Seite gewesen , habe aber nicht ein einziges Mal Etwas von ihr gesehen und gehört , wovon ich sagen konnte , das war nicht schön , das war nicht gut von ihr . Darum war ich auch nicht etwa der Einzige , dem sie so ausnehmend gefiel . Wer da kam , der wollte nicht wieder fort , allein nur ihretwegen . So auch Tom Muddy und - - - der Siou Ogallallah . « Er machte hier eine Pause . Das benutzte meine Frau , ihn auf eine Unterlassungssünde aufmerksam zu machen : » Aber , Mr. Pappermann , Ihr habt doch noch gar nicht gesagt , wem die Häuser am See gehörten und wer ihr Vater war ! « » Habe ich noch nicht ? Hm ! Ja , ganz richtig . Sie kommt bei mir immer voran , und dabei vergesse ich alles Andere . So war es schon damals auch . Ihr Vater war ein Medizinmann der Seneca . Nicht etwa einer jener Quacksalber und Possenreißer , die sich heutzutage Medizinmänner nennen lassen , sondern ein wirklicher und berühmter ! Der hatte , von den Weißen wegen seines großen Einflusses auf die Roten verfolgt und bedrängt , mit noch einigen ihm gleich edelgesinnten Indianern seine Heimat verlassen , um sich vor ihnen nach dem wilden Westen zu retten . Er kam in diese Gegend . Er sah diesen See . Er war entzückt über seine Aehnlichkeit mit dem heimatlichen , schönen Wasserbecken . Er blieb da , mit seinen Begleitern . Sie bauten sich Häuser , ganz in der alten Weise ihres Stammes , und nannten den See so , wie der in der Heimat geheißen hatte , nämlich Kanubisee . Diese neue Ansiedelung wurde sehr bald unter den weißen und roten Jägern des Westens bekannt und viel besucht . Sie bildete eine Friedensstätte für sie , an der sich Rot und Weiß , Freund und Feind treffen durften , ohne den Ausbrüchen des Hasses unterworfen zu sein . Denn es war zur Gewohnheit , ja , zum Gebot geworden , daß jede Feindschaft zu schweigen und nur Liebe und Friede zu walten habe . « Er hielt für einige Augenblicke inne , holte tief Atem und sagte : » Es war eine liebe , schöne Zeit ! Die einzige Zeit meines Lebens , in der ich einmal wirklich Mensch gewesen bin , und zwar ein guter Mensch . Ich bitte Euch , mir das zu glauben ! « Dann fuhr er in seiner Erzählung fort : » Zu den Weißen , welche am Kanubisee verkehrten , gehörte Tom Muddy , und zu den Roten ein junger Medizinmann der Sioux Ogallallah , der zu dem Vater von Aschta gekommen war , um sein Schüler zu sein und die Geheimwissenschaften der roten Rasse bei ihm zu studieren . Wo er eigentlich wohnte , das wußte niemand . Er verschwieg es , um in der tiefen Einsamkeit , die er für seine Studien brauchte , nicht gestört oder nicht etwa gar von einem Feinde belästigt zu werden . Aber ich vermutete , daß er sich unten an einem Nebenwasser des Purgatorio seine Hütte errichtet habe , die er nur verließ , um zu seinem Lehrer hinaufzusteigen und neue Anweisungen zu holen . Er war ein schöner , junger Mann , in allen Waffen geübt , und dennoch so friedlich gesinnt , als ob es auf der ganzen Erde überhaupt noch nie eine Waffe gegeben habe . Daß Aschta ihn allen andern , die da kamen , vorzog , war gar kein Wunder . Ich aber wußte hievon nichts , sondern ich erfuhr es erst durch Tom Muddy . Der war weder ein schöner , noch ein häßlicher Kerl , aber zudringlich und roh . Niemand wollte etwas von ihm wissen . Er hatte ein Auge auf Aschta , oder sogar alle zwei ; sie aber wich ihm auf Schritt und Tritt aus und vermied so viel wie möglich alle Gelegenheit , mit ihm sprechen zu müssen . Das ärgerte ihn gewaltig . Denn er hatte es sich wirklich in den Kopf gesetzt , daß sie seine Frau werden solle . Ich glaube gar , er liebte sie nicht nur , sondern er haßte sie auch , eben weil sie ihm ihre Abneigung so offen und ehrlich zeigte . Das stritt und kämpfte in seinem Innern . Am liebsten verkehrte er mit mir . Warum , das weiß ich eigentlich noch heute nicht . Wahrscheinlich weil ich der wertloseste von allen war und es nicht über das Herz brachte , mich von ihm derart zurückzuziehen , wie die andern es taten . Ich hütete mich natürlich sehr , ihn merken zu lassen , daß auch in meinem Herzen eine herrliche , große und von allen Sünden reine Liebe aufgegangen war und daß ich mein Leben tausendmal hingegeben hätte , um der schönen Indianerin dies beweisen zu können . Zuweilen kam mir freilich der Gedanke , sie stehe mir zu hoch , aber in gewissen Stunden , in denen ich mich selbst betrachtete , faßte ich doch eine Art von Mut . Da sagte ich mir , daß ich doch kein so ganz übler Bursche sei und mich mit manchem , manchem andern sehr wohl vergleichen und messen könne . Das waren die Augenblicke , in denen ich mir vornahm , offen und ehrlich mit ihr zu reden . Aber sobald ich dann in ihre Nähe kam , sank mir das Herz wieder vor die Füße , und es fiel mir kein einziges Wort von alledem ein , was ich ihr hatte sagen wollen . Da kam ich eines schönen Tages von einer längeren Jagdstreife zurück und erfuhr von Tom Muddy , daß der Siou Ogallallah bei dem Vater von Aschta um sie geworben und die Erlaubnis erhalten habe , sie des Nachts zu rauben - - - « » Zu rauben ? « wurde er von meiner Frau unterbrochen . » War das notwendig ? « » Nicht nur