Baron Raden , stürzte auf ihn zu und bat und beschwor ihn , sein Leben nicht aufs Spiel zu setzen . Der Prinz blieb unerschütterlich ; schon stieg die Flut bereits bis zur Haustür hinan . Es ist kein Augenblick zu verlieren , rief er , machte sich von dem ihn umklammernden Kammerherrn los und sprang in das Boot . Mit Ihnen denn , wenn es sein muß , in den Tod ! rief Raden und sprang ihm nach . Nein , mit Gott , dem Allmächtigen , er wird helfen ! schrie die Menge . Memmen , Memmen ! schalten die Weiber die Männer , die betroffen und beschämt dastanden . Seht , das ist einer ! Juchhe , wenn der unser König wird ! jauchzten die Weiber , plötzlich durch den Anblick der wunderbar schönen Heldentat des Jünglings dem Gedanken an ihr Elend entrückt ; seht , wie kräftig die die Ruder führen , als hätten sie ihr Lebtag nichts anderes getan als rudern . Schämt euch , ihr anderen , die ihr nichts könnt , als hinter dem Pflug hergehen - seht - seht - jetzt sind sie dem Hause nah - das Boot schwankt auf und ab von den Wellenstößen - jetzt sind sie dran - sie winken der Margaret - Heiliger Gott ! Sie wirft ihnen den ältesten Buben hinunter - - sie haben ihn - sie haben ihn ! Nun auch den kleinen - ewige Barmherzigkeit ! Auch der ist im Boot ! Der Prinz hat ihn im Arm gefangen und legt ihn ins Boot ! Hu ! wie die Wasser toben - wie das Boot schwankt ! Die Margaret zögert - winkt ihnen , fortzufahren , nun die Kinder gerettet sind - der Prinz will nicht , befiehlt ihr , herabzuspringen - da - sie springt - Allmächtiger ! Die Erschütterung ist zu groß - das Boot ist umgekippt - alle im Wasser ... Hu , ich mag nicht mehr hinsehen ! rufen einige . Doch - doch - seht , sie erscheinen wieder ! rufen andere . Sie schwimmen - der Prinz hat ein Kind erfaßt und hält es schwimmend fest , der andere Herr auch - Gott ! wie sie kämpfen müssen mit der mächtigen Flut - die Wogen bedecken sie fast - da - da kommt der Kammerherr wieder zum Vorschein mit dem Kind - der Prinz auch ... Aber was ist ' s denn ? Was hängt so schwer an ihm , daß er gar nicht weiter kann ? Gott , es ist die Margaret , die den Prinzen in ihrer Todesangst umklammert hat ... Himmel , hilf - seht - da stürzt das Haus in die Flut ; ha ! der Herr mit dem Kind ist glücklich auf dem trockenen Land - gerettet - gelobt sei Gott ! Aber wo ist der andere - der Prinz ? Allmächtiger ! Das zu große Gewicht der Frau hat ihn hinabgezogen - kommt er nicht wieder zum Vorschein ? Erbarmer , nein ! Das Wellengrab hat sich über ihm geschlossen ... ... wehe ... wehe ! ... Der Baron , halb tot schon von der eigenen Anstrengung , schaut händeringend auf die Wasser , die sich über dem anderen geschlossen ... Leute ! herbei mit Booten , mit Stangen , mit Stricken ... es gilt , einen König , den herrlichsten der Menschen zu retten , mir nach ... ich muß ihn wiederfinden . Mit diesen Worten stürzt er aufs neue in die Wassermenge , und - auch ihn sieht man nicht wieder . Nach drei Tagen , als die Wasser gesunken waren , fand man die Leichen des Prinzen , des Barons , der Mutter und des Kindes . Die Sprache hat keine Worte , um den Schmerz der königlichen Familie und des ganzen Landes zu beschreiben , das in diesem jungen Fürstensohn die Hoffnung auf eine ideale Zukunft untergehen sieht , denn in ihm vereinigte sich alles , was den Menschen befähigt , wie ein leuchtendes Vorbild jeder Tugend , würdig zu sein , eine Krone zu tragen . « Das Blatt entfiel Rosas Hand ; sie saß eine Weile regungslos , tränenlos ; ihr Herz schien stillzustehen und die Welt schien ihr zu versinken in das Chaos , in die planlose Urnacht , wo alles Empfinden , alles geistige Werden im Schoß des elementaren Lebens verschwunden ist . Erst nach und nach erwachte das Bewußtsein , und das Ungeheure , Tragische , ergriff sie mit unerschütterlicher Gewalt : Das Tragische , das ja eben darin besteht , daß das Elementare , sei es im Menschen oder in den äußeren Umständen , sich auflehnt gegen das Ideale , Geisterzeugte und ihm im titanischen Kampf den Untergang bereitet . Wie aber aus der Tragik selbst der Trost hervorwächst , der uns mit dem Schmerz versöhnt , indem das dem Vergänglichen noch Untergebene , befreit von den Fesseln der Endlichkeit , aufsteigt in eine höhere Region , wo es nun als leuchtendes Gestirn in unsterblicher Schöne glänzt und uns in Liebe nachzieht - so erhob sich für Rosa aus den dunkeln Wogen des Schmerzes die verklärte Gestalt des Freundes , der sein Leben mit einer idealen Tat besiegelt hatte . Eine immer höher steigende Ekstase erfüllte sie fast mit Wonne . Mit Erstaunen sahen die Geschwister sie an , als sie sich am Abend zusammenfanden ; sie schien ihnen wie verklärt , von neuem Leben durchdrungen , so daß Vittoria ganz fröhlich sagte : » Oh , meine teure Rosa , Sie sehen heute so gut aus ; ich bin überzeugt , der Frühling bringt Ihnen die volle Gesundheit wieder . « Rosa antwortete nur mit einem sanften Lächeln . Kein Wort von dem , was sie erfahren , kam über ihre Lippen ; es wäre ihr unmöglich gewesen , hätte ihr wie Entweihung geschienen , davon zu sprechen . Sie war nur noch liebevoller als gewöhnlich mit den treuen Menschen und lohnte ihnen durch Blicke und Lächeln für ihre hingebende