sinkenden Boot entdeckt und zugleich erklärt hatten , es sei ihnen unmöglich , sie rechtzeitig aus den Wellen zu retten . Da war sie besinnungslos Daphnidion in die Arme gefallen . Jetzt erwachte sie und warf einen irren Blick umher . Sie staunte : war es ein Traumbild , was sie sah ? oder war es wirklich ihre Tochter , die dort auf dem Deck des Gotenschiffs , das stolz an ihr vorüberrauschte , an der Brust des jungen Königs lag ? und jauchzten wirklich dazu jubelnde Stimmen : » Heil , Kamilla , unsrer Königin ? « Sie starrte auf die vorübergleitende Erscheinung , sprachlos , lautlos . Aber das rasch fliegende Segelschiff war schon an ihrem Kahn vorüber und dem Lande nah . Es ankerte außerhalb der seichten Gartenbucht , eine Barke ward herabgelassen , das gerettete Paar , Aligern und drei Matrosen sprangen hinein und bald stiegen sie die Stufen der Hafentreppe hinan , wo , außer Cethegus und seiner Begleitung , eine Menge von Leuten sich versammelt hatte , die vom Palast oder vom Garten aus mit Schrecken die Gefahr des kleinen Schiffes wahrgenommen und jetzt herbeieilten , die Geretteten zu begrüßen . Unter Glückwünschen und Segensrufen stieg Athalarich die Stufen hinan . » Seht hier , « sprach er , vor dem Tempel angelangt , » sehet , Goten und Römer , eure Königin , meine Braut . Uns hat der Gott des Todes zusammengeführt , nicht wahr , Kamilla ? « Sie sah zu ihm auf , aber heftig erschrak sie : die Aufregung und der jähe Wechsel von Schrecken und Freude hatten den kaum Genesenen übermächtig erschüttert : sein Antlitz war marmorblaß , er wankte und griff wie Luft schöpfend krampfhaft an seine Brust . » Um Gott , « rief Kamilla , einen Anfall des alten Leidens fürchtend , » dem König ist nicht wohl . Rasch den Wein , die Arznei ! « Sie flog an den Tisch , ergriff den Silberbecher , der bereit stand , und drängte ihn in seine Hand . Cethegus stand dicht dabei und folgte mit scharfem Blick jeder seiner Bewegungen . Schon setzte er den Becher an die Lippen , aber plötzlich ließ er ihn nochmal sinken , er lächelte : » du mußt mir zutrinken , wie " s der gotischen Königin ziemt an ihrem Hof , « und er reichte ihr den Pokal : sie nahm ihn aus seiner Hand . Einen Augenblick durchzuckte es den Präfekten siedend heiß . Er wollte hinzustürzen , ihr den Trank aus der Hand reißen , ihn verschütten . Aber er hielt sich zurück . Tat er ' s , so war er unrettbar verloren . Nicht nur morgen als Hochverräter , nein , sofort als Giftmörder angeklagt und überführt . Verloren mit ihm seine ganze Ideenwelt , die Zukunft Roms . Und um wen ? - Um ein verliebtes Mädchen , das treulos zu seinem Todfeind abgefallen . - - Nein , sagte er kalt zu sich , die Faust zusammendrückend , sie oder Rom : - also sie ! Und ruhig sah er zu , wie das Mädchen , hold errötend , einen leichten Trunk aus dem Becher nahm , den der König darauf tief schlürfend bis zum Grund leerte . Er zuckte zusammen , da er ihn auf den Marmortisch niedersetzte . » Kommt hinauf ins Palatium , « sprach er fröstelnd , den Mantel über die linke Schulter schlagend , » mich friert . « Und er wandte sich . Da traf sein Blick auf Cethegus : er stand einen Augenblick still und sah dem Präfekten eindringend ins Auge . » Du hier ? « sagte er finster und trat einen Schritt auf ihn zu : da zuckte er nochmal und stürzte mit einem jähen Schrei neben der Quelle aufs Antlitz nieder . » Athalarich ! « rief Kamilla und warf sich taumelnd über ihn . Der alte Corbulo sprang aus der Schar der Diener zuerst hinzu : » Hilfe , « rief er , » sie stirbt - der König ! « » Wasser ! rasch Wasser ! « sprach Cethegus laut . Und entschlossen trat er an den Tisch , ergriff den Silberbecher , bückte sich , spülte ihn schnell , aber gründlich in der Quelle und neigte sich über den König , der in Cassiodors Armen lag , indes Corbulo das Haupt Kamillens auf seine Knie legte . Ratlos , entsetzt umstanden die Hofleute die beiden scheinbar leblosen Gestalten . » Was ist geschehen ? Mein Kind ! « mit diesem Schrei drängte sich Rusticiana , die soeben gelandet , an der Tochter Seite . » Kamilla ! « rief sie verzweifelt , » was ist mit dir ? « » Nichts ! « sagte Cethegus ruhig , sich prüfend über die beiden beugend . » Es ist nur eine Ohnmacht . Aber den jungen König hat sein Herzkrampf hingerafft . Er ist tot . « Drittes Buch . Amalaswintha . » Amalaswintha verzagte nicht nach Frauenart , sondern kräftig wahrte sie ihr Königtum . « Prokop , Gotenkrieg , I. 2. Erstes Kapitel . Wie ein Donnerschlag aus heitrem Himmel traf Athalarichs plötzliches Ende die gotische Partei , die an diesem nämlichen Tage ihre Hoffnungen so hoch gespannt hatte . Alle Maßregeln , die der König in ihrem Sinne angeordnet , waren gelähmt , die Goten plötzlich wieder ohne Vertretung in dem Staat , an dessen Spitze jetzt die Regentin ganz allein gestellt war . Am frühen Morgen des nächsten Tages stellte sich Cassiodor bei dem Präfekten ein . Er fand diesen in ruhigem , festem Schlaf . » Und du kannst schlafen , ruhig wie ein Kind , nach einem solchen Schlag ! « - » Ich schlief , « sagte Cethegus , sich auf den linken Arm aufrichtend , » im Gefühle neuer Sicherheit . « - » Sicherheit ! ja für dich , aber das Reich ! « » Das Reich war mehr gefährdet durch diesen