im Tempel ein Schauspiel vorgeführt werden soll - eins mit Falltüren , verdeckten Lichtern und verdeckten Spiegeln - mit Geistern und Wundertaten - mit Tod und Schrecken - mit Donner und Blitz . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Der Dichter Safur klettert während dieser Zeit auf eine große ägyptische Pyramide , die nicht weitab von Cairo wie eine Riesenburg daliegt , von deren Spitze aus Safur in die große afrikanische Wüste hineinschauen kann . Safur hat toll gelebt und alles Mögliche mitgemacht . Er genoß das Leben in vollen Zügen - aber nicht so wie Kodama - anders - mit der steten Sucht , den einzelnen Genuß zu verfeinern . Er betete mit schwärmerischen ägyptischen Heiden die Engel an , die in den Pyramiden wohnen sollten . Nachts wurden die Engel angebetet . Er lebte mit diesen Ägyptern fast immer zusammen , denn er wollte von ihnen wissen , ob er nicht mal die Engel der Pyramiden mit eigenen Augen schauen könnte - so wie man seine Mitmenschen mit eigenen Augen schaut . Er unterhielt sich mit den Ägyptern nur von der Geisterwelt . Und die Ägypter machten dem Dichter klar , daß die Geister nur in den uralten Denkmälern der Vorzeit hausen könnten - in den alten großen Pyramiden . » Einen Geist « , sagten die Ägypter , » kannst Du allerdings mit eigenen Augen schauen - der Geist ist aber versteinert - die große Sphinx - die kannst Du schauen , mit Deinen Augen anbeten . « Und mit weisen Ägyptern und mit vielem Volk geht Safur in einer Mondnacht hinaus zur Sphinx und betet die Sphinx an . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Die Andächtigen liegen vor der großen Sphinx auf den Knieen . Fackeln und Lagerfeuer flackern ringsum zum Himmel auf . Safur genießt den großen Augenblick in tollster Verzückung , er starrt in das riesenhaft in den Sternenhimmel hinaufragende Sphinxhaupt mit glühender Inbrunst hinein . Und er betet die Sphinx an - lange - länger als die Andern - sieht nichts von den Prozessionen - hört nichts von den Gesängen der Priester , die in stiller Mondnacht heimlich hier ihren - Götzendienst verrichten . Safur betet und genießt seine Seligkeit wie feurigen Wein , ihm ist , als könne er sich dem überirdischen Wesen körperlich nähern . Er will die Sphinx umarmen - denn er will den Genuß - immer wieder den Genuß - den höchsten - jeden ! Er sagt sich : » Wozu wollen die Menschen mehr als den Genuß ? Wozu ? Immer wollen sie drüber hinaus , und sie können doch nicht - ich auch nicht - darum lieb ich die Sphinx ! ich liebe die große Sphinx , als wär sie ein Weib - auch wenn sie noch viel größer wäre - ich säh in ihr das Weib doch ! « Und Safur breitet die Arme aus und starrt in das steinerne Antlitz , in dem alle Rätsel der Welt ihre Spuren hinterließen . Und Safur sieht plötzlich - wie der Sphinx zwei schwarze riesige Flügel wachsen - wie sie davonfliegt - hinweg - in den Himmel hinein . Und Safur schreit auf , denn er hat plötzlich das Gesicht der Sphinx - anders gesehen - - - die Sphinx ist seine Dschinne - die Dschinne , die er zuerst bei der Sareppa sah . Dem Dichter schwindet das Bewußtsein . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Als er wieder erwacht , liegt die riesige Sphinx so ruhig da wie vor tausend Jahren - rührt sich nicht . Aber die Sphinx ist nun doch dem Dichter eine steinerne Dschinne geworden - das große Wüstenweib , dessen Leib zusammenwuchs und eins ward mit dem Löwen , auf dem das Wüstenweib einst als wilde Dschinne durch die Wüste ritt - durch die heiße große Wüste . Die Lagerfeuer flammen flackernd höher , als erwachten auch sie wieder . Safur betet an - das Weib , das er lieben kann - das er lieben will - das er lieben muß - die große steinerne Dschinne - seine Dschinne . Siebzehntes Kapitel Als die lauteren Brüder nach und nach wieder in Bagdad zusammenkamen - hatte sich Vieles verändert . Die Christen schrieben schon das Jahr 895 . Abu Maschar , der sehr einsam auf dem Mittelturm der alten Sternwarte lebte , sagte wohl noch immer : » In dieser Welt verändert sich nichts , alles wird nach tausend Jahren genau so gut und genau so schlecht sein - wie heute . « Aber trotzdem - Vieles hatte sich in Bagdad doch verändert . Besonders der alte Geizhals Said ibn Selm war ein ganz Andrer geworden . Er war nämlich ein - Bettler geworden . Und da konnt er nicht mehr geizig sein - nein - nein . Der arme Said ! Nun war er wirklich arm . Das kam so : Wie die lauteren Brüder in die Welt zogen , befand sich die Chalifenburg in heftigster Aufregung - den Hofleuten wackelte der Kopf - und sie wußten nicht , was sie vor Angst machen sollten . Der Zorn des verrückten Chalifen mußte unter allen Umständen auf eine Sache abgelenkt werden , die mit den Hofleuten nichts zu tun hatte . Die plötzliche Flucht der Brüder berührte daher bei Hofe sehr peinlich - und - und man sann auf Rache . Hätte man dem Abu Maschar an den Kragen gekonnt - man hätts gleich getan . Doch den großen Propheten liebte und schützte das Volk - die arabischen Hauptleute und ihre Untergebenen waren nicht zu bewegen , in die Sternwarte zu dringen . Um den Koran kümmerte man sich sehr wenig , eine Moschee hätte