Ende wohl zu helfen sein « , riefen mehrere . » Einem allein geh ' ich nicht ; wer etwas gegen mich hat , der soll kommen . « » Gehst auch mir nicht ? « rief Hans , so zornig über den eigensinnigen Knecht , wie ihn dieser noch niemals gesehen hatte . » Hast du denn auch etwas gegen mich ? « » Ja . « » Und Dorothee redet kein Wort für mich ? « fragte Jos wehmütig . Alles blieb still . » Oh , wie seid ihr elende Leute ! « rief Jos plötzlich . » Alle kniet ihr vor dem Goldenen Kalbe , mag es Zusel heißen oder Hans . « Die Burschen und Hans mit drangen auf den Aufgeregten ein . Dieser floh gegen das offene Fenster und rief mehrere Male : » Auch Hans kommt ; alle , und er - er bringt mich um alles ! « Jetzt ein Sprung , und der Verfolgte war , ohne daß eine Hand ihn auch nur zu berühren vermochte , aus dem Zimmer verschwunden . Hart neben dem niederstürzenden Strahle der durch ein Gewitter angeschwollenen Dachtraufe lag er auf einer Steinplatte und wälzte sich langsam aus dem Kreise der aufspritzenden kalten Tropfen hinaus . Im Zimmer begann man vom Kriminalgericht und sogar vom Köpfen zu brummen . Wer nicht heimschlich , setzte sich auf einen Stuhl und suchte so schnell als möglich von etwas anderem zu reden . Nur Dorothee begehrte auf , wie man sie noch nie gehört , und Hans saß neben ihr , als ob ihn der Blitz getroffen hätte . Es wurde ihm ordentlich wohl , als die Magd ihn gegen Schick und Brauch verließ und vor das Haus hinabeilte , nachdem sie hörte , daß Jos nicht mehr einen Tritt zu gehen imstande sei . Zehntes Kapitel Die Heimkehr » Erbärmliche Kreaturen ihr ! « Das war die erste Antwort , welche Jos denen gab , welche sogleich vor das Haus geeilt waren und sich nach seinem Zustand erkundigen wollten . Ja , nun kamen sie zu allen Löchern heraus und streckten die Hälse und die Ohren , um etwa zu sehen , was wohl der so gedemütigte Trotzkopf für ein Armensündergesicht machen werde . Tausend Element , das sollten sie nicht ! Aber vergebens strengte Jos sich zum Aufstehen an . Mühevoll hatte er sich mit Händen und Füßen in die Laube des Hauses , den sogenannten Schopf , gebracht , wo er nun doch wenigstens vor dem Regen geschützt war . Hier saß er auf einem kleinen Heubündel und schaute die aus allen Winkeln des großen Hauses kommenden Leute trotzig an . » Jesus , Maria und Josef , sein Kopf ist ja blutig ! « riefen mehrere der Herbeigeeilten erschrocken aus . » Hat dich denn einer geschlagen ? Wer ? « » Niemand als ich selbst « , antwortete Jos und fuhr dann , wie von Widerwillen und Ekel geschüttelt , fort : » Wenn mich einer so geschlagen hätte , hu - einer der Elenden , und ich müßte jetzt auch so wehrlos daliegen und mich von jedem angaffen und bemitleiden lassen - Gott , es wäre , um den Verstand zu verlieren . « » Und wie ist dein Zustand jetzt ? « » Jetzt « , lachte der schmerzgequälte Jos bitter , » jetzt hab ' ich gar keinen Zustand , nur noch einen Zusitz , das muß doch jedes Kind sehen . « Nur mit größter Mühe und vielen Kreuz- und Querfragen brachten einige Schulfreunde des Leidenden endlich heraus , daß er zwar im Sprung aus dem offenen Fenster glücklich auf die Beine gekommen , dann aber auf der abgewetterten glatten Steinplatte auch noch auf den Kopf gefallen sei . Jos erzählte das , mit vielen bitteren Bemerkungen über die verschiedensten Ausrufe des Mitleids sich unterbrechend . Diese Weichheit , dieses Beklagen des - durch eigene Schuld nur - Geschehenen , was war es anderes als der jämmerliche Tribut , mit dem sie ihrem Hochmut , ihrer frommen Eitelkeit die beste oder eigentlich die schwächste Seite ihres Wesens wiedergewinnen wollten . Ha , Jos hätte rasend werden mögen , als er einen sagen hörte , man könne unmöglich begreifen , warum so ein Unglück Gottes heiliger Wille sei . Also auch an dem sollte der liebe Gott die Schuld haben ! Wie , wenn er nun der Gewalt nicht gewichen wäre , wenn er statt dessen einige seiner Gegner verletzt hätte ? Dann wär ' gewiß nur der Sohn der Schnepfauerin und nicht der liebe Gott an der ganzen Geschichte schuld gewesen . Aber diese Leute kamen eben niemals auf das Richtige . Da standen sie und jammerten über den blutenden Kopf , während ihm sein rechter Fuß wohl zehnmal weher tat . Anfangs freilich wär ' s ihm selbst auch nicht anders gegangen . Erst als er sich zum Gegenstande eines ihm widerlichen Mitleids gemacht sah , dem er so schnell als möglich entfliehen wollte , empfand er im Fuße einen furchtbaren Schmerz , der bei der ersten Bewegung den ganzen Körper durchfuhr und ihn mit Gewalt auf den blutbedeckten Platz zurückwarf , von dem er sich , da er jede Hilfe trotzig verschmähte , nur langsam wegzubringen vermochte . Jetzt hatte er eine ganz eigene Freude daran , daß die Umstehenden , das Ärgste gar nicht ahnend , noch immer über die gewiß nicht bedeutende Verletzung am Kopfe jammerten . Bitter lachend starrte er die Umstehenden an und wies einzelne , die ihm ihre Dienste anboten , trotzig zurück . Als dann aber die guten Leute sich kopfschüttelnd zu entfernen begannen , wurde ihm auf einmal wunderbar angst . » Laßt mich doch um Gottes willen nicht allein wie ein Tier ! « flehte er . » Ihr seht ja , daß ich einen Fuß gebrochen hab ' und auch nicht einen Tritt mehr zu gehen imstande bin . « Diese Worte wirkten wie ein gewaltiger Schlag . Alle