Gläsern ein : » Wir wollten der jungen , gnädigen Frau v. Bergen unsere besten Segenswünsche bringen « , sagte der alte , ehrliche Mann mit den treuherzigen Augen . » Möge es ihr Wohlergehen allezeit , und möge sie , wenn sie der Heimat gedenkt , auch unser nicht vergessen , wie wir das Andenken an die gütige Herrin , die unter unseren Augen groß geworden ist , nie vergessen . « Große Tropfen rannen aus den Augen der jungen Frau , als sie dankend dem alten Diener die Hand reichte . » Nein , Johann « , fügte sie hinzu , » ich vergesse euch alle nicht , wie könnt ' ich das ? « Es war dämmerig geworden , als Bergen sich mit seiner jungen Frau zurückzog , ich folgte ihnen und half den pelzgefütterten Mantel um ihre Schultern legen . Noch einmal umarmten wir uns , und dann hob sie ihr Mann in den Wagen , die vier Pferde zogen an , und der Kutscher , in großer Livree mit der bandgeschmückten Peitsche , fuhr mit einer prachtvollen Schwenkung über den Schloßhof . Noch einmal winkte die kleine Hand heraus aus dem Wagen – und ich stand allein in dem kalten Winde . Die Dienerschaft , die alte Schließerin und Lisel , alle weinten , als ob jemand gestorben wäre . » Die hat ein Herz wie Gold « , sagte der alte Johann . » Der Mann ist glücklich zu preisen ! « Auch ich fühlte mein Auge feucht werden . Mit Hanna war mir so vieles entschwunden . Im Saal war man schon von der Tafel aufgestanden . Die fremden Gäste empfahlen sich bald , und Frau v. Bendeleben zog sich zurück . In dem kleinen Salon wurde uns Tee serviert . Der Baron sah sich im Zimmer um , als müßte jeden Augenblick das blonde Köpfchen Hannas in der Tür erscheinen und ein herzliches neckendes Wort hereinrufen . Ruth lag im Sessel . Durch das schwarze Spitzengewebe ihres Gewandes schimmerte der schneeweiße Hals , die weiten Ärmel waren zurückgeschoben und zeigten die schönsten Arme der Welt . Eberhardt stand am Flügel und sah zu ihr hinüber , seine Stirn in finstere Falten gezogen , die Lippen aufeinander gepreßt . Ich sehnte mich nach einem freundlichen Blick von ihm . Er hätte mir wohl einen kleinen Trost für Hannas Fortgehen geben können . Aber ich wartete vergebens , seine Blicke hingen starr an der schönen Frau im Sessel . Traurig setzte ich mich in die tiefe Fensternische . » Gretel « , bat der Baron , der ruhelos auf und ab wanderte , » weißt du , singe mir ein Lied . « Ich erhob mich , auch Ruch stand auf . » Die Trauerzeit kann doch wohl abgewartet werden , ehe man mir zumutet , lustige Lieder mit anzuhören « , sagte sie in tiefgekränktem Tone . » Doch ich werde hinübergehen in mein Zimmer , dann mag sie singen , soviel sie will . « Der Baron war erstaunt stehengeblieben , Eberhardt drehte sich um und sagte zu mir : » Fräulein Siegismund wird nicht singen , wenn sie dich damit aufregt , liebe Ruth « , und warf mir dabei einen befehlenden Blick zu . Mir war , als hörte ich nicht recht . War das wirklich Wilhelm v. Eberhardt , der so zu mir sprach ? Der Wilhelm , der mich liebte , mein Wilhelm ? Ich wollte ihm noch einmal in die Augen sehen , doch er hatte sich schon wieder gewandt und blickte auf Ruth , die wie ein Kind , das seinen Willen ertrotzt hat , ihren Platz wieder einnahm . Der Baron hatte eine scharfe Bemerkung auf seinen Lippen , die Ader auf der Stirn war gewaltig angeschwollen . Aber er bezwang sich , schritt zur Tür und ging hinaus . Ruch sah ihm gleichgültig nach . » Papa ist furchtbar schlechter Laune « , sagte sie . » Sein blondes Nesthäkchen fehlt ihm überall . Das kleine Schmeichelkätzchen verstand es , ihm die Grillen zu vertreiben . « Eberhardt antwortete nicht , und sah , wenn möglich , noch finsterer aus als vorhin . » Nun , cher cousin , warum so nachdenklich ? « fragte sie wieder und warf ihm kokett eine Blume zu , mit der sie gespielt hatte . Die Blume fiel zur Erde , er machte eine Bewegung , als ob er sich danach bücken wollte . Dann zog er die Hand zurück und blieb in seiner vorigen Stellung . Da trat ich vor , nahm die Blume auf und legte sie neben ihm auf den Tisch , dann verließ ich das Zimmer . Ich ging hinauf in mein einsames Turmstübchen . Wie wundersam war mir zu Sinne ! Etwas wie Eifersucht packte mich , ich wußte ihn dort unten allein mit der schönen , koketten Frau , rief mir zurück , wie er sie angeschaut , und konnte mir nicht erklären , warum er gar keinen freundlichen Blick , kein liebes Wort heute für mich gehabt hatte . Er war sonst damit nicht karg gewesen , noch gestern abend hatte er mir zugeflüstert , daß nun der Tag nicht mehr fern sei , der auch uns für immer vereinigen sollte – und nun kein Blick , kein Wort und diese finstere Miene ? Ich hätte doch nicht fortgehen sollen . Ruth , die schöne Ruth , mit ihr saß er dort unten , und sie schaute er an – es war zum Verzweifeln ! Ich schlich mich wieder hinunter und wollte in das Zimmer gehen . Als ich vor der Tür stand , machte ich mir Vorwürfe , daß ich mißtrauisch sei . Ich sagte mir , daß ich kein Recht habe , an ihm zu zweifeln , daß jeder Mann einmal verstimmt sein könne . Ich wollte ihn morgen fragen , ob ich etwas Unrechtes getan , ob ich ihn unwissentlich beleidigt hätte . Dann mußte sich ja alles