fest zu stehen scheint . Es ist , als ob er mit Alberta in magnetischem Rapport stände , sowie er zu ihr tritt , schließt sich die Blume ihres Schmerzes mit ihren Tränen , und das liebe Mädchen ist mild , sanft , ja manchmal sogar heiter . Er spricht sehr schön , nicht so glänzend wie Hippolyt , aber eindringlicher , gediegener ; alle seine Eigenschaften sind nicht so blendend wie bei diesem , aber alle sind sicherer , fester , abgemachter . Ich liebe das sehr . Auch Graf Topf ist ihm sehr zugetan , und die Fürstin , welche ihn anfänglich ignorierte , weil er etwas sparsam in den Annäherungs- und Höflichkeitsformen ist , geizt jetzt förmlich mit seinen Gesprächen . Er schafft uns die einzigen heimlichen Abendstunden ; wir sitzen auf der Plattform des Schlosses unter dem Zelte , sehen auf der einen Seite nach den fernen Bergen , auf der andern nach der nahen Stadt und dem Flussesspiegel , der zu ihr hinzieht ; Hippolyt rastet selten lange dabei , sondern stürmt meist zu Pferd durch die Ebene , und Valerius bringt uns in das liebenswürdigste Geschwätz . Er hat zwar eigentlich selbst abscheuliche Grundsätze über Ehe , Staat und Menschen , aber er versteht es , das Wildeste geordnet vorzutragen , interessant , wünschenswert zu machen ; die freien Dinge , welche Konstantie äußert , sind eigentlich bei weitem nicht so arg als die seinen , und doch klingen sie mir soviel greulicher . Es kommt vielleicht daher , weil sie mir unweiblich dünken . Die Fürstin verteidigt zum Beispiel den Genuß aller Vergnügungen , auch wenn sie nach unseren bürgerlichen Ansichten zu den verbotenen gehören . Sie hält z.B. die Ehe nur für eine Form , welche der äußeren Dinge wegen da sei , und namentlich den materiellen Besitz des Weibes sichere . Es wird mir unheimlich , wenn ich eine verheiratete Frau so sprechen höre - wenn dergleichen verwirklicht werden sollte , so müßte ja ein trostloses Durcheinander entstehen . Valer , welcher die Frauen selbständiger gestellt sehen will , und wunderlich genug von den neuen verwirrenden Zeitbewegungen viel für uns erwartet , opponierte der Fürstin in vielen Dingen . Er machte sie darauf aufmerksam , wie gerade jetzt das äußere Leben der Frauen in der Luft schwebe , wenn sie ihren einzigen Haltpunkt , die Ehe , aufgäben ; wie nur die stärksten und edelsten Weiber einen Übergang zu besserem freierem Gesellschaftsleben dadurch bilden könnten , daß sie sich der Ehe nicht unterwürfen , die neuen Begriffe aber auf alle Weise unterstützten , weil nach der politischen Revolution die soziale vor den Toren läge , durch welche das Weib eine gesellschaftliche Stellung erlangen würde . Das Christentum habe das Weib nur zur Hälfte frei gemacht , es müsse es ganz werden ; der jetzige Durchgangspunkt aber bringe wie jedes Ringen nach neuen Zuständen , wie alles Halbe sehr viel Unglück , und die Frauen müßten sehr auf ihrer Hut sein , da die öffentliche Meinung noch keineswegs soweit gebracht sei , Toleranz gegen sie zu üben . Die alten Verhältnisse seien wie die alte Kirche in Auflösung begriffen , die Rettung sei nahe , aber die Gefahr doppelt groß . Ich schreibe Dir diese Dinge aus meinem treuen Gedächtnis ; ich verstehe wenig oder gar nichts davon , und sie würden mich wie alles Ändern beunruhigen , sähen sie nicht in dem Vortrage Valers so abgemacht aus . Die Fürstin protestierte feurig dagegen . Sie gab die eigentliche Auflösung der Ehe und Kirche in den höheren Ständen zu , fand die Auflösung vernünftig , verlangte aber das Beibehalten der alten Formen , welche die Gebildeten schützten und doch nicht beengten , der großen Masse aber notwendig seien . Valer nannte das lächelnd Aristokratismus und gebrauchte den garstigen Ausdruck , daß auf diese Weise die Welt verfaule . Geschwüre müsse man aufschneiden , auch wenn es schmerze . Fi , - wie häßlich klingt das , und doch fällt es mir jetzt erst auf ; im Munde des Mannes klang ' s nicht so . Herr William , einer der hiesigen Gäste , verteidigte hart und unduldsam das Bestehende , und tadelte beide Ansichten , sie seien unchristlich und darum unsittlich , lösten das Fundament der Zivilisation und untergrüben die Grundprinzipien der Gesellschaft ; sie seien die Ausgeburt des menschlichen Dünkels , welcher die Gottheit spielen und die ewigen Gesetze umändern wolle . Die Menschen hätten zu hundert Malen versucht , das Christentum abzuschaffen , und seien immer zuschanden geworden ; ihm verdankten wir alle Art von Bildung , und es heiße auf die Barbarei zurückdrängen , wenn man dergleichen Auflösung predige - menschlicher Verstand ordne keine Welt , der göttliche sei uns in Christo zu Hilfe gekommen , und es heiße Gott lästern , wenn man seine eigenen Institutionen verbessern wolle . Valer nahm das Gespräch gegen ihn auf ; ich kann Dir ' s nicht wiederholen , weil es für mich zu gelehrt wurde . Die Fürstin lud beide ein , in einigen Wochen auf ihrem Lustschloß einzukehren , wo sich einen Monat hindurch viel Gesellschaft zusammenfände . Es sei ein Gesundbrunnen in der Nähe , welcher Valers nicht ganz fester Gesundheit sehr zuträglich sein werde . Alberta sah aufmerksam und fast ängstlich drein und horchte . William nahm die Einladung sehr dankbar an , Valer schlug sie aus . Die Fürstin war verletzt . Alberta schien erfreut ; wir trennten uns . - - Soeben ist der Graf aus der Stadt zurückgekommen und hat die wunderliche , aber wie er meint , zuverlässige Nachricht mitgebracht , daß sich unter den hiesigen Poeten ein verkappter Prinz aus einem sehr vornehmen Hause befinde . Du kannst denken , welche Neugier diese Nachricht erregte ; die Meinungen waren alle dafür , es könne nur Hippolyt oder Valerius sein . Natürlich dauerte es auch nicht lange , daß beide aus dem Fragen , Zischeln , Ausholen erfuhren , um was es sich handle