Ehrlich währt am längsten . Ich tu mein Pflicht , tu du d ' deine , dien deine drei Jahrln , ' s wird dich nit umbringen . « » Und könnt dös etwa nit sein ? ! Bedenk dös , eh d ' so gegn dein eigen Fleisch und Blut handelst ! « » Sorg nit , es is bedacht . Ich handel da nach bestem Wissen und Gwissen . War dir der Vader z ' gring , daß d ' ihm ghorchst und folgst , nun , so kriegst hitzt ein andern Herrn ; der Kaiser , der is mehr , vielleicht macht der dich zu einm ordntlichen Menschen . Ich will ' s wünschen . « Er schlug dem Burschen auf die Achsel . » Halt dich auch brav dazu ! « Dann fiel die Türe hinter dem Alten ins Schloß , und Toni blickte verstört um sich . - Darum also hatte der Bauer den Streit nach jener Faschingsnacht nimmer Rede gehabt , weil er es nicht der Mühe wert gehalten , weil alles schon zuvor bei ihm aus- und abgemacht war ? Und wie er damal auf seinem letzten Wort bestanden , so wird er ' s wohl auch diesmal ! Da ändert keins mehr was , und je mehr sich eins dabei vergäb , je weniger richtet ' s ! Der Bursche schlug sich mit der Faust vor die Stirne ; dann löste er mählig die Finger und fuhr sich damit durch die Haare . Lange stand er so , trübe vor sich hinstarrend und hastig durch die geschwellten Nüstern atmend . Plötzlich fuhr er auf , lief zur Stube hinaus , die Treppe hinab , über den Hof und des Weges nach dem Dorfe entlang . Wohin ? Zur Helen ? Ei , Herrgott , um der ihren Jammer anzuhören und sein Teil noch hinzuzutragen ? Damit ist doch weder ihm noch ihr geholfen , und wahrlich , ' s Elend hat er für heute schon übergnug . Morgen ist auch ein Tag . Bis dahin mag jedes zusehen , wie es mit dem Seinen allein zurechtkommt . Lieber ins Wirthaus ! Er kam spät in der Nacht heim . Beim Ausziehen schleuderte er einen Stiefel nach dem andern an die Türe , daß es durch das stille Haus dröhnte , dann öffnete er leise und lauschte ; ihm war , als hörte er in der Kammer am Ende des Ganges den Alten fluchen , da reckte er den Arm in die Finsternis vor ihm , schüttelte die Faust und schrie : » Schinder ! « Hierauf klinkte er zu und fiel auf das Bett . Am nächsten Morgen entfernte er sich früh . Wieder machte er auf der Brücke halt und überlegte , ob er der Dirne einen Morgengruß zum Fenster hineinrufen solle . Hm , verweinte Augen sehen so unlustig , und welch Geplärr - mußte er fürchten - , daß sich erst dann anhöbe , wenn so ein Wort das andere gäb und er mit allem herausgerückt käm ? ! Nein , es steht übel gnug um sie , was soll sie sich auch noch darüber kränken , wie arg es um ihn stünde ? Wenigstens hat ' s Zeit damit ; auf das , was mit derselben sich hätt glücklich schicken können , wollt sie nit warten , aber ein neu Pack Unheil aufs alte oben hnauf wird sie wohl erwarten können ! So denkt er ; auch , daß sich der Tag mit den Schwenkdorfer Kameraden angenehmer totschlagen ließe . Er ging zum Dorfe hinaus . Drei Nächte blieb er fort , in der vierten kam er auf der Zwischenbüheler Straße dahergetaumelt , er stolperte an der Brücke vorüber und besann sich erst , als er schon ein gutes Stück von derselben entfernt war . Er begann albern zu lachen und schalt seine Beine liederliche Gasselgeher , dann ging er die Strecke zurück . Am unteren Ende des Ortes hatte er nichts zu suchen . Die Dirn , die leidige Dirn mit ihrer Ungeduldsamkeit ist eigentlich doch an all seinem Unglücke schuld ! An ihr wär ' s gewesen , gescheiter zu sein , das ist den Weibsleuten ihr Sach , wenn den Mann der Verstand verläßt ; dazu werden sie ja auferzogen und bewacht ! Von heut auf morgen wollte sie das Zusammenkommen erzwingen , und nun ist ein Auseinandermüssen daraus geworden auf grimmge Zeit und Weil und alle Weit und Fern ! Nun haben sie ' s alle beide ! Recht bedacht , ist es nur billig , wo ihm das Fortgehen das Herz abdrücken will , daß ihr das Dableiben Leidwesen macht ! Nur recht und billig , weil sie so hat sein können , und das müßt er ihr ins Gesicht sagen , wenn sie gleich jetzt vor ihm stünd , aber das tät so unfein und streitig klingen , und darum will er ihr lieber gar nit unter die Augen , bis ihm wieder anders ums Gemüt ist und er ihr gute Wort geben kann - die ist er ihr wohl schuldig - , aber früher nit , bis ihm anders ums Gemüt ist , bis dahin wird sie warten müssen . Tonis Gemütszustand schien sich aber nicht zu bessern , denn Helene erwartete den Burschen Tag für Tag vergebens . Erst an dem Abende , wo die Zwischenbüheler Buben von der Stellung heimkehrten , sah sie ihn zum ersten Male wieder ; er stand , ferne von ihr , mitten in der lärmenden Schar , den Hut mit dem Sträußchen weit aus der Stirne gerückt , und schrie als einer der Lautesten . Ein Bursche mochte ihn auf die Anwesenheit der Dirne aufmerksam gemacht und zu necken begonnen haben , denn plötzlich klatschte er sich auf das rechte Bein und drehte sich auf dem linken herum und kehrte ihr den Rücken zu . Früh am Morgen darauf holten die Schwenkdorfer Buben den Toni vom Sternsteinhof ein , um gemeinsam nach der Stadt