sagen , woher ich komme . Ich war bei meiner Mutter auf dem Kirchhofe , und nachher habe ich mich doppelt gesehen im Entenweiher . Wo ist meine Mutter geblieben ? Ich bin doch mit ihr in so vielen Ländern und unter so vielen Menschen umhergezogen , bis ich hierher zu dir gekommen bin . Meine Mutter hat mich immer auf dem Arm getragen , und wenn die Leute schlecht gegen sie gewesen sind und sie in der Nacht oder auf dem Wege hat weinen müssen , so habe ich sie an den Flechten gezogen und an den Ohren gezogen und ihr die Augen zugehalten , daß sie hat lachen müssen . Ich sehe sie nicht mehr und höre sie nicht mehr - sie ist gestorben ; - ist das nicht kurios und recht traurig ? Sieh , wie grau der Himmel ist , es ist gar kein grün Blatt mehr an den Bäumen und nicht eine einzige Blume auf dem Kirchhof . Das Gras ist noch da , das ist auch noch grün , aber es gefällt mir nicht ; meine Mutter liegt darunter und sagt nichts und rührt sich nicht . Der Wind pfiff über den Zaun , und mir ist bange geworden , und ich habe mich gefürchtet , bis die Enten durch die Hecke krochen und über die Gräber und Steine wackelten . Sie schnatterten und schlugen mit den Flügeln und steckten die Schnäbel durch das Gras . Die dickste wollte sich auf meiner Mutter Kopf stellen ; aber da habe ich sie gescheucht , und es hat einen großen Lärm gegeben , und wir sind alle zu gleicher Zeit am Weiher angelangt . Sie sind hinein- und hinübergefahren ; aber ich bin auf der Brunnenröhre sitzen geblieben , bis das Wasser wieder ruhig war , und nachher habe ich mich doppelt gesehen . In dem Wasser war der graue Himmel auch ; weißt du , und meine Mutter hat oft gesagt , sie wolle in das Wasser gehen , da sei ihr allein geholfen . Weshalb habt ihr sie denn in die Erde gegraben , wenn ihr im Wasser geholfen war ? Ich gehe gern an das Wasser , vorzüglich im Sommer an den Teich im Walde . Darin sieht man viel , und die Enten stören einen nicht . Da fährt ' s leise und schnell drauf hin und her , und von unten auf wächst Kraut und kommen Blumen auf langen Stengeln . Wenn die Sonne drein scheint , sehe ich doch noch mal meine Mutter darin ; aber heute am schmutzigen Weiher , da habe ich nichts gesehen als mich , und das Wasser hat mich ganz häßlich gemacht . Dann sind zu den Enten die Gänse gestanden , und alle haben die Hälse nach mir gereckt und geschrien und gezischt . Ich habe einen Stein nach mir im Wasser geworfen , da war alles aus ; und weil das lange gelbe Fräulein vom gnädigen Hofe mit dem guten Herrn auf der Landstraße dahergekommen ist , habe ich mich wieder gefürchtet und bin gelaufen . Sieh , nun weißt du , woher ich gekommen bin . Vor dem guten Herrn allein hätte ich mich nicht gefürchtet ; doch das ist alles gleich , mir kann doch ja keiner helfen . « » Kind « , rief die Alte , » jetzt hab ich dich lange genug angehört . Was schwatzest du da stundenlang her ? Und weshalb soll dir keiner helfen können ? « » Die Leute im Dorfe sagen es . Sie sagen , ich sei nichts nutz und nichts wert , und als die Buben neulich die Katze versauft haben , haben sie mich mit versäufen wollen und sind mit einem Strick und einem Stein hinter mir drein gerannt ; aber diesmal bin ich ihnen noch zu schnell gewesen . Die Mädchen haben aber nachher gelacht und gesagt , es helfe mir doch nichts , daß ich so flink sei ; ins Wasser müsse ich doch einmal . Nun sage du , muß ich ins Wasser , und ist mir dann geholfen ? « Wenn nun in diesem Augenblick die Wände des Siechenhauses zu Krodebeck auseinandergerückt wären , wenn die hellste Sonne eines Wiener Sommertages durch rotseidene geschlossene Vorhänge in das hohe , stolze Gemach gefallen wäre und den modernen , weißen , silberbeschlagenen zierlichen Sarg in der Mitte dieses Gemaches mit einem rosigen Schimmer bemalt hätte , so würde die Alte im Siechenhause nicht schmerzensreicher und angstvoller dreingesehen haben als jetzt , wo alles fürs erste beim alten blieb und sie mit abwehrenden Händen nur stöhnen konnte : » O Kind , Kind , was für Unsinn redest du und was für schlechte Dummheiten lässest du dir in den Kopf setzen ! « Hüpfend und lachend in die Hände klatschend , rief Tonie Häußler : » Sei ganz ruhig , ich gehe mein Lebtage nicht ins Wasser ; es gefällt mir zu gut auf der Erde und bei dir , Mutter ! Und heute hab ich viel trocken Fallholz aus dem Kuckelrucksholz geholt , non können wir heut abend warm sitzen und hören , wie ' s im Ofen schilt und schwatzt . Nachher kriech ich zu dir ins Bett ; dann braucht sich keiner zu fürchten vor Gluhschwänzen , Tückebolden und Gespenstern . Wenn du im Schlaf Angst hast , zupf ich dich an deiner alten spitzen Nase ; dann wachst du auf und merkst , daß du bei mir bist , und alles ist gut . Und wenn ich vom gelben gnädigen Fräulein träume , so schüttle mich nur tüchtig ; - wenn ich wache , fürchte ich mich vor niemandem . Den möcht ich sehen , dem zuliebe ich ins Wasser ginge ! Ich habe es ganz gut in der Welt und verlange es nicht besser . « Das letztere war mehr , als der Junker Hennig von Lauen in diesen Zeiten von sich behaupten konnte . Seine Verdauung war noch immer vortrefflich ; allein sein