im Leben ist im Spiel Gewinnen , das nächstbeste im Spiel Verlieren . « » Also dann ist es nicht das Gewinnen « , wandte Egloff ein . Der Graf warf sich unbehaglich im Bette hin und her . » Sie wollen philosophieren , « sagte er , » ein Zeichen des schlechten Zustandes Ihrer Nerven . Nun hören Sie , was ein Freund von mir , ein gewisser Klebajew , sagte . Er war ein Narr , zuletzt verrückt und erschoß sich . Er sagte also : Ich spiele jede Nacht , weil es mich jede Nacht wieder interessiert , mich mit dieser geheimnisvollen und unbegreiflichen Kanaille , die wir Glück nennen , herumzuschlagen . « » Ein wenig pathetisch , « bemerkte Egloff , » aber es läßt sich hören . Warum erschoß er sich denn ? « » Weil er verrückt war « , entgegnete der Graf . » In letzter Zeit sprach er immer davon , er sei es gar nicht selbst , der jeden Abend spielte , das sei der andere , und der andere spiele absichtlich schlecht , und er , Klebajew , müsse immer die Spielschulden des anderen bezahlen , und er habe es nun satt , die Spielschulden des anderen zu bezahlen . Nun , und da schoß er sich tot . Eben ein Verrückter . « Egloff schwieg eine Weile und sprach dann nachdenklich vor sich hin : » Ja , darauf kommt es immer heraus , die Schulden des anderen zu bezahlen . « Der Graf richtete sich ein wenig auf und schaute Egloff verwundert und besorgt an . » Hören Sie , Baron , Sie sollten sich doch noch ein Zimmer nehmen und zu Bett gehen , Sie tun ja so , als ob Sie das verrückte Zeug verstehen . « Egloff lachte und erhob sich . » Ein Spaziergang wird wohl dieselben Dienste tun , « meinte er , » leben Sie wohl , lieber Graf , gute Besserung . « » Danke , danke , « sagte der Graf , » vielleicht kommen Sie heute abend in den Klub , ich bin jeden Augenblick zur Revanche bereit . « » Ich weiß nicht , « erwiderte Egloff , » ich fürchte , die Kanaille , wie Ihr Freund sagt , ist jetzt nicht auf meiner Seite . « » Unsinn , « protestierte der Graf , » also leben Sie wohl . « Egloff ging hinaus , draußen nahm er seinen Hut ab , der Kopf schmerzte ihn ; er schlug den Weg zu den Stadtanlagen ein . Gewaltsam grün standen die Alleen gegen den lichtgrauen Himmel , die Amseln lärmten in den Zweigen . Die Anlagen waren um diese Zeit noch leer . Hie und da saß ein Gymnasiast mit einem Buche auf einer Bank , und ein Kindermädchen schob schläfrig einen Kinderwagen vor sich her . Wunderlich abgelöst und wie nicht zu ihm gehörig , erschien Egloff diese Umgebung heute wie eine Traumwelt , die wir über uns ergehen lassen . Aber das kannte er von früheren durchzechten und durchspielten Nächten , ja er selber , der Herr im hellen Frühlingsanzuge , empfand sich als etwas nicht Zugehöriges , als etwas , das er über sich ergehen ließ . An einer Biegung des Weges blieb er stehen . Das war ja die echte Traumwelt , in der das Unwahrscheinliche vor uns steht , wie selbstverständlich . Da kam Lydia Dachhausen auf ihn zu , im hellbraunen Frühjahrskostüm , einen weißen Flügel auf dem grauen Hut , das Gesicht rosig , die Augen blank . Lächelnd blieb sie vor ihm stehen und reichte ihm die Hand . » Da sind Sie « , sagte sie . » Haben Sie mich denn erwartet ? « fragte Egloff erstaunt . » Ja , « erwiderte Lydia , » Adine sagte mir , Sie seien in der Stadt , und da dachte ich , Sie würden hier sein . Wollen Sie mich die Allee hier hinunterbegleiten ? « und sie begann langsam neben ihm herzugeben . » Wenn Sie darauf Gewicht legen « , erwiderte Egloff nicht eben höflich . » Gewiß lege ich darauf Gewicht « , versetzte Lydia . » Ich muß es eben schon früher gewußt haben , daß ich Sie hier treffen werde , denn ich wachte heute morgen auf mit dem Entschlusse , in die Stadt zu fahren . Ich wußte nicht warum , aber es stand fest bei mir . Ja , so was gibt es , nicht wahr ? « Sie schaute lächelnd zu ihm auf . » Es freut mich , Sie so heiter zu sehen « , bemerkte Egloff trocken . » Ja , es ist seltsam , « plauderte Lydia weiter , » zuweilen wache ich am Morgen auf und bin heiter . Es scheint mir dann , daß alles , was traurig und schwierig war , gut werden wird , das Leben ist plötzlich wieder angenehm , und ich freue mich darauf ganz ohne Grund . Passiert Ihnen das nicht auch zuweilen ? « Da Egloff nicht antwortete , fuhr sie fort : » Dieses Licht bekommt mir auch gut , zu viel Sonne vertrage ich nicht , aber heute geht man ja wie unter einem lichtgrau seidenen Lampenschirm . Ach ja , denken Sie sich , die rosa Lampenschirme , über die Sie einmal gespottet haben , kommen fort , und ich schaffe mir lichtgrau seidene an , die werden mit weißer Seide gefüttert , damit sie recht hell sind , das kann hübsch sein , nicht wahr ? « » Das kann hübsch sein « , wiederholte Egloff . Dieses zuversichtliche Geplauder beruhigte ihn , er wollte es weiter hören . » Gertrud Port , « berichtete Lydia , » behauptet , das würde den Teint bleich und grau machen , aber sehen Sie doch , wie heute die Farben rein und deutlich sind . Nun ja , die arme Gertrud ist immer besorgt , daß