mich meiner Frauenart entschlagen müßte , nur weil ich eine Königin bin . Als Frau aber interessiert mich alles , was unser Geschlecht angeht , und was ging ' uns näher an als eine solche question d ' amour . « » Majestät sind so gnädig . « » Nicht gegen Sie , lieber Schach . Es ist um des Fräuleins willen ... Der König hat mir alles erzählt , und Köckritz hat von dem Seinen hinzugetan . Es war denselben Tag , als ich von Pyrmont wieder in Paretz eintraf , und ich kann Ihnen kaum aussprechen , wie groß meine Teilnahme mit dem Fräulein war . Und nun wollen Sie , gerade Sie , dem lieben Kinde diese Teilnahme versagen und mit dieser Teilnahme zugleich sein Recht . Das ist unmöglich . Ich kenne Sie so lange Zeit und habe Sie jederzeit als einen Kavalier und Mann von Ehre befunden . Und dabei , denk ich , belassen wir ' s. Ich habe von den Spottbildern gehört , die publiziert worden sind , und diese Bilder , so nehm ich an , haben Sie verwirrt und Ihnen Ihr ruhiges Urteil genommen . Ich begreife das , weiß ich doch aus allereigenster Erfahrung , wie weh dergleichen tut und wie der giftige Pfeil uns nicht bloß in unserem Gemüte verwundet , sondern auch verwandelt und nicht verwandelt zum Besseren . Aber wie dem auch sei , Sie mußten sich auf sich selbst besinnen und damit zugleich auch auf das , was Pflicht und Ehre von Ihnen fordern . « Schach schwieg . » Und Sie werden es « , fuhr die Königin immer lebhafter werdend fort , » und werden sich als einen Reuigen und Bußfertigen zeigen . Es kann Ihnen nicht schwer werden , denn selbst aus der Anklage gegen Sie , so versicherte mir der König , habe noch immer ein Ton der Zuneigung gesprochen . Seien Sie dessen gedenk , wenn Ihr Entschluß je wieder ins Schwanken kommen sollte , was ich nicht fürchte . Wüßt ich doch kaum etwas , was mir in diesem Augenblicke so lieb wäre wie die Schlichtung dieses Streits und der Bund zweier Herzen , die mir füreinander bestimmt erscheinen . Auch durch eine recht eigentliche Liebe . Denn Sie werden doch , hoff ich , nicht in Abrede stellen wollen , daß es ein geheimnisvoller Zug war , was Sie zu diesem lieben und einst so schönen Kinde hinführte . Das Gegenteil anzunehmen widerstreitet mir . Und nun eilen Sie heim , und machen Sie glücklich und werden Sie glücklich . Meine Wünsche begleiten Sie , Sie beide . Sie werden sich zurückziehen , solang es die Verhältnisse gebieten ; unter allen Umständen aber erwart ich , daß Sie mir Ihre Familienereignisse melden und den Namen Ihrer Königin als erste Taufpatin in Ihr Wuthenower Kirchenbuch eintragen lassen . Und nun Gott befohlen . « Ein Gruß und eine freundliche Handbewegung begleiteten diese Worte : Schach aber , als er sich kurz vor der Gartenfront noch einmal umsah , sah , wie beide Damen in einen Seitenweg einbogen und auf eine schattigere , mehr der Spree zu gelegene Partie des Parkes zuschritten . Er selbst saß eine Viertelstunde später wieder im Sattel ; Ordonnanz Baarsch folgte . Die gnädigen Worte beider Majestäten hatten eines Eindrucks auf ihn nicht verfehlt ; trotzdem war er nur getroffen , in nichts aber umgestimmt worden . Er wußte , was er dem König schuldig sei : Gehorsam ! Aber sein Herz widerstritt , und so galt es denn für ihn , etwas ausfindig zu machen , was Gehorsam und Ungehorsam in sich vereinigte , was dem Befehle seines Königs und dem Befehle seiner eigenen Natur gleichmäßig entsprach . Und dafür gab es nur einen Weg . Ein Gedanke , den er schon in Wuthenow gefaßt hatte , kam ihm jetzt wieder und reifte rasch zum Entschluß , und je fester er ihn werden fühlte , desto mehr fand er sich in seine frühere gute Haltung und Ruhe zurück . » Leben « , sprach er vor sich hin . » Was ist leben ? Eine Frage von Minuten , eine Differenz von heut auf morgen . « Und er fühlte sich , nach Tagen schweren Druckes , zum ersten Male wieder leicht und frei . Als er , heimreitend , bis an die Wegstelle gekommen war , wo eine alte Kastanienallee nach dem Kurfürstendamm hin abzweigte , bog er in diese Allee ein , winkte Baarsch an sich heran und sagte , während er den Zügel fallen ließ und die linke Hand auf die Kruppe seines Pferdes stemmte : » Sage , Baarsch , was hältst du eigentlich von Heiraten ? « » Jott , Herr Rittmeister , wat soll ich davon halten ? Mein Vater selig sagte man ümmer : Heiraten is gut , aber nich heiraten is noch besser . « » Ja , das mag er wohl gesagt haben . Aber wenn ich nun heirate , Baarsch ? « : » Ach , Herr Rittmeister werden doch nich ! « » Ja , wer weiß ... Ist es denn ein solches Malheur ? « » Jott , Herr Rittmeister , for Ihnen grade nich , aber for mir ... « » Wie das ? « » Weil ich mit Untroffzier Czepanski gewett ' hab , es würd doch nichts . Un wer verliert , muß die ganze Korporalschaft freihalten . « » Aber woher wußtet ihr denn davon ? « » I Jott , des munkelt ja nu all lang . Un wie nu vorige Woch ooch noch die Bilders kamen ... « » Ah , so ... Nu sage , Baarsch , wie steht es denn eigentlich mit der Wette ? Hoch ? « » I nu , ' s jeht , Herr Rittmeister . ' ne Cottbusser un ' n Kümmel . Aber for jed ' een . « » Nu , Baarsch , du sollst dabei nicht zu Schaden