. Schwalbach könne dann folgen . Käthe hatte gelacht und nichts davon wissen wollen , am wenigsten von Schlangenbad , » es sei so was Unheimliches in dem Namen und sie fühle schon die Viper an der Brust « , aber schließlich hatte sie nachgegeben und in den nun beginnenden Reisevorbereitungen eine Befriedigung gefunden die größer war als die , die sie sich von der Kur versprach . Sie fuhr täglich in die Stadt , um Einkäufe zu machen , und wurde nicht müde , zu versichern , wie sie jetzt erst das so hoch in Gunst und Geltung stehende » shopping « der englischen Damen begreifen lerne : so von Laden zu Laden zu wandern und immer hübsche Sachen und höfliche Menschen zu finden , das sei doch wirklich ein Vergnügen und lehrreich dazu , weil man so vieles sehe , was man gar nicht kenne , ja , wovon man bis dahin nicht einmal den Namen gehört hätte . Botho nahm in der Regel an diesen Gängen und Ausfahrten teil , und ehe die letzte Juniwoche heran war , war die halbe Rienäckersche Wohnung in eine kleine Ausstellung von Reiseeffekten umgewandelt : ein Riesenkoffer mit Messingbeschlag , den Botho , nicht ganz mit Unrecht , den Sarg seines Vermögens nannte , leitete den Reigen ein , dann kamen zwei kleinere von Juchtenleder samt Taschen , Decken und Kissen , und über das Sofa hin ausgebreitet lag die Reisegarderobe mit einem Staubmantel obenan und einem Paar wundervoller dicksohliger Schnürstiefel , als ob es sich um irgendeine Gletscherpartie gehandelt hätte . Den 24. Juni , Johannistag , sollte die Reise beginnen , aber am Tage vorher wollte Käthe den cercle intime noch einmal um sich versammeln , und so waren denn Wedell und ein junger Osten und selbstverständlich auch Pitt und Serge zu verhältnismäßig früher Stunde geladen worden . Dazu Käthes besonderer Liebling Balafré , der , bei Mars-la-Tour , damals noch als » Halberstädter « , die große Attacke mitgeritten und wegen eines wahren Prachthiebes schräg über Stirn und Backe seinen Beinamen erhalten hatte . Käthe saß zwischen Wedell und Balafré und sah nicht aus , als ob sie Schlangenbads oder irgendeiner Badekur der Welt besonders bedürftig sei , sie hatte Farbe , lachte , tat hundert Fragen und begnügte sich , wenn der Gefragte zu sprechen anhob , mit einem Minimum von Antwort . Eigentlich führte sie das Wort , und keiner nahm Anstoß daran , weil sie die Kunst des gefälligen Nichtssagens mit einer wahren Meisterschaft übte . Balafré fragte , wie sie sich ihr Leben in den Kurtagen denke . Schlangenbad sei nicht bloß wegen seiner Heilwunder , sondern viel , viel mehr noch wegen seiner Langenweile berühmt , und vier Wochen Bade-Langeweile seien selbst unter den günstigsten Kurverhältnissen etwas viel . » Oh , lieber Balafré « , sagte Käthe , » Sie dürfen mich nicht ängstigen und würden es auch nicht , wenn Sie wüßten , wieviel Botho für mich getan hat . Er hat mir nämlich acht Bände Novellen als freilich unterste Schicht in den Koffer gelegt , und damit sich meine Phantasie nicht kurwidrig erhitze , hat er gleich noch ein Buch über künstliche Fischzucht mit zugetan . « Balafré lachte . » Ja , Sie lachen , lieber Freund , und wissen doch erst die kleinere Hälfte , die Haupthälfte ( Botho tut nämlich nichts ohne Grund und Ursache ) ist seine Motivierung . Es war natürlich bloß Scherz , was ich da vorhin von meiner mit Hilfe der Fischzuchtsbroschüre nicht zu schädigenden Phantasie sagte , das Ernste von der Sache lief darauf hinaus , ich müsse dergleichen , die Broschüre nämlich , endlich lesen , und zwar aus Lokalpatriotismus , denn die Neumark , unsere gemeinsame glückliche Heimat , sei seit Jahr und Tag schon die Brut- und Geburtsstätte der künstlichen Fischzucht , und wenn ich von diesem national-ökonomisch so wichtigen neuen Ernährungsfaktor nichts wüßte , so dürft ich mich jenseits der Oder im Landsberger Kreise gar nicht mehr sehen lassen , am allerwenigsten aber in Berneuchen , bei meinem Vetter Borne . « Botho wollte das Wort nehmen , aber sie schnitt es ihm ab und fuhr fort : » Ich weiß , was du sagen willst und daß es wenigstens mit den acht Novellen nur so für alle Fälle sei . Gewiß , gewiß , du bist immer so schrecklich vorsichtig . Aber ich denke , alle Fälle sollen gar nicht kommen . Ich hatte nämlich gestern noch einen Brief von meiner Schwester Ine , die mir schrieb , Anna Grävenitz sei seit acht Tagen auch da . Sie kennen sie ja , Wedell , eine geborene Rohr , charmante Blondine , mit der ich bei der alten Zülow in Pension und sogar in derselben Klasse war . Und ich entsinne mich noch , wie wir unsern vergötterten Felix Bachmann gemeinschaftlich anschwärmten und sogar Verse machten , bis die gute alte Zülow sagte , sie verbäte sich solchen Unsinn . Und Elly Winterfeld , wie mir Ine schreibt , käme wahrscheinlich auch . Und nun sag ich mir , in Gesellschaft von zwei reizenden jungen Frauen - und ich als dritte , wenn auch mit den beiden andern gar nicht zu vergleichen - , in so guter Gesellschaft , sag ich , muß man doch am Ende leben können . Nicht wahr , lieber Balafré ? « Dieser verneigte sich unter einem grotesken Mienenspiel , das in allem , nur nicht hinsichtlich eines von ihr selbst versicherten Zurückstehens gegen irgendwen sonst in der Welt , seine Zustimmung ausdrücken sollte , nahm aber nichtsdestoweniger sein ursprüngliches Examen wieder auf und sagte : » Wenn ich Details hören könnte , meine Gnädigste ! Das einzelne , sozusagen , die Minute , bestimmt unser Glück und Unglück . Und der Tag hat der Minuten so viele . « » Nun , ich denk es mir so . Jeden Morgen Briefe . Dann Promenadenkonzert und Spaziergang mit den zwei Damen , am