, aber sie hielt ihre Zunge im Zaume , so lange Kunz neben ihr saß , von dem sie noch mehr als eine derbe Anspielung über neidische und klatschsüchtige Frauen hören mußte . Die Mahlzeit währte bis zur Dämmerung , wo sich die Frauen entfernten , um zum darauf folgenden Ball sich umzukleiden ; indeß zechten die Männer noch weiter , und es gehörte viel Muth und Tanzlust der Frauen dazu , zu dieser wüsten Geschellschaft wieder zurückzukehren und von den angetrunkenen Männern im Tanz sich schwenken zu lassen . Indeß war es so Sitte , selbst im ehrbaren Nürnberg , über dessen Zucht und Ordnung die Rathsherren sorgfältiger wachten , als in einer anderen Stadt geschah , und das von allen zeitgenössischen Schriftstellern als ein Muster von würdigem Anstand und feinen Sitten hingestellt wird . Aber auch von dieser Stadt schreibt Konrad Celtes selbst , der sich in ihr so wohl fühlte , wie sonst nirgends : » Bei den meisten deutschen Völkerschaften giebt es Anlaß zu blutigen Zänkereien und zu vielen andern Uebeln und Ausschweifungen , daß sie einander nach gewissen Gesetzen und Gebräuchen aus großen Bechern zutrinken , wobei sie sich wie über einen großen Sieg rühmen , wenn sie einen sinnlos und gleichsam todt zu Boden gebracht haben . Hier in Nürnberg sind die Tischgespräche gar artig und gegen die Weise der Deutschen gesetzt , ohne Händel und ohne freches Gelächter , sondern durch bescheidenes Stillschweigen niedergehalten . Das Schimpfen und Fluchen ist hier weniger an der Tagesordnung als anderswo . « Die Nürnbergerinnen kehrten also wieder zurück , nachdem sie die schweren Woll- und Sammetstoffe mit leichteren Kleidern von dünner Seide und jenem zarten Stoff vertauscht hatten , welchen die alten Dichter seiner Durchsichtigkeit wegen » gewebte Luft « nannten , Haar und Gewänder mit lebendigen Blumen geschmückt . König Max selbst eröffnete den Tanz mit Eleonore Tucher , indeß Markgraf Friedrich mit Elisabeth tanzte . Dafür widmete der König dieser später mehr als einen Tanz und erwies ihr jede ritterliche Huldigung . In welchen Rausch von Stolz und Glück sie auch dadurch versetzt ward , so gehörte sie doch auch jetzt nicht zu den selbstsüchtigen Naturen , die alles Andere über sich selbst vergessen . Darum sagte sie zu dem König : » Darf ich mir eine Gnade von Euch erbitten ? « » Ihr wißt , es wird mich glücklich machen , Euch Alles zu erfüllen , was ein König erfüllen darf . « » Nun so tanzet den nächsten Tanz mit der blonden sanften Jungfrau im weißen Kleid mit Rosen geschmückt , die eben mit Stephan Tucher an uns vorüberschwebt , « sagte Elisabeth . Der König lächelte : » Da hätte ich jede andere Bitte erwartet als eine solche ! Wer ist das hübsche Kind ? « » Die Tochter Gabriel Muffel ' s , der unter den Rathsherren Euch vorgestellt ward . Es giebt Leute , die es der Enkelin wollen entgelten lassen , daß ihr Großvater vor zwanzig Jahren hier als Loosunger gerichtet ward . Sie ist das edelste und sittsamste Mädchen von Nürnberg , erhebt sie durch Eure Gnade vor diesen ungerechten Menschen . « » Es soll geschehen , « sagte der König ; » aber hab ' t Ihr nichts Anderes zu wünschen ? « » Stephan Tucher , « fuhr Elisabeth fort , » wird Euch begleiten , wie ich höre , laßt ihn Eurer Gnade empfohlen sein . « Max lächelte : » Darf Euer Gemahl diese Fürbitte hören ? « » Er würde sie wiederholen , wenn Ihr ihm dieselbe Gnade erwieset wie mir , « versetzte Elisabeth ruhig ; » dieser Tucher liebt die Jungfrau Muffel , aber der Eigensinn der Väter widersetzt sich dieser Verbindung - nehm ' t Ihr das liebende Paar in Euren gnädigen Schutz . « Max ließ seine Blicke auf Elisabeth mit reiner Bewunderung gleiten , die jetzt nicht ihren Körperreizen , auch nicht ihren Kenntnissen , sondern den Eigenschaften ihres echtweiblichen Herzens galten , die sich jetzt ihm offenbarten , und sagte bewegt : » Keine andere Bitte ? « » Doch ! « versetzte Elisabeth , » wenn Eure Majestät mich noch länger anhört . Heute bei der Tafel erzählte man Euch von Konrad Celtes , und wie Euer erlauchter Vater , unser gnädigster Kaiser und Herr mich ausersehen , ihm den Dichterkranz auf ' s Haupt zu setzen ; vor all ' den anderen Herren wagte ich nicht weiter von ihm zu sprechen , jetzt aber möcht ' ich Euch bitten : leset seine Schriften und wollet bedenken , daß der nächste Platz neben dem Fürsten dem Dichter gebühren sollte . Ich wollte , er wäre jetzt noch hier : er würde Euch verstehen wie kein Anderer , und Ihr würdet seine Verdienste erkennen und zu würdigen wissen wie kein Anderer ! « » Ihr seid ein wunderliches Weib ! « rief der König ; » was kümmern Euch Andere ? warum denkt Ihr nicht an Euch selbst ? « » Nur wenn ich an Andere denken kann , leb ' ich mir selbst ! « antwortete sie , und fügte bei sich selbst hinzu : wenn ich für Andere nicht leben kann , so will ich doch an sie denken ! Dann fuhr sie fort : » Mich kümmerte es wohl , die beiden einzigen Männer , die ich als die edelsten ihres Geschlechtes verehre , berufen dem gesunkenen deutschen Reiche wieder aufzuhelfen , Hand in Hand wirken zu sehen und die neue Zeit heraufzuführen , der Alle , welche denken können , sich entgegensehnen . « Max hatte über dieses Gespräch des Tanzen vergessen - so hatte noch keine Frau zu ihm geredet . » Eine neue Zeit ! « wiederholte er sinnend . » Ihr werdet mit mir die Tage der vergangenen Herrlichkeit und Kraft des Kaiserreiches wiederkehren sehen , der Thron Karl ' s des Großen wird seinen alten Glanz entfalten und die Ritterlichkeit jener alten Zeit sich durch mich