mir bedenken ; ginge ich auf Urlaub zurück . Ein gutes Engelein müßte mir seine Flügel mitleihen ; wie wollt ' ich fliegen über die weißen Höhen und sonnigen Gipfel und Kanten , bis in die Ferne dort , wo die Säge der Gebirgskette den lichten Himmel durchschneidet ; und auf jenem letzten weißen Zähnchen wollt ' ich ruhen und hinblicken in die Weiten des Flachlandes und zu den Türmen der Stadt . Vielleicht könnte ich den Giebel des Hauses erblicken , oder gar das Gefunkel des Fensters , an dem sie steht .... Und tät ich das Gefunkel desselbigen Fensters erblicken , dann wollt ' ich gern umkehren und zurück in den Himmel . Ob es wohl wahr ist , daß man von dieser Spitze aus das Meer kann sehen ? - Meine Augen sind nicht klar , und dort in Mittag zittert das Graue der Erde mit dem Grauen des Himmels ineinander . - Den festen Boden kenne ich ; was Moder ist , nennen sie fruchtbare Erde . Könntest du , mein Augenblick , nur ein einzigmal das weite Meer erreichen ! - - Als endlich die Sonne sich so hat gewendet , daß der blaue Schatten ist erschienen auf meiner steinigen Ruhestatt , da habe ich mich erhoben und bin emporgestiegen auf den allerhöchsten Punkt . Ich habe den Rundblick getan in die ungeheuere Zackenkrone der Alpen . Und danach bin ich niedergestiegen an den Felshängen , den Gletscherschründen , den Schneefeldern ; bin hingegangen auf dem langen Grat , bin endlich wieder herabgekommen auf die weichen Matten . Da sind vor mir wieder die Waldberge gewesen ; aus den Tälern ist die Dämmerung gestiegen . Diese hat mir fast wohlgetan ; vor meinem überreizten Auge hat es noch lange geflimmert und gefunkelt . Eine Weile habe ich die Hand davorgehalten . Und als ich meinen Blick wieder vermocht zu heben , da hat auf den Höhen das Gold der untergehenden Sonne geleuchtet . Wie ich zu der Miesenbachhütte komme , vor der ich des Morgens eine Weile gesessen bin , veranstaltet der schalkhafte Zufall eine Begebenheit . Ich denke , da ich so vorübergehen will , just darüber nach , wie freundlich und heimatlich ein bewohntes Menschenhaus dem Wanderer entgegengrüßt , hingegen aber , wie so eine leere verlassene Stätte gespensterhaft dasteht , schier wie ein hochragender Sarg . Da höre ich von der Hütte her plötzlich ein Gestöhne . Meine Füße , sonst recht müde schon , sind auf einmal federleicht geworden , haben davonlaufen wollen , aber der Kopf hat sie nicht fortgelassen , und die Ohren haben angestrengt gelauscht , und die Augen haben gelugt . Unter einem Winkel des Dachvorsprunges ist ein Pfauchen und Schnaufen , und da sehe ich gar was recht Sonderbares . Aus der braunen Holzwand ist ein Menschenhaupt mit Brust , zwei Achseln und einer Hand herausgewachsen , und allsamt ist es lebendig und zappelt , und von innen höre ich , wie die Füße poltern . Aha , denke ich , ein Dieb , der sich da drin vielleicht die Taschen ein wenig zu voll angestopft hat und beim Herauskriechen unselig stecken geblieben ist . - Es ist ein junger Kopf mit krausem Haar , aufgestrichenem Schnurrbärtl , weißem Hemdkragen und rotseidenem Halstuche , wie man das sonst Wäldern selten findet . Wie er mich gewahr wird , schreit er hell : » Du heiliges Kreuz , aber das ist ein Glück , daß da einer kommt . Erweiset mir die Guttat und helfet mir ein wenig nach , es braucht ja nur ein klein Ruckel . Das ist schon ein verflixt Fenster das ! « » Ja , Freund , « sage ich » da muß ich dich früher wohl ein wenig ausfragen . Wissen tät ich ' s , wer dich am leichtesten könnt ' herauskriegen ; der Gevattersmann mit der roten Pfaid , der tät ' dir schön sachte das Stricklein an den Hals legen , ein wenig anziehen - gleich wärst in der freien Luft . « » Dummheiten , « entgegnet er , » als ob der ehrlich Christenmensch nicht kunnt stecken bleiben , ist das Loch zu eng . Ich bin der Holzmeistersohn von den Lautergräben und geh ' heut über die Alm in den Winkelegger Wald hinab . Wie ich da an der Hütten vorbeigeh ' , seh ' ich die Tür angelweit offen , daß sie der Wind allfort hin- und herschlägt . ' s ist nichts drin , denk ' ich bei mir selber , gar nichts drin , was der Müh ' wert wäre , daß sie ' s forttrügen , aber eine offene Tür in einem stockleeren Haus mag eins nicht leiden ; über den ganzen Winter hindurch der Schnee hereinfliegen , das ist keine gute Sach ' . Die Sennin muß es eilig gehabt haben , wie sie ab ins Tal getrieben hat - das ist schon die Rechte , die alles offen läßt . - Nu , ich geh ' darauf hinein , mach ' die Tür zu und weil gar kein Schloß ist , rammle ich von innen ein paar Holzstücke vor , steig ' nachher auf die Bank , will durchs Rauchfenster hinaus und verklemm mich da , daß schon des Teufels ist . Ich hab ' dem Burschen aber noch nicht getraut und guck ' ihm eine Weile zu , wie er zappelt . » Und stecken bleiben , meinst , wolltest nicht da unter dem Dach , bis morgen ein paar Leut ' kommen und dich kennen täten ? « Da knirscht er mit seinen Zähnen und macht die heftigsten Anstrengungen , aus seiner bösen Lage zu entkommen . » Muß morgen in aller Früh zu Holdenschlag sein , « murmelt er . » Was willst denn zu Holdenschlag ? « sage ich . » Nu , mein Gott , weil eine Hochzeit ist ! « brummt er unwirsch . » Und mußt ' leicht wohl dabei sein ?