kaum , zu ihr aufzublicken . Sie auch nahm die Unterhaltung auf , indem sie sagte : » Es war doch ein schöner Sommer , Herr Hagebucher , und wenn wir einander wieder begegnen , so werden wir seine guten Gaben sicherlich richtiger zu schätzen wissen , als wir es in dieser dämmerigen Stunde vermögen . Wir werden jedenfalls wieder zusammentreffen , Kamerad ; dann grüßen wir uns nach einer andern Welt Art und Sitte und haben wohl darauf zu achten , wie wir ' s treiben , daß das kluge Narrenvolk dort hinter den Bergen uns nicht unter die Füße bekommt . Wir besitzen aber beide das Bürgerrecht in einem Reiche , von welchem jenes Volk nichts weiß , und keine Macht soll uns es entreißen . Jetzt wollen wir uns die Hände drücken und kurz Abschied nehmen ; mit Redensarten ist keinem von uns gedient . Wenn Sie Ihre Waffen geschmiedet haben , so lassen Sie dort in der Katzenmühle von der alten Frau den Segen darüber sprechen , und dann mögen Sie mir nachfolgen . Leben Sie wohl , Leonhard Hagebucher ! « » Leben Sie wohl , Fräulein von Einstein ! « sagte der Mann vom Mondgebirge . Nikola ritt talab weiter auf der Landstraße , Leonhard aber folgte wieder jenem uns schon bekannten Feldwege , umschritt das Dorf Bumsdorf in einem Bogen und erreichte wie gewöhnlich in dunkler Nacht das Quartier des Vetters Wassertreter . Dreizehntes Kapitel Da uns in früheren , dunkleren Jahrhunderten leider schon viel deutsche Geschichte dadurch verzettelt wurde , daß jeder Mönch , der sich in dieser Weise schriftstellerisch beschäftigte , nur die Historie seines eigenen Klosters für die Ewigkeit niederschrieb , so wollen wir an dieser Stelle nicht die Geschichte der Stadt Hannover , Braunschweig , Darmstadt , Kassel , Stuttgart und so einige dreißig Mal und so weiter schreiben . Wir können unsere mittel- und kleinstaatliche Herrlichkeit an den Fingern herzählen , aber , in echt germanischer Schamhaftigkeit , ohne einen Namen zu nennen ; der Plunder bleibt eben überall derselbe und die Liebe und Verehrung zum angestammten Fürstenhause sowie die Anhänglichkeit an sonstige altgewohnte , behagliche oder unbehagliche Überkommnisse und Einrichtungen gleichfalls . Solch eine deutsche Kulturstätte , von einem im ganzen ziemlich unhedeutenden Bruchteil der Nation seine Residenz genannt , liegt entweder in einem Tal oder in einer Ebene und nie auf einem Berge , hat jedoch stets in ihrer Umgebung eine natürliche oder künstliche Erhöhung des Bodens , von welcher aus man eines umfassenden Blickes über die Pracht genießt und auf welche die Leute des Ortes und der Gelegenheit sehr gern ihre Gäste führen , um sich an ihrem Erstaunen und Entzücken mit bescheidenem Stolz zu weiden . Solch eine deutsche Residenz hat immer die Ähnlichkeit mit der Stadt Rom , daß sie wie diese nicht an einem Tage erbaut worden ist . Ihr Alter ist häufig ganz bedeutend , ein Umstand , auf den man sich gemeiniglich auch etwas zugute tut , welcher aber jedenfalls nicht immer seinen letzten Grund in der Überschwenglichkeit der landschaftlichen Reize findet . Dichter Nebel , Sumpf und Urwald bedeckten vor zweitausend Jahren die Stelle , auf welcher heute die Gesittung und Bildung ihre schönsten Blüten treiben . Wo heute vor dem Hotel de St. Pétersbourg der Polizeimann die öffentliche Moral im Auge behält , da lauerte einst der wilde Urgermane auf den zottigen Bär : wo heute Staatsräte und Generalmajore , Präsidenten des Obertribunals und Konsistoriums , Direktoren , Ministerial- , Oberkriegs- und Kollegialräte , Stadtdirektoren , Zollinspektoren und Staatskassiere , Prälaten , Medizinalräte , Archivare und Bibliothekare den Triumph der höchsten Zivilisation zur Erscheinung bringen , da brachte einst der schwerfällige Büffel höchstens sich selber zur Darstellung . Selbst die Römer , welche doch an mancherlei klimatische Unterschiedlichkeiten gewöhnt waren , holten sich hier den Schnupfen und zogen sich niesend zurück , ohne daß der rohe Eingeborene ihnen nur ein Zur Gesundheit ! nachrief . Dieses Römervolk hatte wie mit einer Laterne in den Urwald hineingeleuchtet ; nachdem ihm das Lämpchen ausgeblasen war , wird es wieder sehr dunkel und bleibt so sehr lange Zeit hindurch ; die Stämme schlagen sich nach alter guter Gewohnheit untereinander tot , und die Fremden , wie die Hunnen und dergleichen Durchzügler , helfen ihnen nach Kräften dabei . Das Licht , welches das Christentum in der Wildnis aufsteckt , hindert niemanden , sein Wohlwollen dem Nachbar nach Sitte der Väter zu betätigen ; aber eine Villa taucht plötzlich im Dunkel der Urkunden auf ; ein fabelhaftes Dynastengeschlecht , welches nachher vom frommen Äneas oder sonst einem biedern Trojaner abzustammen behauptet , hat sich zwischen Sumpf und Wald mit einem rohen Mauer- und Pfahlwerk umgehen - es ist Dämmerung geworden auf dieser Erdstelle für mehr als einen Professor der Geschichte . Ein Ortsname , der einmal in den Urkunden erschien , erlischt so leicht nicht wieder in denselben ; das Eigentumsrecht ist zu Papier gebracht , und am Ende ist das Papier doch der irdische Stoff , welcher alle andern überdauert . Die Nachkommen des alten Vaters Priamus , von germanischen Gewissensskrupeln geängstet , fundieren eine Kirche oder ein Kloster , und die Geistlichkeit ermangelt sicherlich nicht , sich das Ihrige schriftlich geben zu lassen - es wird immer lichter für den Herrn Professor . Um Kirche und Burg , unter dem Schutze des geistlichen und weltlichen Armes , erhebt ein sehr schutzbedürftiges , verwahrlostes , halb tierisches Menschenhäuflein seine Lehmhütten , und unser Freund , der Professor , mag seine Brillengläser putzen und anfangen zu spezifizieren : die Grundelemente des heutigen Gesellschaftsverbandes sind vorhanden . Advenit imperator , das heißt , ein anderer Dynast - ein Adler im Verhältnis zum Sperber - ist an der Spitze von vielen tausend guten Rittern und Knechten ins Land Italia gezogen , hat sein Heergefolge daselbst glücklich versorgt und unter den Boden gebracht und ist , nachdem er einem andern geistlichen Herrn einige unbedeutende Konzessionen in betreff der physischen und moralischen Verwaltung der deutschen Nation