denn er schaute mich so erschrocken an und schüttelte so ohne alle Fassung den Kopf , daß er mir ganz erbarmte . Dann aber schrie er mich scharf an : » Nix da ! - D ' Welt sehgn ! - Du brauchst no nit so viel z ' wissen von der Welt ! - Wirst ' s wohl aushalten können bei mir ! « War also für diesmal die Sach umsonst . Doch ich ließ nicht mehr luck und fing alle Tag von neuem damit an , daß ich halt einmal wieder hinaus möcht und ein bißl wandern . Und zum End mußt er doch nachgeben , der Alt . Versprach mir also , daß ich zur nächsten Jahrmarktreis mittappen dürft auf Kufstein zum Lichtmeßmarkt . Sollt aber zuvor noch auf Bayrischzell hineingehen zum alten Tiroler Katherl und sie bitten , daß sie dem Bildlthomas wieder möcht das Haus versorgen , bis er zurückkäm , wie sie es sonsten immer getan hatte , ehedem ich zu ihm gekommen war . Froh dieser Botschaft machte ich mich also etwan ein Woch vor Lichtmeß auf den Weg , das alte Weiblein heimzusuchen . Sie hatte ein armseligs Logis im Häusl der Totenpackerin von Bayrischzell , dafür sie dieser die Kindswindeln wusch , den Geißenstall versorgt und etwan auch bei dem einen oder dem andern Abgeschiedenen die Totenwacht hielt , wenn die Packerin nicht der Weil hatte dazu . Ihr winzigs Kammerloch , das man ihr zur ebenen Erd angewiesen hatte , lag neben dem Stall und glich ehender einer alten Rumpelkammer denn einer Altleutstuben . Außer etlichen alten , wurmstichigen Hockern und Bänklein , einem wackligen Tisch und einer niedern Truhe sah man nichts als Gerümpel , zerbrochenes Geschirr und zerrissene Hadern in der Kammer . Im Eck aber stand eine großmächtige Himmelbettstatt , darin statt der flaumigen Federbetten ein Haufen Haderlumpen und ein Geißenfell lag ; auf dem Dach des Betthimmels standen allerhand Schachteln , Körb und Gläser , ein zerbrochens Spinnrad und eine mit verblichenen Bändern gezierte Strohkirm oder Kraxe , darin das Katherl in seinen rüstigen Jahren allerlei nützliche und kostbarliche Dinge durch die Land getragen und an gutwillige Bäuerinnen , deren Töchter und Ehhalten verkauft hatte : Haarpomaden , schmeckende Seifen , allerhand Mixturen gegen Leberfleck und Hexenmal , feine Fläschlein mit Wasser , das nach Rosmarin oder Lilien , nach Purpurrosen oder Märzveigerlein roch ; zierliche Kettlein an Hals und Mieder , seidene Barben und steife Schmisettlein , und dazu viel kurzweilige Späß , Neuigkeiten , Wundermären und sonst gefällige Reden und Weisen . Ihre Mutter , eine Marketenderin , welche als eine stattliche , handfeste Dirn mit den Tirolern in alle Kämpfe zog , als es galt , dem österreichischen Kaiser und Herrn Leopold seinem Sohn den Thronsessel und die Kron von Spanien zu gewinnen , hatte als getreue Liebste eines Fahnenträgers ausgehalten an seiner Seiten , magere Kost und elendigs Quartier mit ihm geteilt und ihm endlich , grad als er , von einer Kugel zerschossen , im Sterben lag , das Katherl in den Arm gelegt ; hatte ihm nach seinem Abscheiden den kaiserlichen Rock ausgezogen und das arm Wuzerl dareingewickelt , den kaiserlichen Fahn in die Hand genommen und war als ein rechts und riegelsams Soldatenweib , das Kind gleich einem Schleppsack auf den Buckel gehängt , den Mannern vorangezogen , bis auch sie , vom Blei getroffen , liegen blieb und ihren Kaiserfahn samt dem zwei Jahr alten Kindl den Tirolern überließ . Da ward also das armselig Maidlein bald von dem einen , bald von dem andern Siechen oder Verwundeten eine Weil gewartet , bis sich endlich ein christlich Weib im Schwabenland des vater- und mutterlosen Zwacks annahm und etliche Jahr um Gottswillen dafür sorgte . Aber schon rührte sich auch in dem jungen Blut das unstete und wanderlustige Wesen der Mutter ; und da eines Tags ein Karrner durch das Nest gezogen kam und auch im Haus der alten Pflegmutter vorsprach um Schmalz und Eier und sich in liebreicher Weis mit dem kleinen Katherl unterhielt , da hing sich das Kind plötzlich an seinen Hals und bettelte ihn , daß er es doch mitnähm auf seinem Karren . Hörte auch nicht ehender auf zu bitten und betteln , bis es ihr der gut Mann versprach . Gab sie also die Pflegmutter hin und band ihr ein Hemd , ein Röcklein und ein Paar feuerrote Strümpf in ein Tuch , hing ihr ein Kräglein um mit einer Kapuzen und setzte sie auf den Karren zu den Eierkörben und Schmalzhäfen . Da lachte das Maidlein und schrie hü hott ! und fuhr dahin . Also wanderte der gut Karrner wohl etliche Jahr mit ihr durchs Schwabenland , durch Bayern und bis gegen die Berge , da es dem nunmehr zehnjährigen Jungferlein dann so wohl gefiel , daß es alle Lieb für den guten Karrner vergaß . Verkroch sich also etliche Tag in Streuschupfen und Holzlegen , bis der trostlose Alte endlich nach hartem Suchen ohne sie weiterfuhr . Da fand man sie halb verhungert und ganz ohnmächtig in einem Schupfen und übergab sie der Gemeindemutter , die sie nach langem Sträuben endlich aufnahm und eine kleine Zeit behielt , bis das Maidl wieder wohlauf war ; alsdann verdingte man den Balg , den fremden , zu einem Bauern als Gänsdirndl , dabei sich das Kind eine Weil ganz wohl fühlte , bis wieder der Laufteufel über sie kam und sie eines Tags mitten vom Gänshüten davonlief und sich weit ins Gebirge hineinwandte , hungernd und bettelnd und doch munter singend . Wurde auch bald da , bald dort aufgehalten und zur Arbeit eingespannt , blieb aber nirgends länger denn etliche Wochen und kam endlich bis ins Tirolerland , da sie dann einen Kraxentrager fand , der sie mitnahm , erst als ein Pflegkind , bald aber als sein Lieb und Gespons . Nun war das Katherl ein gar wilds und ungebändigts Ding , konnt nicht lesen und nicht schreiben und hatte