kleiner Fischermann ; ihm fehlte aber noch das gewichtigste Urteil , das seines Vaters . » Schipper , wat ist , könnt wi nu anmustern ? « rief er übermütig und guckte um die Ecke . Sein Vater und seine Mutter ließen einander schnell los , denn sie hatten noch nie vor dem Jungen geliebkost . Sie kamen herein und bestaunten ihn . Sogar die Mutter mußte über ihn lachen , als er so freiherrlich dastand . » So , Vadder , Stebeln un Eultüch hebb ik : nu kannt no See gohn ! « » Jo , Störtebeker , nu ist so wiet , - nu kummst du mit no See ! « sagte Klaus Mewes und sah Gesa groß und gewaltig an , daß sie fühlte , dagegen gäbe es ebensowenig ein Auflehnen wie gegen das Schicksal selbst . Sie schwieg , aber in ihrer Seele schrie es nach ihrem Mutterrecht . » Mudder , du hest hürt ? Kap Horn , du hest hürt ? Hein Mück , du hest hürt ? Ji hebbt alltohoopen hürt : ik schall mit no See , ik schall mit no See , huroh ! « rief der Junge , setzte den Südwester ab , unter dem ihm reichlich warm geworden war , und sprach im Tonfall seines Vaters , mit verstellter , grober Stimme : » Non denn so wiß : ich selbst bin Klaus Störtebeker ! « - daß alle lachten . Beim Kaffeetrinken kamen freilich auch seine letzten Schandtaten an den Tag , darunter als Hauptstück die große Haverei . Kap Horn aber erhob den grauen Kopf und sprang ihm bei : er sähe kein Unrecht darin , denn der Junge habe es gut gemeint . Und Klaus Mewes nickte und sagte , wenn die Sache vor ein Seeamt käme , erhielte Störtebeker ein Lob wegen seiner Umsicht und Ruhe . Anderseiner wäre dabei ertrunken , meinte Hein Mück , um auch etwas zu sagen . » Non , denn ist god , he kriegt jo mol wedder recht « , sagte Gesa , in deren Herzen die Bitterkeit wieder aufstieg , » denn nimm em hin ! Goht hin un verdrinkt alltohoopen ! « Die Tränen kamen ihr . » Ochott , wat ist een Hartleed mit mi arme Froo ! Klaus Mees , Klaus Mees , du weeß ne , wat du deist , un dinkst noch mol an mi . Uns Herr Christus is bloß eenmol för di storben : ik starf jede Nacht üm di ! Un nu wullt du mi ok noch den Jungen nehmen ! « Klaus Mewes aber ging es wie dem wallensteinischen Kürassier : wo sie die Not nur sah und die Plag , schien ihm des Lebens heller Tag . Unbeirrt ging er in der Küche auf und ab , als die Leute wieder an Bord waren und Störtebeker schon schlief . Er begriff es nicht , daß sie immer wieder umkehrte auf dem Wege zur Sonne . Er dachte an seinen Großvater , der geblieben war , an seinen Vater , der verschollen war , als er vierzehn Jahre alt war , an seine Stürme und Unwetter - und fand sein Leben doch groß und stark und schön , daß er sich kein anders wünschte und auch seinem Jungen kein andres verschaffen wollte : Klaus Mewes war ein Fischername , und die ihn trugen , sollten immerdar Fischer bleiben . » Gesa ? « » Wat schall ik noch ? « Sie war müde , körperlich und seelisch . » Wat kummst du merden inne Nacht mit son Gedanken vertüch ? Seefischerfroo dött ne bang wesen , dat weeß du doch ? « » Bün ik een Seefischerfroo , Klaus Mees ? « Sie schüttelte trübe den Kopf , als wenn sie hinzusetzen wolle : ich bin keine und werde niemals eine werden ! » Noch ne , Gesa , ober du wardst noch een ! Weeß wat , Diern ? Goh mit an Burd ! Man to ! Denn sünd wi uppen Dutt un brukt ne uppenanner to teuben ! Man to , büst jo so jung un so stark ! Goh mit ! Schallst mol sehn , wo moi dat up See is ! « Er faßte sie bei den Händen an , aber sie wich seinen Blicken aus und schüttkopfte . » Ik kannt ne , Klaus , gläuf mi dat ! Mi groot all vör de Elw , wat schull dat ierst up See wardn ? Ik bleew vör Angst dot ! « In dieser Nacht hatte Klaus Mewes zwischen seiner Frau und seinem Kinde zu wählen , und er wählte den Jungen . * * * Bei ihm , dem sturen Fischer , gab es keinen langen Streek an Land : wenn er Proviant eingenommen hatte , lag er nicht lange am Neß , sondern ging mit der ersten Tide seewärts , um möglichst schnell wieder in die Fischerei zu kommen . So begann er auch diesmal sofort mit der Ausrüstung , als er mit seinem Ewer von Altona gekommen war . Kap Horn , der Janmaat , war es zufrieden , daß sie schon abends fuhren , obgleich er dann eine Hochzeit versäumte , bei der er auf der Harmonika spielen sollte . Er war aber kein Passatmatrose , der nur bei gutem Wetter etwas taugte , sondern er stand jederzeit seinen Strängen . Und Störtebeker ? Das zu sagen , erübrigt sich : ihm dauerte dieser Tag schon zu lang , und er hätte am liebsten gesehen , wenn sie schon mittags den Anker aufgehievt hätten , denn je länger es dauerte , desto eher konnte noch etwas dazwischen kommen und er womöglich noch wieder abgemustert werden . Nur einem paßte der Kram nicht , dem guten Hein Mück , der auf einen Sonntag gehofft hatte . Ihn verlangte nach der Musik , denn er hatte plenty money in der Tasche und wollte den Bauernknechten mal preußische Taler unter die Nase