klingende , warme Regentropfen , weich und voll und doch säuselnd und zart . Und Josefine war es , als ob ihr Herz sich öffne , und ihre Seele wurde wie ein dürstendes Erdreich , das sich dem sanften Perlenregen entgegenbog . Aber allgemach fielen die Tropfen seltener und wurden größer , und jeder der Tropfen hatte eine andere Stimme , und es waren keine Tropfen mehr , es waren goldene Kugeln , die in einem plötzlich aufschießenden Springquell spielen . Und nun werden aus den goldenen Kugeln kleine klingelnde Schellen und große , sanft hallende Glocken . Und nun unterreden sie sich miteinander , die kleinen klingelnden Schellen und die großen hallenden Glocken ; erst ein aufgeregtes Flüstern von den kleinen zwitscherhellen , nun ein machtvolles Dröhnen von den großen ruhigen . Und nun fangen sie an , durcheinander zu rufen , immer tiefer , immer heller , immer dröhnender , immer spitziger , und plötzlich - fängt der Turm , in dem die Glocken hängen , mit an . Er erzittert von oben bis unten , er schwankt von einer Seite auf die andere , er kracht , er donnert , er reißt auseinander , er stürzt zusammen ! O - da ist der sanfte Regen wieder , will das wilde Brausen hinwegschmeicheln , eine kleine Weile klingeln ängstlich , wimmernd , sterbend die Silberglöckchen . Aber Feuerstürme brechen aus , die Berge wanken und bersten , die Erde bebt , es grollt aus ihren Schlünden , eine Welt - eine Welt will untergehen ! - Ruhe ! Freude ! Feierlich in großen breiten Wellen rollt es heran über die zerstörte Welt , breite Strahlengarben schießen über weite , leuchtende , unendliche Wasserspiegel - ein schwaches dumpfes Stöhnen - ein süßes allgemeines Klingen - die ganze Luft Musik - Ende . » Da die Weissagungen aufhören werden « , fühlte Josefine , und es schien ihr , als liege vor ihr das große Geheimnis des Lebens in heiliger Unschuld , in Sieg und Verklärung , und sein Name sei Schönheit und Größe und unerschöpfliche Liebe . - Und neben ihr sitzt Rösli , die langen , schwarzen Beinchen eingeschlagen , die Hände zusammengedrückt , und sieht sich staunend um . Zum erstenmal ist sie in einer Kirche . Rösli sieht die Fenster an , die langen , staubigen , schmalen Fenster und denkt : Das sind also Kirchenfenster ? Der Himmel ist ebenso blaßblau dahinter wie hinter anderen . Sie sieht die grauen Steinfliesen an und denkt : Die sind aber kalt ! Und sie tippt nach dem grauen , dicken , viereckigen Pfeiler vor ihr . Der ist auch kalt , aber das braune Holzwerk der unbequemen Stühle und der kleinen gewundenen Treppe dort , das Holz sieht ordentlich warm aus . Stufe für Stufe wandern Röslis Augen die kleine braune Holztreppe hinauf - da oben muß es nett sein ! Wenn sie da hinauf könnte ! - Da - was ist denn das da ? Ein Kirchenfenster kann es doch nicht sein , da gegenüber ? Ich bin kurzsichtig , denkt Rösli , Mama hat es gesagt . Wenn man die Augen zukneift , wird das da drüben etwas ganz Merkwürdiges . Ein Männergesicht wird es , mit einem Schnurrbart und einer Pfeife und einer runden hohen Mütze . Ganz in einen dicken Überzieher ist der Mann eingewickelt , der Kragen geht bis halb über den Hinterkopf . Er hört unbeweglich zu . Die Musik ist so groß ! Der Mann raucht , aber keine Wolke steigt aus seiner Pfeife ... Rösli kann die Augen nicht abwenden . So gemütlich sitzt er da im Fenster , als wäre er hier der Hausherr ! Ein freudiger Schreck durchzuckt Rösli : Wie , wenn es der liebe Herrgott wäre ? Dies ist ja die Kirche , man sagt auch Gotteshaus . Also wird er es wohl selber sein ! Rösli starrt und starrt . Er sieht so freundlich aus , aber doch nicht wie Menschen . Sein Gesicht ist farblos wie Silber . Oder wie durchsichtig . Es wird Rösli immer klarer , daß er es ist . Und sie faltet ihre Hände fest und sieht ihn entzückt an - - Die Musik ist aus . Josefine erhebt sich . Als sie draußen sind - die Allerletzten , zupft Rösli ihre Mutter , die gar nicht hört : » Mama , weißt du , wer da war ? « Die Mutter hört nicht ; ungeduldig zupft die Kleine : » Hast du ihn auch gesehen , den lieben Herrgott ? « » Ja « , sagt die Frau zusammenschreckend und wundert sich über ihr Kind und wundert sich doch nicht . Es ist ihr so süß-schaurig , daß die Kleine immer mit ihr ist in diesen Entzückungen . Sie halten sich fest an den Händen ... Helene Begas nahm Josefines Arm und sah ihr mit freundschaftlicher Besorgnis in die Augen : » Du bist krank Josy , du brauchst Ferien ! Und so zerstreut und ungleich . Neulich , als ich dich mit Rösli die steile Wiese hinunterlaufen sah , hab ich mich gefreut . Donnerwetter , dacht ich , die hat Spannkraft ! Da kann sich unsereins verstecken . Aber jetzt gefällst du mir ganz und gar nicht . « Josefine besah ihre Nägel ; ihr Gesichtsausdruck wurde gezwungen . » Das ist diese psychiatrische Klinik , die mich so aufregt . Heut war ' s der Assistent , hat mich fast krank gemacht , der brutale Mensch ! Diese Vergewaltigung des intimsten Lebens durch die Kliniken und durch uns Mediziner : es macht mich wild ! Ich kann ' s nicht ertragen ! « Sie seufzte tief und sah die ruhige Helene gequält und ängstlich an . » Es war ein armes Ding , primäre Melancholie lautet die Diagnose . Sie ist fast hergestellt . Er bringt sie vors Auditorium . Nun , erzählen Sie uns Ihre Geschichte . Sie sitzt da , engbrüstig , scheu