kein Kopf nimmer ghabt . « Franzl nickte . » Den hat er abigrissen in der Wut , wie er gmerkt hat , daß er die Docken wieder hergeben muß ! « » Und weißt noch , wie dich hingsetzt hast neben meiner ? Und daß ich nimmer weinen soll , hast den ganzen Sack voll Haselnussen vor mir ausgleert . Und alle harten hast mir aufbissen . « Herzlich rüttelte Mali seinen Arm . » Und schau , heut hab ich dich hinter der Hecken gfunden . Sei gscheit und sag mir alles ! Und wenn ' s von alle Nussen die härteste wär - Franzl , ich hilf dir beißen . « Da konnte er nimmer schweigen . Mit jagenden Worten begann er die Geschichte der verwichenen Stunden zu erzählen . Er schalt und jammerte nicht . Aber die Kränkung , die er an seiner Ehre erfahren , redete aus seinen Augen . Schweigend lauschte Mali . Als er erzählte , wie Schipper den Verdacht gegen ihn ausgesprochen , fuhr es ihr in Zorn heraus : » So was von Kamerad ! Respekt ! Und Schipper heißt er ? « Sie grübelte vor sich hin , als würde eine Erinnerung in ihr lebendig . » Schipper ? Is dös a Verwandter vom selbigen Schipper , der früher Holzknecht gwesen is ? « » Es is der nämliche . « » Und der is Jager jetzt ? - No , da dank ich ! Da hast an noblen Kameraden ! Ganz gut bsinn ich mich drauf , daß der Vater selig allweil schelten hat müssen auf ' n Bruder , weil er Freundschaft mit ' m Schipper ghalten hat , der ihn zu alle Lumpereien hätt verführen mögen . Wenn der deinige der nämlich is , nachher glaub ich schon gleich , daß er die Krucken selber gstohlen hat . « Franzl wehrte erschrocken : » Na , Mali , so was därfst net sagen ! « » Sei ' s , wie ' s mag . Du bist unschuldig . Und so an Verdacht darfst net auf dir sitzen lassen ! « Malis Augen blitzten . » Da brauchst den Gauner net erst ausfindig machen . Wer Augen hat wie du , braucht kein andern Beweis als sein ehrlichs Gsicht ! Jetzt machst in Ordnung dein Dienst . Und auf ' n Abend stellst dich hin vor dein Grafen und sagst ihm alles ins Gsicht , gradso , wie du ' s mir gsagt hast , und gradso , wie mich , so schaust ihn an mit deine Augen . Da muß er dir glauben . Und jetzt halt dich nimmer auf ! Und meintwegen sollst nix versäumen im Dienst . « Sie hob die Büchse hinter dem Baum hervor und reichte sie dem Jäger . » Da hast dei ' Kugelspritzen ! Was wir gredt haben , bleibt unter uns . Und jetz mach weiter ! Bhüt dich Gott ! « Mit der Büchse hatte Franzl auch Malis Hand gefaßt . » Ganz aufgricht hast mich wieder . Vergeltsgott tausendmal ! « Die Hände der beiden lagen eine Weile ineinander . Dann fragte da Mädel : » Du , Franzl ? « » Was ? « » Hast vielleicht du mit meim Bruder auch was ghabt ? An Streit oder so was ? « » Ich ? Gott bewahr ! Warum fragst denn ? « Sie schien verlegen zu werden . » No weißt , weil er gestern so ungut zu dir gwesen is . « » Haben halt d ' Sorgen aus ihm rausgredt . Was macht denn ' s Netterl ? « » D ' Nacht heut is gut gwesen . Mit Gotteshilf wird sich ' s Kindl doch wieder in d ' Höh machen . Grad recht , daß d ' mich dran mahnen tust . Jetzt fang ich aber ' s Hupfen an . « Lachend nickte sie dem Jäger zu , und dann hetzte sie flink über den Steig hinunter . Franzl sah ihr nach , bis sie verschwunden war . Dann spähte er durch die leis rauschenden Wipfel , als möchte er am Himmel die Stelle suchen , an der in der Nacht die Sternschnuppe erloschen war . » Lichtl da droben , du hast net glogen ! « Er stieg durch den Wald hinauf und erreichte die offenen Almen . Fern am Waldsaum , in der Tiefe der Almfelder , gewahrte Franzl zwei Männer ; er meinte einen Büchsenlauf blinken zu sehen und zog das Fernrohr auf . Schipper war es - mit einem Treiber , der den von Graf Egge am verwichenen Abend erbeuteten Gemsbock auf dem Rücken trug . Kurze Zeit , nachdem der Graf mit seinem Büchsenspanner die Jagdhütte erreicht hatte , waren die von Franzl bestellten Treiber eingetroffen . Graf Egge kümmerte sich nicht um ihre Ankunft . Er wanderte in der Stube zwischen den engen Wänden auf und nieder und rastete nur zuweilen für einige Minuten , um unter grübelnden Gedanken das Krickel , das mit der blutigen Hirnschale auf dem Tisch lag , zu betrachten , oder um den rechten Fuß auf einen Stuhl zu heben und mit beiden Händen das schmerzende Bein zu frottieren . Als Schipper die Tür öffnete , um nach den Befehlen seines Herrn zu fragen , schrie ihn Graf Egge an : » Ruh will ich haben ! « Mit einem Fußtritt schlug er dem Jäger die Tür vor der Nase zu . Wartend , unter leisem Geplauder , saßen die Männer vor der Hütte , während Schipper in der Küche die Gewehre putzte . Nach zwei Stunden rief Graf Egge den Rottmeister der Treiber in die Stube : » Heute wird nicht mehr gejagt . Einer von euch tragt den Bock , der draußen hängt , nach Hubertus hinunter , die andern sollen machen , was sie wollen . Morgen früh um fünf Uhr seid ihr bei der Hütte . « Er trat zur Tür . » Schipper