rasch und bestimmt und kam wieder in das Stübchen herein . » Die Wunde geht ziemlich tief – ich habe es gesehen und besitze ein Mittel , das jeder Entzündung vorbeugt und die Heilung beschleunigt . « Sie schlug den Deckel des mitgebrachten Körbchens zurück und nahm ein Leinenpäckchen heraus . » Erlauben Sie mir , daß ich Sie verbinden darf ! – Sie dürfen sich mir ruhig anvertrauen – die Krankenpflegerpflichten sind mir nicht fremd . « » Ei bewahre ! Was denken Sie ? Ich werde wohl solch ein offenbares Opfer Ihrerseits zugeben ! Niemals , schöne Prüde ! – Wer , wie ich , weiß , unter welch innerem Widerstreben Sie sich zu dergleichen Samariterdiensten verstehen – denken Sie nur an die Brücke bei der Schneidemühle , wo ich erst an die christliche Barmherzigkeit erinnern mußte , ehe Sie mich armen Teufel aus dem Schraubstock erlösten – der kommt kein zweites Mal ! ... Und nun gehen Sie nur in Gottes Namen heim , oder besser , in das Grafenholz und sagen Sie dem Forstwärter , daß er das verlangte Buch heute abend hier abholen kann – es soll bereit liegen ! « Sie ging nicht – im Gegenteil ! Neben den Gutsherrn an den Tisch tretend , rollte sie das Leinenpäckchen auseinander , entkorkte ein kleines Arzneiglas und breitete verschiedene Verbandsachen hin – das geschah alles flink , sicher und mit schweigendem Ernst , wie ein Arzt dem widerstrebenden Patienten gegenüber zu verfahren pflegt . » Mögen Sie mich aufdringlich schelten und unbarmherzig mit mir ins Gericht gehen , mögen Sie mich noch mehr verachten , als bisher – ich weiche nicht , ehe ich meine Pflicht erfüllt habe ! « sagte sie sanft , aber mit Festigkeit . » Ich will aber Ihre Pflichterfüllung durchaus nicht ! Ich lehne sie ab und gebe Ihnen hiermit das Zeugnis , daß Sie das Menschenmögliche getan haben , um Ihr empfindliches Gewissen zu beruhigen ! « rief er bebend vor Erregung . » Sind Sie nun zufrieden ? « Sie schüttelte den Kopf . » Ich war vorhin heftig und habe Sie mit allzu raschen Worten verletzt ... Sie haben ganz recht , wenn Sie vor allem von der Pflegerin Selbstbeherrschung verlangen , und deshalb bitte ich , vergessen Sie mein unüberlegtes Gebaren . « Sie hielt ihm schüchtern die Hand hin . » Viel Lärm um nichts ! « rief er halb lachend , halb zornig und ohne ihre Geste zu beachten . » Wer wird denn um einer solchen Lumperei willen , wie der Hautritz da , auch nur ein Wort verlieren ! ... Und wenn ich wirklich den Grad von Geduld aufbrächte , stillzuhalten , im nächsten Augenblick risse ich doch das Zeug wieder ab – ich bin viel zu ungeduldig – « » Seien Sie gut ! « unterbrach sie ihn mit sanfter Bitte . Diese Töne waren von zauberhafter Wirkung . Er wandte achselzuckend den Kopf weg , stützte die Linke auf den Tisch und hielt ihr die verletzte Rechte schweigend hin . Sie mußte in der Tat bereits Schwesternpflichten geübt haben – diese gewandte , sichere Art zu untersuchen war nicht bloß die angeborene Geschicklichkeit des Weibes . Der Gutsherr wandte ihr langsam das Gesicht wieder zu und sah auf sie nieder . » Waren Sie in einer Pflegerinnenanstalt ? « fragte er mit hörbarem Erstaunen . » Ja ; nicht sehr lange zwar , und auch nicht zu dem Zweck , ausschließlich Schwester zu werden . Ich wollte mir nur so viel Kenntnisse aneignen , um nötigenfalls auf dem Lande , wo oft der Arzt stundenweit hergeholt werden muß , im ersten Augenblick Hilfe leisten zu können , « antwortete sie , ohne ihre Beschäftigung zu unterbrechen . Aber nun blickte sie auf . » Sie werden doch den Arzt hinzuziehen müssen « – sagte sie , und er sah , wie ihre Augen sich feuchteten – » die Sichel hat Scharten gehabt – « Er lachte . » Nähen Sie nur getrost zu , « ermutigte er , » und vertrauen Sie meiner kräftigen Natur ! « Sie biß die Zähne zusammen und handhabte die Nadel rasch und sicher , obgleich dann und wann ein Beben durch ihre schlanken Finger ging ... Es schwebte doch ein Rätsel um ihre Person – wes Geisteskind war sie eigentlich ? Ihre Redeweise , ihr ganzes Sein und Wesen , das halbverleugnete und doch immer mehr zutage tretende Wissen gaben ihr unwiderleglich die gebildete Welt als ursprüngliche Heimat – und doch leistete sie die niedrigsten Magddienste , und Fräulein Erzieherin , die am besten wissen mußte , was für ein reicher geistiger Schatz in ihr steckte , hielt sie unter dem Druck dieser herabwürdigenden Stellung unerbittlich fest ... Was gab jener Egoistin die Macht über den klaren Geist und das Lebensschicksal dieses wunderbaren Mädchens ? ... Sein Blick hing wie festgebannt an dem schönen Kopf , der sich über seine Hand beugte , an dem köstlichen , einfach zurückgestrichenen , nußbraunen Haar – eine dunkle Flut voll elektrischer Gewalten , die ihm zuströmten – sein Atem ging schwer und beklommen ... Auf dem schmalen Streifen des weißen Halses , den das Busentuch frei ließ , lag wieder das schwarze Sammetband , diesmal mit halbgelöster Schleife . Trug sie ein Amulett oder ein teures Andenken auf der Brust , das sie nie ablegte ? Eine eifersüchtige Wallung trieb ihm das Blut nach dem Kopfe – am liebsten hätte er nach dem losen Ende gegriffen , um das Band fortzuschleudern . Das Mädchen ahnte sicher nicht , auf welche Gewalttätigkeit er sann , sonst hätte sie wohl nicht mit so seelenvollem , dankbarem Blick zu ihm aufgesehen . Der Verband war fertig ; sie entließ sanft die Hand aus der ihren und trat an den Tisch , um das Verbandzeug wieder zusammenzupacken . » Ich danke Ihnen ! « sagte sie aufatmend , als sei ihr eine Last von der Seele genommen . » Morgen werde