als ein Anzeichen des Zustandes zu deuten war , auf den sie anspielte , und Unruhe stieg in seiner Seele auf . » Aber sicher ist die Sache deswegen noch lange nicht « , sagte er in etwas kühlerm Tone , als er eigentlich wollte . » Und ... und wenn auch « , setzte er mit gekünstelter Lebhaftigkeit hinzu . » Also du würdest mir verzeihen ? « fragte sie lächelnd . Er drückte sie an sich und war plötzlich ganz aufgeräumt . Eine lebhafte , etwas gerührte Zärtlichkeit flammte in ihm auf für das sanfte , gute Geschöpf , das er in den Armen hielt , und von dem ihm , er fühlte es tief , niemals ein ernstliches Leid kommen konnte . » Es wäre wahrhaftig nicht so schlimm « , sagte er heiter . » Du würdest eben Wien für einige Zeit verlassen , das ist alles . « » Na , gar so einfach wär das allerdings nicht , wie du dir ' s plötzlich vorzustellen scheinst . « » Warum nicht ? Eine Ausrede ist bald gefunden . Im übrigen , wen geht ' s denn an ? Uns zwei . Niemanden andern . Und was mich anbelangt , so weißt du , ich kann jeden Tag fort . Kann auch ausbleiben , so lange ich will . Ich habe noch nicht einmal einen Kontrakt fürs nächste Jahr unterschrieben « , setzte er lächelnd hinzu . Dann erhob er sich , um die Wachskerzchen auszulöschen , deren kleine Flammen beinahe ganz heruntergebrannt waren ; und immer lebhafter sprach er weiter . » Es wäre sogar wunderschön . Denk doch , Anna ! Ende Februar , oder anfangs März würden wir abreisen , in den Süden natürlich , nach Italien , ans Meer vielleicht . Würden an irgendeinem stillen Ort wohnen , wo kein Mensch uns kennt , in einem schönen Hotel mit einem Riesenpark . Und arbeiten könnt man da unten , Donnerwetter ! « » Also darum ! « sagte sie , wie in plötzlichem Verstehen . Er lachte , nahm sie fester in seine Arme , und sie drängte sich an seine Brust . Von draußen kam kein Laut mehr . Orgel und Menschenstimmen waren verklungen . Vor den Fenstern schwebte der Schneevorhang nieder ... Georg und Anna waren glücklich wie niemals zuvor . Während sie im Dunkel ruhten , sprach er von seinen musikalischen Plänen für die nächste Zeit und erzählte ihr Heinrichs Opernstoff , soweit er es vermochte . Mit schimmernden Schatten füllte sich der Raum . Einen märchenhaften Königssaal durchrauschte ein Hochzeitsfest . Ein leidenschaftlicher Jüngling schlich sich ein und zückte seinen Dolch auf den Fürsten . Ein dunkles Urteil , geheimnisvoller als der Tod , wurde verkündet . Auf dämmernder Flut trieb ein träges Schiff unbekannten Zielen entgegen . Zu Füßen des Jünglings ruhte eine Prinzessin , die eines Herzogs Braut gewesen . Ein Unbekannter nahte auf leuchtendem Kahn mit seltsamer Botschaft ; Narren , Sterngucker , Tänzerinnen , Höflinge schwebten vorbei . Schweigend hatte Anna gelauscht . Am Ende war Georg neugierig zu erfahren , was für einen Eindruck sie von den flüchtigen Bildern empfangen hätte . » Ich kann ' s nicht recht sagen « , erwiderte sie . » Jedenfalls ist es mir heut noch ganz rätselhaft , wie aus dem ziemlich wirren Zeug jemals irgendwas Wirkliches werden soll . « » Natürlich kannst du dir das heute noch nicht vorstellen besonders nach meiner Erzählung ... Aber den musikalischen Hauch , der aus der Geschichte herausweht , den spürst du doch , nicht wahr ? Ich hab mir sogar schon ein paar Motive aufnotiert , und ich möchte sehr gern , daß Bermann sich bald ernstlich an die Arbeit machte . « » An deiner Stelle , Georg ... ich darf doch was sagen ? « » Natürlich , red nur . « » Also ich an deiner Stelle würde doch zuerst einmal das Quintett abschließen . Es kann ja jetzt nicht mehr viel dran fehlen . « » Viel nicht und doch ... Übrigens darfst du nicht vergessen , daß ich in der letzten Zeit allerlei anderes angefangen habe . Die zwei Klavierstücke , dann das Orchesterscherzo das ist sogar ziemlich weit gediehn . Aber es gehört unbedingt in eine Symphonie . « Anna erwiderte nichts . Georg merkte , daß ihre Gedanken abschweiften , und er fragte sie , wohin sie ihm denn schon wieder entrückt sei . » Nicht gar so weit « , entgegnete sie . » Mir ist nur so durch den Kopf gegangen , was alles geschehen sein kann , bis die Oper einmal wirklich fertig sein wird . « » Ja « , sagte Georg langsam , beinahe etwas befangen , » wenn man so in die Zukunft blicken könnte . « Sie seufzte ganz leise , und er drängte sich näher an sie , fast mitleidig . » Sei ruhig , mein Schatz , sei ruhig « , sagte er , » ich bin ja da ... und ich werde immer da sein . « Er glaubte zu fühlen , wie sie dachte : Kann er nichts Besseres sagen ? ... nichts Stärkeres ? nichts , das alle Angst , und das sie für immer von mir nähme ? Und unaufrichtig , wie mit dem Gedanken sich in eine Gefahr zu begeben , fragte er sie : » Woran denkst du ? « Und noch einmal , als sie beharrlich schwieg : » Anna , woran denkst du denn ? « » An etwas sehr Sonderbares « , erwiderte sie leise . » Woran ? « » Daß das Haus schon steht , wo es zur Welt kommen wird , und wir haben keine Ahnung wo ... daran hab ich denken müssen . « » Daran « , sagte er seltsam berührt . Und mit neu aufflammender Zärtlichkeit sie an sein Herz pressend : » Ich werde euch nie verlassen , euch beide ... « Als es