Erklärung dieser Worte . Aber Ernest , der immer so sprach , als gebe es auf der ganzen Welt nur gute katholische Christen - Ernest schwieg und es flog nur ein Blick voll seliger Freude aus seinem lichten Kinderauge dankbar zum Himmel auf . » Sie sind sehr exzentrisch , wie man in der Welt sich auszudrücken pflegt , Herr Ernest , « sagte sie endlich . » Exzentrisch sein , bedeutet außerhalb des Zentrums oder ohne Mittelpunkt sein , « erwiderte er . » Es kommt also ganz darauf an , was man zum Mittelpunkt des Menschenlebens oder Wesens setzt . Die Welt nimmt an , ihre Gesetze , ihre Vorschriften wären das notwendige Zentrum , um welches man sich zu bewegen habe . Da ich nun das nicht tue , so mögen Sie mich meinethalben exzentrisch nennen , Fräulein Judith ! ich weiß ja doch , daß ich mein Zentrum , und zwar ein ganz festes , unerschütterliches , in Gott habe . « » Da Sie es so schön finden , daß Ihre Schwester Nonne ward , warum sind Sie denn nicht Mönch geworden ? « Ernest lachte hellauf und erwiderte : » Weil es zweierlei ist , etwas schön zu finden und schön zu sein . Ich mit meiner Wanderlust , mit meinem ungebundenen Sinn - ein Mönch , der unter dem Gehorsam und nach der Ordensregel lebt ! nein , das ist mir nie eingefallen . In ' s Heiligtum muß man durch die Gnade berufen werden , nicht sich hineindrängen . « » Und an wen ergeht ein solcher Ruf ? « » An die , welche Gott so lieben oder so lieben wollen , daß sie sich mit der Welt und ihren Gestalten nicht befreunden mögen . « » Das wäre etwas für mich , « sagte Judith , » wenn ich einen Gott hätte , den ich lieben könnte . Aber auf solche phantastische Träumereien laß ' ich mich nicht ein . « Ein Wagen fuhr vor ; Türen öffneten sich . In einen superben persischen Shawl gehüllt , mit Boa und Muff von Zobel , rauschte Madame Miranes durch die Gemächer und ins Zimmer ihrer Tochter . Die Lektion war zu Ende . Ernest verbeugte sich tief vor der prächtigen Dame , die ihm in ihrer Art recht gut gefiel , denn sein Wohlwollen umschloß alle Geschöpfe Gottes . Sie entließ ihn huldreich und er dachte auf dem Heimweg bei sich selbst : In einem Gemälde , als die stolze Königin Vasthi , würde sie sich trefflich machen ! recht eine Gestalt für den Pinsel des Veronese ! Der Beruf Nachdem sich Graf Damian von der Verwunderung erholt , in welche Regina ihn versetzt hatte , überlegte er , was nun zu tun sei . Zwang , Befehl würden vergeblich sein gegen diesen festen Entschluß , das sah er ein . Auch würde Uriel darauf nicht eingehen . Widerspruch reizt zum Eigensinn , besonders so einen kapriziösen Mädchenkopf , der sich einbildet , die Welt müsse nach seiner Pfeife tanzen . Sie muß dahingebracht werden , von selbst ihre Klosterideen aufzugeben . Das dauert vielleicht ein Jahr oder zwei und dann läßt sie sich überwinden . Uriel muß Geduld haben und soll immer in unserer Nähe sein . Wäre der politische Horizont nicht so wetterdrohend , so ginge man nach Italien oder Paris und Uriel reiste mit . Es ist aber nicht geheuer in der Ferne und Fremde , man könnte in ein Wespennest hineingeraten ! So mag sich denn Uriel der Gesandtschaft in Frankfurt attachieren lassen . Ein wohlerzogener Gesandtschaftsattache , aus gutem Hause , der sein eigenes Geld splendid ausgibt , ist überall willkommen . Wir gehen dann auch hin . Regina ist wie eine Festung , die man mit dem Glück , den Freuden , den Zerstreuungen und Unterhaltungen der Welt blockieren , und der man die Zufuhr religiöser Lebensmittel möglichst abschneiden muß . Mit diesem Plan zu einer Wetterkampagne gegen seine Tochter war der Graf äußerst zufrieden . Er teilte ihn Levin mit , welcher erwiderte : » Es ist gut , daß sie geprüft werde ; Gott wird ihr beistehen . Nicht umsonst heißt es in der heiligen Schrift : Das Himmelreich leidet Gewalt und nur die Gewaltigen werden es an sich reißen « Als Uriel erfuhr , mit welchem Rival er um Reginas Herz zu kämpfen hatte , geriet er in heftige Aufregung . Er fand es geradezu empörend . Es gefiel ihm außerordentlich gut , daß Regina so fromm war und wie in einer Glorie von Glaubensglut stand ; aber , daß Gott dies gleichsam benutzte , um ihr Herz an sich zu reißen - nein ! das war unerträglich ! das ging über die Rechte Gottes hinaus ! ein solcher Eingriff in die heiligsten Verhältnisse und süßesten Empfindungen war nicht zu dulden ! Hätte sie einen anderen geliebt , nun , so resignierte man sich zum Schmerz ; oder niemand geliebt , so hatte man Hoffnung ! Aber Gott zu lieben , Gott allein , Gott ausschließlich und dabei gar nicht das zerstörte Glück eines Menschenherzens zu berücksichtigen - - » Nein , lieber Onkel ! « rief er , » Regina träumt , Regina irrt sich ! Erlaube mir , mit ihr zu sprechen ; sie wird gewiß zur Besinnung kommen . « » Nichts ist mir lieber ! « entgegnete der Graf und rieb sich vergnügt die Hände . » Ich bin froh , daß Du endlich Feuer fängst und aus Deinem blöden Schäferstand heraustrittst . Ich erlaube Dir , stante pede zu ihr zu gehen . Du wirst ein besserer Anwalt Deiner Sache sein , als der Papa ist . « Mutig wie ein Eroberer flog Uriel im Sturmschritt die Treppen hinauf . Als er an ihre Türe klopfte und das : » Herein ! « ihrer weichen Stimme hörte , sank ihm der Mut und beträchtlich herabgestimmt trat er ein und sagte : » Verzeih ' , wenn ich