Grottfuß deshalb persönlich zu sehen und zu sprechen gewünscht . Einhart war nun auch in den Bannkreis von Frau Rehorst eingetreten . Grottfuß hatte es veranlaßt . Margit hatte ihn ausdrücklich aufgefordert . Ein paarmal äußerst launig und lustig , wie sie es konnte . Und Einhart war in der schlichten Ärmlichkeit gekommen , die er selber kaum beachtete . Es war ihm alles ein sehr neuer Eindruck . Schon das Eintreten ins Haus machte ihn zögern und um sich blicken . Er erinnerte sich dunkel ein solches Gefühl der Stille und Abgeschiedenheit einmal empfunden zu haben , als er in eine leere Kirche hineingesprungen , die gerade offen war , um jemandes Blicken auszuweichen . Den Diener , der das Eisentor geöffnet hatte , hatte Einhart feierlich mit Hutabnehmen gegrüßt und war schüchtern , wie ein Knabe . Und wie dann ein ganzer Kreis Menschen unter den vielen Kronen aus Glitzern und Flammen schwankte , und Margit ihn zu Frau Rehorst geführt , hatte Einhart in vollendeter Einfalt gelächelt . Es war eine richtige , große Gesellschaft . Grottfuß benahm sich wie ein Herr . Grottfuß hatte sich wie ein Weltmann in Smoking geworfen und ging im Hause herum , als wenn er der Gastgeber wäre . Frau Rehorst behandelte ihn mit aller Bestimmtheit als einen der Ihren . Aber sie war mit ihren sanften , traurigen Augen auch so lieb und gütig gleich zu Einhart , daß Einhart lange bei ihr stehen blieb , obwohl er gar nichts zu sagen wußte . Er wußte in diesem Augenblick wirklich nicht sich zu bewegen . Frau Rehorst mußte es ihm sehr zutraulich selber erst angeben , daß er den jungen Leuten eine Freude machen würde , zu ihnen zurückzutreten . Einhart tat in einiger Verlegenheit , was sie ihm geheißen . Er hatte den Ton dieser dumpfen Stimme im Ohr und lächelte zu Fräulein Margit hinüber . » War das ihre Mutter ? « sagte er ganz im Banne und behielt dann Frau Rehorst immerwährend in seinen Augen . » Ach Gott , meine gute Mutter , « sagte Margit mit einem Ton Resignation . » Oh ! « sagte Einhart nur und lächelte wieder hin . Einhart war so einfältig und scheu , wie er seit Jahren nicht gewesen . Und so bekam er auch eine ganz eigene Empfindsamkeit . Als wenn er auf den heimlichen Zusammenklang aller derer , die allmählich hier versammelt waren , hören könnte , und es erhören könnte zu Eins . Allenthalben schwebten und schwirrten die jungen Gesichter . Es waren Freundinnen von Margit geladen . Die heiteren Köpfe der Mädchen regten sich lustig schwatzend und abwehrend im Geplauder hin und her . Die Gestalten fein in Spitzen und Seiden und Mousselinen und zartem Fleisch und vollen Haarzierden leuchtend , die schlanken , jungen Arme in langen Handschuhen . Alles erschien Einhart durchaus merkenswert . Die jungen Männer waren meist im Frack . Sie schwänzten sehr dienstfertig herum , noch ehe getanzt wurde . Einhart kannte einige . Auch Professor Soukoup und Meister Theodor kamen . Beides war Einhart sehr unangenehm plötzlich . Er glaubte schließlich gar , er hätte etwas versehen . Ein jeder würde sich mit Leidenschaft an früher erinnern . Von Meister Teodor war das anzunehmen . Besuchen konnte Einhart den in keinem Falle . Aber daß er Professor Soukoup nicht besucht hatte , fiel ihm jetzt auf die Seele . » Wie ein Freund ist er zu mir gewesen , « dachte Einhart , » und es ist unverantwortlich von mir ... « Aber wie er dann neben Professor Soukoup zu stehen kam , daß der ihn sehen mußte , und neben Meister Teodor , war es ein gleichgültiges , fliehendes Erkennen , und nichts . Als wenn er den Herren verhallt wäre , wie sie ihm , dachte er und lachte er . Einhart begriff zum ersten Male , was ihm beim Gruß seines Klassenlehrers bei seiner ersten Heimkehr schon hätte in den Sinn kommen müssen , daß es eine Zutraulichkeit gibt , die die Seele zu jedem Dinge hat , also daß sie der persönlichen Seele , die sie sich gern zugute schriebe , gar nicht gegolten . Solche Zutraulichkeit hat keine Erinnerung . Die persönliche Seele , die gern nach der alten Stätte fragt , findet dort keine Spur . In Einhart ging solch stilles Sinnen vorüber , wie ein heiteres Gefühl . Und er fand in diesem Gefühle einen Halt , daß er sich ein wenig freier unter den Anwesenden zu bewegen begann . Man machte eine Zeitlang Musik . Eine junge Frau sang Lieder . Ein alter , beweglicher Herr mit weißem , vollen Haarschopf und mehreren Orden spielte einige verwickelte Klavierstücke . Einhart , der sich von den Tönen ganz umspinnen gelassen , hatte sich in eine Ecke gesetzt und kam sich in dem Trubel der Töne wirklich lange wie ertrunken vor . Er erwachte rein neu , als wenn er in eine sonderbare Art gegenstandslosen Kampfes hineingefallen , darin gebannt und gerüttelt worden und nun wieder zu sich käme . Alles war ihm neu . Die großartigen Darbietungen rühmte er in übertriebenen Worten zu Margit . Und zu Grottfuß , der ihm gegenüber bei allem immer so tat , als wenn er diesen ganzen Hochton in den Darbietungen eitel selber hervorgebracht . Grottfuß stand den ganzen Abend mit selbstsicherer Geste . Margit war kindlich beglückt , sinnlich und lustig . Sie wendete sich oft zu Einhart . Auch die anderen Freundinnen versuchten mit Einhart zu sprechen . Auch einige der geladenen Künstler . Alle hatten schließlich nach ihm gefragt . Er , der wie ein dürftiger Jüngling , so alt er nun schon war , in der Ecke sich hielt , und den fetten Haarsträhn in der späteren Stunde längst in der Stirn hatte , wie ein richtiger Zigeuner . Und dessen Augen nun noch schärferblickend und suchend geworden , wenn ihn nicht eine Anrede zu einfältiger Freundlichkeit zurückrief . Die Erscheinung von