da umherhing , wie befangen ; Effi aber ließ sie nicht zu weiteren Betrachtungen kommen und sagte : » Roswitha , nun gehen Sie da hinein . Das ist das Zimmer , wo wir schlafen . Ich will erst zu meinem Manne nach dem Landratsamt hinüber - das große Haus da neben dem kleinen , in dem Sie gewohnt haben - und will ihm sagen , daß ich Sie zur Pflege haben möchte bei dem Kinde . Er wird wohl mit allem einverstanden sein , aber ich muß doch erst seine Zustimmung haben . Und wenn ich die habe , dann müssen wir ihn ausquartieren , und Sie schlafen mit mir in dem Alkoven . Ich denke , wir werden uns schon vertragen . « Innstetten , als er erfuhr , um was sich ' s handle , sagte rasch und in guter Laune : » Das hast du recht gemacht , Effi , und wenn ihr Gesindebuch nicht zu schlimme Sachen sagt , so nehmen wir sie auf ihr gutes Gesicht hin . Es ist doch , Gott sei Dank , selten , daß einen das täuscht . « Effi war sehr glücklich , sowenig Schwierigkeiten zu begegnen , und sagte : » Nun wird es gehen . Ich fürchte mich jetzt nicht mehr . « » Um was , Effi ? « » Ach , du weißt ja ... Aber Einbildungen sind das schlimmste , mitunter schlimmer als alles . « Roswitha zog in selbiger Stunde noch mit ihren paar Habseligkeiten in das landrätliche Haus hinüber und richtete sich in dem kleinen Alkoven ein . Als der Tag um war , ging sie früh zu Bett und schlief , ermüdet wie sie war , gleich ein . Am andern Morgen erkundigte sich Effi - die seit einiger Zeit ( denn es war gerade Vollmond ) wieder in Ängsten lebte - , wie Roswitha geschlafen und ob sie nichts gehört habe . » Was ? « fragte diese . » Oh , nichts . Ich meine nur so ; so was , wie wenn ein Besen fegt oder wie wenn einer über die Diele schlittert . « Roswitha lachte , was auf ihre junge Herrin einen besonders guten Eindruck machte . Effi war fest protestantisch erzogen und würde sehr erschrocken gewesen sein , wenn man an und in ihr was Katholisches entdeckt hätte ; trotzdem glaubte sie , daß der Katholizismus uns gegen solche Dinge » wie da oben « besser schütze ; ja , diese Betrachtung hatte bei dem Plane , Roswitha ins Haus zu nehmen , ganz erheblich mitgewirkt . Man lebte sich schnell ein , denn Effi hatte ganz den liebenswürdigen Zug der meisten märkischen Landfräulein , sich gern allerlei kleine Geschichten erzählen zu lassen , und die verstorbene Frau Registratorin und ihr Geiz und ihre Neffen und deren Frauen boten einen unerschöpflichen Stoff . Auch Johanna hörte dabei gerne zu . Diese , wenn Effi bei den drastischen Stellen oft laut lachte , lächelte freilich und verwunderte sich im stillen , daß die gnädige Frau an all dem dummen Zeuge soviel Gefallen finde ; diese Verwunderung aber , die mit einem starken Überlegenheitsgefühle Hand in Hand ging , war doch auch wieder ein Glück und sorgte dafür , daß keine Rangstreitigkeiten aufkommen konnten . Roswitha war einfach die komische Figur , und Neid gegen sie zu hegen wäre für Johanna nichts anderes gewesen , wie wenn sie Rollo um seine Freundschaftsstellung beneidet hätte . So verging eine Woche , plauderhaft und beinahe gemütlich , weil Effi dem , was ihr persönlich bevorstand , ungeängstigter als früher entgegensah . Auch glaubte sie nicht , daß es so nahe sei . Den neunten Tag aber war es mit dem Plaudern und den Gemütlichkeiten vorbei ; da gab es ein Laufen und Rennen , Innstetten selbst kam ganz aus seiner gewohnten Reserve heraus , und am Morgen des 3. Juli stand neben Effis Bett eine Wiege . Doktor Hannemann patschelte der jungen Frau die Hand und sagte : » Wir haben heute den Tag von Königgrätz ; schade , daß es ein Mädchen ist . Aber das andere kann ja nachkommen , und die Preußen haben viele Siegestage . « Roswitha mochte wohl Ähnliches denken , freute sich indessen vorläufig ganz uneingeschränkt über das , was da war , und nannte das Kind ohne weiteres » Lütt-Annie « , was der jungen Mutter als ein Zeichen galt . » Es müsse doch wohl eine Eingebung gewesen sein , daß Roswitha gerade auf diesen Namen gekommen sei . « Selbst Innstetten wußte nichts dagegen zu sagen , und so wurde schon von Klein-Annie gesprochen , lange bevor der Tauftag da war . Effi , die von Mitte August an bei den Eltern in Hohen-Cremmen sein wollte , hätte die Taufe gern bis dahin verschoben . Aber es ließ sich nicht tun ; Innstetten konnte nicht Urlaub nehmen , und so wurde denn der 15. August , trotzdem es der Napoleonstag war ( was denn auch von seiten einiger Familien beanstandet wurde ) , für diesen Taufakt festgesetzt , natürlich in der Kirche . Das sich anschließende Festmahl , weil das landrätliche Haus keinen Saal hatte , fand in dem großen Ressourcen-Hotel am Bollwerk statt , und der gesamte Nachbaradel war geladen und auch erschienen . Pastor Lindequist ließ Mutter und Kind in einem liebenswürdigen und allseitig bewunderten Toaste leben , bei welcher Gelegenheit Sidonie von Grasenabb zu ihrem Nachbar , einem adligen Assessor von der strengen Richtung , bemerkte : » Ja , seine Kasualreden , das geht . Aber seine Predigten kann er vor Gott und Menschen nicht verantworten ; er ist ein Halber , einer von denen , die verworfen sind , weil sie lau sind . Ich mag das Bibelwort hier nicht wörtlich zitieren . « Gleich danach nahm auch der alte Herr von Borcke das Wort , um Innstetten leben zu lassen . » Meine Herrschaften , es sind schwere Zeiten , in denen wir