, von innerlicher Freiheit und äußerlichem sich Schicken , von Pfennigängstlichkeit und Unternehmungskühnheit , alles auf Grundlage tief eingewurzelten und mit Vorliebe gepflegten Spießbürgertums . Der äußere Gang seines Lebens ist bald erzählt . Von illustrierenden Zügen füg ' ich nur einzelnes hinzu . * Johann Christian Gentz wurde den 26. Juli 1794 geboren . Sein Vater war ein kleiner Tuchmacher und der Sohn trat mit dreizehn Jahren in das väterliche Handwerk ein . Dann kamen Wanderjahre . 1820 , inzwischen von seinen Kreuz- und Querzügen zurückgekehrt , verheiratete er sich mit Juliane Voigt und erstand von ihrem Vermögen , 2000 Taler , ein kleines Eisen- und Kurzwarengeschäft , das sich schon damals in dem eingangs erwähnten Hause ( dem Gustav Kühnschen schräg gegenüber ) befand . Er fühlte was vom Handelsgeist in sich und diesem Geiste folgend , ging er bald von dem Eisen- und Kurzwarengeschäft zum Bank- und Wechselgeschäft über ; endlich wurde das Wustrauer Luch erstanden und Gentzrode gegründet , über welche Gründung ich , am Schluß dieses Bandes , in einem besonderen Abschnitt ausführlich berichte . Diese Gründung von Gentzrode war das letzte große Unternehmen . Aber ehe die Tausende dafür verausgabt werden konnten , mußten die Einer und Zehner erworben werden . Das forderte einen langen und mühevollen Weg . Wie er diesen Weg machte , welche Mittel er ersann , um zu seinem Ziele zu gelangen , ist bezeichnend für den Mann . Um drei Uhr war er auf und begann damit den Laden selber auszufegen . Dies verriet Kraft und Energie und vor allem jenen Mut , der dem Gerede der Leute Trotz bietet . Eine Art von Genie aber entwickelte er in seinem Verkehr mit dem Publikum . Von einer seiner Meßreisen hatte er eine acht Fuß hohe Spieluhr mitgebracht , die fünf Lieder spielte . Wollte nun eine wohlhabende Bauernfrau , die nach seiner Meinung noch nicht genug gekauft hatte , den Laden wieder verlassen , so zog er an der Uhr , die sofort » Schöne Minka , du willst scheiden « zu spielen begann . Die Frau blieb nun , um weiter zu hören , und fiel als Opfer ihrer Neugier oder ihres musikalischen Sinnes . Als die Uhr defekt geworden war , schaffte er statt ihrer eine Schwarzdrossel an , die in gleicher Lage pfeifen mußte : Mein Schätzchen , mein Schätzchen , kommst immer her Und bringst mir gar nichts mit ? Der schon vorerwähnte Kauf der Wustrauer Wiesen erfolgte gegen 1840 und legte , wenigstens nach damaligen Begriffen , das Fundament zu wirklichem Reichtum . Was bis dahin erworben war , bedeutete nicht viel mehr als eine mittlere Wohlhabenheit . Im Luch aber lag ein Schatz . Erst von jenem Zeitpunkt ab hob sich , mit der finanziellen Lage des Besitzers , auch der Torfbetrieb überhaupt . In unseren residenzlichen Heizungsverhältnissen bildet übrigens der Torf , wie hier parenthetisch bemerkt werden darf , nur eine » Episode « , die rapid ihrem Abschluß entgegen geht . Anfang dieses Jahrhunderts begann sie zu blühen , und ehe hundert Jahre um sein werden , wird sie gewesen sein . Wie bei der Newcastler Steinkohle , so ist auch beim Linumer Torf sein Ende vorausberechnet . Aber zurück zu unserem Christian Gentz . Etwa 1855 schied er aus den Geschäften , dieselben seinem jüngeren Sohne Alexander ( s. das Kapitel Gentzrode ) überlassend . In einem am » Tempeltore « gelegenen Garten , unter den Bäumen des Walls , verbrachte er mit Vorliebe seine Tage , ländlichen Beschäftigungen hingegeben , die nur , von 1857 ab , durch häufige Nachmittagsfahrten auf das in Gründung begriffene Gut und dann und wann auch durch weitere Reisen unterbrochen wurden . Die weiteste dieser Reisen ging nach Paris , wo sein älterer Sohn , der Maler Wilhelm Gentz , damals lebte . Völlig umgewandelt , wenigstens in seiner äußeren Erscheinung , kam er von dieser Reise zurück . Er trug einen eleganten Anzug aus dem Schneiderkunstatelier von Dusantoy , dazu einen langen , weißen Bart und einen Fez . In diesem Aufzuge verblieb er auch bis an sein Lebensende , mit Ausnahme der Dusantoyschen Schöpfung , die , selbstverständlich , einige Jahre später durch bescheidenere Produkte heimischer » Ateliers « ersetzt werden mußte . Seines weißen Bartes war er ganz besonders froh und widerstand allen Aufforderungen ihn abzulegen . » Ich habe lange genug einem hochlöblichen Publikum gedient und einen Philisterbart getragen ; nun will ich endlich frei sein und einen Demokratenbart tragen . « Dies führt uns auf seine Gesinnung , auf sein Glaubensbekenntnis in politischen und kirchlichen Dingen . Personen , die sich aus dem Nichts emporarbeiten , haben immer eine Neigung ins Extrem zu verfallen und entweder alles dem lieben Gott , oder aber alles sich selber anzurechnen . Zählen sie zu den ersteren , also zu den gläubig-kirchlichen Leuten , so sind sie meist auch loyal , Ordnungsmänner par excellence , und werden , mit einem Ordenskissen vorauf , schließlich als Geheime Kommerzienräte hinausgetragen ; gehören sie jedoch umgekehrt zu der zweiten oder der ungläubigen Gruppe , so stehen sie , wie zur Großautorität Gottes , gewöhnlich auch zu den Kleinautoritäten der diesseitigen Welt in einem sehr zweifellustigen Verhältnis und haben in ihrer ungrammatikalischen Weisheit eine tiefe Neigung , alles , was nicht ihren Gang geht , unsagbar töricht zu finden . Innerhalb der Politik sind sie dann jedesmal treue Anhänger des Satzes » alles für das Volk , alles durch das Volk « . Und so war auch der alte Gentz . Die Zeiten sind vorüber , wo man sich berechtigt glauben durfte , daraus einen moralischen Makel herzuleiten . Das Recht einer freien Entwicklung der Geister , nach rechts oder links hin , ist zugestanden ; nicht Ziel und Richtung gelten fürder als das sittlich Entscheidende , sondern der Weg . Wessen Weg über Treubruch , Verrat und Undankbarkeit führt , den kann kein hohes Prinzip , keine glänzende Fahnenschrift retten ; wer umgekehrt lautere Wege wandelt