr , mit den schönen zornigen Augen ihn anblickend . » Wie soll ich das verstehen ? « fragte er . » Hoheit , ich habe den Vorzug , die Freundin der Herzogin zu sein ! « sagte sie dann voll Verzweiflung . Ein trauriges Lächeln flog einen Augenblick über sein Gesicht . » Ich weiß es ! Sie sind im allgemeinen nicht dafür , von heute auf morgen Freundschaft zu schließen . Indessen – Sie meinen , man müsse alles benutzen ? « » So scheinen Eure Hoheit zu denken ! « » Ich ? Auf Ehre nicht , Klaudine ! Aber Sie , Sie haben sich mit wahrer Sturmeseile hinter die Schranke geflüchtet , die diese Freundschaft zwischen Ihnen und mir errichtet . « » Ja ! « sagte sie ehrlich , » und ich hoffe , daß Hoheit diese Schranke achten , oder – « » Oder ? Ich ehre und anerkenne Ihre Zurückhaltung , Klaudine « , unterbrach er sie . » Glauben Sie nicht , daß ich Ihnen wie ein verliebter Page nachschleichen werde . Nichts soll Sie daran erinnern , daß ich Sie liebe , so leidenschaftlich , wie je ein Mann ein Mädchen geliebt hat . Aber erlauben Sie mir , daß ich in Ihrer Nähe sein darf , ohne dieser eisigen Kälte begegnen zu müssen , die Sie mir gegenüber zur Schau tragen , lassen Sie mir die – Hoffnung auf eine Zukunft , in der die Sonne auch für mich scheinen wird , nur diese Hoffnung , Klaudine . « » Ich liebe Sie nicht , Hoheit ! « sagte sie stolz und kurz und richtete sich auf , » gestatten Sie , daß ich mich zurückziehe . « » Nein ! Noch ein Wort , Klaudine ! Ich verlange kein Zugeständnis Ihrer Neigung , es ist weder die Zeit dafür noch der Ort . Sie haben recht , mich daran zu erinnern ! Daß ich die Herzogin nicht aus Liebe gewählt habe , daß meine erste innige Liebesleidenschaft Ihnen gehört , kann ich dafür ? Ich meine , das geschieht Besseren als mir ! Es kommt ohne unser Zutun , ist da und wächst mit jeder Stunde , je mehr wir dagegen ankämpfen . Ich weiß nicht , ob Sie so fühlen wie ich ? Ich hoffe es nur und will ohne diese Hoffnung nicht leben . « Er trat näher und bog sich zu ihr nieder . » Nur ein Wort , Klaudine « , bat er leise und demütig , » darf ich hoffen ? Ja , Klaudine ? Sagen Sie ja ! und kein Blick soll verraten , wie es um Sie und mich steht . « » Nein , Hoheit ! Bei der Liebe zu meinem Bruder schwöre ich Ihnen , ich fühle nichts für Sie ! « preßte sie hervor und wich zurück bis an das Fenster . » Für einen anderen , Klaudine , für einen anderen ? Wenn ich das sicher wüßte ! « tönte es leidenschaftlich . Sie antwortete nicht . Er wandte sich mit einer verzweiflungsvollen Bewegung und ging zu der gegenüberliegenden Tür . Dann kam er noch einmal zurück . » Glauben Sie denn , daß nicht allen Rücksichten der Ehre genügt werden würde ? Glauben Sie , ich könnte Sie erniedrigen ? « fragte er , » glauben Sie – « » Hoheit beginnen bereits damit « , unterbrach sie ihn , » indem Sie mir in dem Zimmer Ihrer kranken Gemahlin von Liebe sprechen . « » Wenn Sie die Sache so auffassen « , sagte er schmerzlich . » Ja , das tue ich , Hoheit , bei Gott , das tue ich « , rief das schöne Mädchen . » Klaudine , ich bitte Sie ! « flüsterte er . Wieder schritt er hastig im Zimmer auf und ab und abermals trat er vor sie . » Sie wissen , daß mein Bruder , der Erbprinz , plötzlich starb , kurz vor meines Vaters Tode , vor nunmehr zwölf Jahren ? « fragte er . Sie neigte bejahend den Kopf . » Nun , Sie wissen aber nicht , daß damals seitens unseres Hofes mit dem Kabinett zu X. Unterhandlungen stattgefunden hatten über das Projekt einer Heirat der Prinzessin Elise mit dem Erbprinzen , meinem Bruder . Man war fast zum Abschlüsse gelangt , das heißt , mein Bruder sollte wie von ungefähr nach X. zur Brautschau kommen – da starb er und mit den Rechten , die ich übernahm , übernahm ich auch die Pflichten . Nach beendeter Trauerzeit reiste ich nach X. und freite die Braut . « » Es ist freier Wille gewesen , Hoheit ! « » Mitnichten ! Mir war diese Heirat eine schwere Bürde mehr zu der , die mir ohnehin die Krone brachte . Prinzessin Elise , die mich ahnungslos empfing und mich mit ihren großen Kinderaugen anstarrte , war von der Bewerbung meines Bruders so wenig unterrichtet , wie von der Absicht , mit der ich ihr entgegentrat . Sie läßt sich leicht begeistern , und mit wenig Mühe gewann ich ihr Herz . Mir waren die Frauen höchst gleichgültig zu jener Zeit , ich kannte die besten nicht , die anderen schienen mir langweilig . Prinzessin Elisabeth war mir unbequem im Anfang , ich vertrage es nicht , wenn Frauen beständig in höheren Regionen schweben . Ich hasse alles exaltierte , dieses himmelhoch jauchzende , zum Tode betrübte , ich konnte anfänglich rasend werden bei ihren Tränenergüssen . Später wurde mir das , was mich anfangs abstieß , im höchsten Grade gleichgültig . Ich bin ihr stets ein aufmerksamer Gatte gewesen und von einer