sich der erste direkt an Tschun : » Du gehörst wohl auch zu ihnen ? Hüte Dich , Euch Teufeln zweiten Grades , die Ihr zu den Fremden haltet , wird ' s am schlimmsten gehen . « Doch nun hatte sich das Knäuel gelöst , das Maultier zog an , und es ging weiter auf langer , breiter Straße , an dem Himmelstempel vorbei , bis hinaus zum Bahnhof . Da standen schon wartend viele Freunde der Reisenden . Man sagte sich Adieu und sprach von Wiedersehen auf anderen Posten . Viel gute Wünsche für eine glatte Ueberfahrt wurden laut , und niemand schien zu denken , daß vielleicht gerade die Zurückbleibenden den weitaus schlimmeren Stürmen entgegengehen könnten . Der hübsche weiße Herr streichelte das Hündchen Tin chau zum Abschied . » Du hast es besser als ich , « sagte er , indem er es der Taitai in den Waggon hinaufreichte . Der böse Herr sah dem zu , mürrisch und zugleich schadenfroh , als dächte er : Sehe ich sie nicht , siehst doch auch Du sie nicht mehr . - Dann pfiff die Lokomotive , Hüte und Taschentücher wurden geschwenkt , die Boys beugten zum letztenmal das Knie vor der scheidenden Herrschaft . Der Zug setzte sich in Bewegung : langsam zuerst . Einige der jungen Herren liefen noch ein Stückchen am Waggon mit , aber schneller und schneller drehten sich die Räder und führten die Taitai davon ; fort aus dem Bereich der hohen finstern Pekinger Stadtmauern und seiner dräuenden Türme - hin zu neuen Städten , wo vieles ganz anders sein mochte , wo sich aber sicherlich auch wieder junge Herren einstellen würden , die gern schönen Frauen auf einem Stückchen Lebensweg das Geleit geben . Tschun zog nun wieder zu seiner Mutter , denn er und die anderen Boys hatten vorläufig keine Beschäftigung in der Gesandtschaft ; nur Kuang yin sollte darin verbleiben und das Haus hüten , in dem die Taitai einst gewohnt . Die übrigen warteten und hofften später in die Dienste des künftigen Gesandten zu treten . Tschun begleitete jetzt manchmal die Mutter , wenn sie in den Petang ging , um sich bei der Schwester Apothekerin Rat und Arzneien zu holen . Es war nicht mehr dieselbe , die einst , als Tschun ein ganz kleiner Junge gewesen , das Loch an seiner Stirn verbunden hatte . Aber eigentlich hätte es dieselbe sein können , so gleich war beider Art. Auch sie hatte dieselbe ruhige Güte , den unerschütterlichen milden Gleichmut gegenüber den trübsten Seiten des Lebens . Und das alles tat Tschun wohl . Es mußte wohl den Bedürfnissen seines geheimsten Wesens entsprechen . Denn irgend etwas in ihm war nicht mehr so recht froh und zuversichtlich . Es gab da eine wunde Stelle . Er grübelte . Hatte er sich vielleicht im Weg geirrt , damals als er ihn so selbstentscheidend gewählt ? Es sollte doch alles schön werden durch die Fremden , die so viel Neues und Gutes brachten . Und rasch sollte es so werden . Er selbst hatte es so eilig gehabt , zu dieser neuerstehenden Welt zu gehören . Aber was war denn seitdem anders und besser geworden ? Man konnte jetzt mit der Bahn von Tientsin nach Peking in vier Stunden fahren , statt wie früher in ebensoviel Tagen im Boot den gewundenen Peiho hinauf . Das war eigentlich alles - und das machte ein Volk nicht besser , noch glücklicher . Das einzigste Mal aber , wo wirklich der Versuch gemacht worden , Reformen einzuführen , da hatten die Fremden das Werk nicht unterstützt , hatten nur verständnislos und untätig zugeschaut , wie zerstört wurde , was doch sie zuerst gesät . Und durch den damaligen leichten Sieg ermutigt , hatten sich seitdem all die dunklen Mächte zusammengerottet und stiegen jetzt aus unheimlichen Tiefen auf , um nunmehr auch jene zu vernichten , die sie als Ursprung alles Uebels ansahen und dafür verantwortlich machten . Und wieder schauten die Fremden unschlüssig zu , obschon es doch so klar war , daß die Losung diesmal gegen sie ganz persönlich gerichtet war , und sie konnten sich nicht einigen , welche Gegenmaßregeln zu ergreifen seien . Einzig der weise alte Bischof schien die Dinge zu sehen , wie sie wirklich waren . Ihm strömten die Nachrichten aus tausend Quellen zu ; von den bedrängten Missionaren im Innern , von den vielen Christen , die aus ihren Städten und Dörfern vor den Boxern hatten fliehen müssen , und die nun anfingen , scharenweise nach Peking einzuströmen , um sich ganz selbstverständlich nach dem Petang zu wenden und ebenso selbstverständlich dort aufgenommen zu werden . Sie füllten schon ganze Abteilungen des weiten umwallten Missionsgrundstücks , arme Leute zumeist , die nur das Leben gerettet hatten , und , von den Wogen der Verfolger vor sich hergetrieben , oft nicht einmal wußten , wo ihre nächsten Angehörigen geblieben sein mochten , in diesem Sturm , der so vernichtend über ihre kleinen , kümmerlichen Existenzen hereingebrochen war . Alle brachten sie dieselben Erzählungen mit , von der raschen Ausdehnung der Bewegung , von Boxeremissären , die mit aufreizenden Proklamationen durch das ganze Land zögen , von Edikten , die die Regierung dagegen erließ , um scheinbar zu Ruhe und Ordnung zu ermahnen , die aber von niemand beachtet wurden , da jeder wußte , daß sie nur erfolgten auf Drängen der fremden Gesandtschaften in Peking und um sie in Sicherheit zu wiegen , daß sie aber gar nicht ernst gemeint seien , da ja die Mandarine selbst den Boxern Schutz gewährten ; ja sogar von regulären Truppen erzählten die Flüchtlinge , die angeblich zur Bekämpfung der Aufständischen ausgesandt , alsobald selbst zu ihnen übergingen . Alle auch schilderten die Boxer in ihrem grausamen Wüten wie Besessene , die keine Gewalt mehr über sich anerkennen und sich vor nichts auf Erden fürchten , weil sie sich selbst für durch überirdische Macht Gefeite halten . - Verwundungs- und Todesmöglichkeiten