modernen Bibel « versenkte : da trat unwillkürlich das persönliche Gefühl , das Verständniß , das Interesse für die Frau bedeutend zurück , verlor an Kraft und verblaßte - für die Frau , die ihm jenes Motiv in einer loseren Stunde überantwortet - wie eine für sie reizlose Frucht in den Schooß geworfen hatte . Ideen , nicht zu alltägliche , nicht zu wohlfeile , dämmerten ihm auf , gewannen Ausdruck und Umriß ... und in dem specifisch modernen Momente des wiedergefundenen Germanenthums glaubte er sich des bewegenden und entscheidenden Gegensatzes der neuen Bibel zu dem semitischen Grundelemente der alten bemächtigt zu haben . Eine bedeutende Reihe neuer , interessanter Perspektiven ergab sich nun ... eine überreiche Fülle von Gedankenkeimen schoß auf - eine Ernte von originellen , neuen Anschauungen , Auffassungen , zeitweilig recht merkwürdigen Ahnungen , welche aber Adam mehr mit der diskreten Zurückhaltung eines raffinirten Gourmand behandelte - eines Gourmand , der im unklaren Bewußtsein seines Reichthums schwelgt - und die er deshalb nur lässig , fast gegen seinen Willen , weiterentwickelte und fortbildete ... Zugleich verstand er es aber auch , eben als vorzüglich geschulter Gourmand , jene Scheu vor dem klaren Wissen um seinen Besitz als ein neues , pikantes Reizmoment in den Kreis seiner geistigen Lust zu ziehen . - Eines Tages war Adam wieder einmal von Emmy um die Mittagsstunde abgeholt worden . Sie pflegten dann zusammen zu speisen ... aus Pietät und Anhänglichkeit in jenem Café , in dem sie sich kennen gelernt , eine Tasse Melange zu trinken ... und nachher eine Weile zu promeniren . Sie tändelten und plauderten mit einander ... sie erzählten sich Dies und Das ... sie langweilten sich fast ... und waren doch eigenthümlich angeregt , wenn auch sanft nur und verhalten . Ab und zu ließ Adam , mehr zufällig denn absichtlich , ein ernsteres Wort fallen , das Emmy mit drolliger Gewichtigkeit aufnahm und manchmal zum selbständigen Gesprächsmotiv zu machen versuchte . Adam verstand das kleine Weib und mußte lächeln . O ! Emmy wußte die Ehre zu schätzen ... die Ehre , mit Herrn Doctor Mensch verkehren zu dürfen . Sie war nicht unbeanlagt und gewiß geistig nicht ganz bedürfnißlos . Oefter schon hatte sie Adam , halb im Ernste , halb im willkommenen Spaße , den Vorwurf gemacht , daß er sie zu geringschätzig behandelte ... zu sehr die Geliebte ... zu wenig den Menschen in ihr sähe . Aber war sie denn im Stande , den Untergrund seines Gedankenlebens aufzuwühlen ? Wenn sie zu ihm komme , sehe er immer so ernst aus und sei so wortkarg , hatte sie sich beklagt , und studire immer in so vielen Büchern oder kritzele auf einem großen Blatte Papier herum - mit ihr aber plaudere er stets nur loses , leichtes Zeug - warum lese er ihr denn nicht einmal aus einem seiner Bücher vor - ? Emmy war wirklich zeitweilig ein zu spaßiges Ding . Einmal hatte Adam sie auf jenen Vorwurf hin in die Sophaecke gedrückt ... hatte sehr sonderbar gelächelt ... ihre dünnen , schmalen Lippenbänkchen unzweideutig versessen geküßt ... und dann begonnen , an den Brustknöpfen ihres Jaquets zu nesteln - : das war seine ganze Antwort gewesen . O ! Emmy hatte verstanden - - ja ! ja ! Sie wußte wohl , daß sie ihm gefiel ... und das freute sie auch tüchtig , denn ihr gefiel dieser Herr Doctor nicht minder - aber ein klein Wenig hatte sie es doch geärgert , daß er öfter so gar nicht auf sie eingehen wollte ... Nun ! es war immerhin schon viel , daß er sie mit feinstem Zartgefühl behandelte ... nicht ... gar nicht , als wäre sie auch ... auch » so Eine « - » so Eine « , wie sie es ... im Grunde ja doch war . Nun ja ! Kellnerin war sie gewesen - und jetzt » privatisirte « sie . Aber jeden Augenblick konnte sie wieder irgendwo Stellung nehmen - schließlich wieder in ein Geschäft als Verkäuferin eintreten ... oder als Putzmacherin , Maschinennähterin , » kalte Mamsell « oder so etwas Aehnliches » gehen « - jedoch ... war dazu nicht immer noch Zeit ? Warum denn nicht ? Jetzt lebte sie » so « entschieden freier ... und Noth litt sie nicht . Sie hatte sich als Kellnerin einige Batzen erspart - und ganz verdienstlos war das » Privatisiren « schließlich doch auch nicht . Adam allerdings ... Adam war nicht besonders freigebig gegen sie . Er bezahlte ja sehr oft für sie ... er machte ihr kleine Geschenke - aber der arme Kerl schien selbst nicht Allzuviel in die Milch brocken zu können . Und dann hatte er selbst starke Bedürfnisse , brauchte einen ganz netten Haufen ... und ... und verstand es überdies keine Idee , ein Bischen haushälterisch zu sein . Wie ? wenn - sie - ihm die - hm ! - also die ... die Kasse - führte ? Dann müßten sie aber zusammenwohnen - und das - ob das Adam wollte - ? O ! Emmy hatte schon öfter daran gedacht . Ihr wäre es gewiß recht gewesen . Sie hatte den Punkt auch schon einige Male zur Sprache bringen wollen - und es war ihr doch schließlich immer wieder nicht über die Lippen gegangen . Warum nur nicht ? Und er , Adam , schien mit keinem Gedanken daran zu denken . Er machte sich wohl überhaupt nicht besonders viel aus ihr - sonst hätte er doch darauf wahrhaftig schon kommen müssen ! Er konnte sich doch an fünf Fingern abzählen , daß er nicht der Einzige war , mit dem sie verkehrte ... Aber das schien ihm Alles furchtbar gleichgültig zu sein . Emmy that es sehr weh , daß sie für Adam keine größere Bedeutung besaß . Und unwillkürlich hing sie sich in ihrem Innern um so fester an ihn , beschäftigte sich um so intimer mit ihm - rupfte