zu seinem heutigen Polterabend geladen waren , Familien aus der Residenz , aus der Umgegend , die Sippe der Ribbenecks , die Kameraden seines alten Regiments – – „ Wenn ich dir helfen könnte , “ sagte Hede plötzlich laut und leidenschaftlich , „ ich brächte Ottilie um – und mich dazu – wozu leben wir auch ! “ „ Wozu – oder wovon helfen ? “ fragte er betroffen und wandte sich nach ihr um . „ Von deiner Heirat ! – “ „ Du bist toll , Mädel ! “ antwortete er , seine Augen blitzten drohend und eine Röte lagerte auf seiner Stirn . „ Was geht dich das an , was kümmert dich die Wahl meiner Frau ? Hast du einmal Vorwürfe zu gewärtigen , wenn die Sache schlecht ausgeht ? “ „ Nein ! “ sagte sie hart , „ du könntest mir auch keinen Vorwurf machen , denn ich – ich möchte dich am liebsten mit diesen meinen beiden Händen von ihr wegreißen ! “ „ Hede ! “ rief er , aufspringend bei dem rücksichtslosen Bekenntnis des sonst so ruhigen Geschöpfes . Aber die grenzenlose Enttäuschung über die Schwägerin , eine Enttäuschung , die in ihrem Herzen sich seit ihrer Anwesenheit in Breitenfels , seitdem sie Toni zum erstenmal gesehen , aufgesammelt hatte , die Angst , der Schmerz um das Schicksal des über alles geliebten Bruders ließen sie jede Rücksicht vergessen . Sie sprang empor , eilte zu ihm , und neben ihm niedergleitend , faßte sie seinen Arm . „ Muß es denn sein ? “ rief sie halb erstickt , „ besinne dich doch , Heinz , du bist doch sonst nicht feige gewesen – nichts als ein kurzer Entschluß gehört dazu – Hunderte von Verlobungen gehen zurück . Da drunten das junge Mädchen , von dem jetzt alle Welt spricht – wie heißt sie doch gleich ? hatte den Mut , habe ihn doch auch , mach ’ dich nicht unglücklich , Heinz , lieber Heinz – noch ist ’ s Zeit – denke nicht an uns , gehe hinaus in die Welt , schaff ’ dir ein freies Glück ! “ Er hatte sie emporgerissen , sie in einen Stuhl gedrückt und holte ein Glas Wasser . „ Trink ! “ sagte er kurz , „ beruhige dich , deine Nerven spielen dir übel mit ! Lernst du sie nicht beherrschen , so betrittst du denselben Weg , den unsere unglückliche Schwester jetzt wandelt . Sieh mich nicht so entsetzt an ! Wenn du so unsinnig sein und deinem Bruder den Rat geben kannst , ein Schuft zu werden , indem er sich , um einem eingebildeten Unglück zu entgehen , der Pflicht eines Ehrenmannes entzieht – entzieht in der elften Stunde , so bist du nicht mehr normal ! Fasse dich ! Ich weiß , dich läßt die Liebe zu mir in der Mücke einen Elefanten sehen , und deshalb will ich dir die Scene , die du mir heute machst , nicht anrechnen . Für die Zukunft aber , Hede und nicht wahr , es liegt dir daran , daß wir zueinander halten in echter Geschwisterliebe ? – für die Zukunft darfst du nie wieder ein Wort gegen die sagen , die meine Frau ist , denn sieh – sonst müssen wir uns trennen . Nun reiche mir die Hand und sei meine vernünftige Hede – komm , gieb mir einen Kuß . Er beugte sich nieder und küßte sie , sie aber saß wie ein wächsernes Bild und mühte sich vergebens , ihres Zitterns Herr zu werden . Eine lange Zeit blieb es stumm zwischen ihnen ; er stand am Fenster , ihr rieselten unausgesetzt große Tropfen über die Wangen . Ja , lieber Gott , sie hätte sich das sparen können , hatte sich auch schon alle Tage , die sie hier weilte , gesagt . „ Es ist nichts mehr zu ändern daran ! “ Nun platzte sie zuletzt doch noch damit heraus ! Und er – er schaute zu Aenne Mays Vaterhaus hinunter und dachte über Hedes Ausruf nach . Die hatte den Mut gehabt , sich frei zu machen ; ja , die konnte es auch , das lag anders ! Sie hatte einfach einen Irrtum eingesehen , er aber , er war der Werbende gewesen , er hatte nach Toni Ribbeneck gegriffen wie der Ertrinkende nach dem Strohhalm . Jetzt , wo er sich auf festes Land gerettet , konnte er sie nicht verlassen . Daran gedacht hatte er , vor drei Wochen noch , als er mehr und mehr die Oede des Gestades erkannte , auf dem er gelandet durch sie ; er [ 135 ] meinte damals , es sei nicht möglich , darauf zu leben . Nun , wo sie in Anbetracht ihrer Ansprüche ans Leben so gut nie mittellos geworden , kamen jene verzweifelten Gedanken einer Flucht nicht mehr ; er wußte , was er sich schuldig sei , und es war so etwas wie Galgenhumor über ihn gekommen . ’ Vorwärts mit frischem Mut ! ’ trommelte er auf den Fensterscheiben . Da scholl die Stimme Hedes hinter ihm . „ Willst du mir verzeihen , Heinz ? Ich sehe ja ein , ich war toll , du kannst ja gar nicht anders , vergieb mir ! “ Er wandte sich sogleich um und nahm sie in den Arm . „ Siehst du , du dummes Mädel ? Wozu das alles erst – du solltest mich doch kennen ! “ „ Ja , es war dumm von mir . “ „ Na , laß gut sein , “ tröstete er , „ wir beide bleiben die Alten ; ich wollte nur , ich könnte dich in der Nähe behalten ! “ „ Ich wollte es auch , aber es geht doch nicht , Heinz . “ „ Meinst du nicht , daß du hier auch einige mallustige Mädel zusammenbringst , wenn du dir ein paar