Brennen den Rhein herauffuhren , hatten ihn und viel andere Heerbannleute gefangen mitgeschleppt , und er war bei ihnen geblieben über Jahresfrist und hatte den Seemannsdienst gelernt und war wild und trotzig geworden in der Strandluft des Meeres , und wie sie ihn wieder frei gaben , trug er die Nordseesehnsucht mit sich in schwäbischen Wald , - die Gesichter der Heimat gefielen ihm nimmer wieder , die der Mönche und Priester am wenigsten , und das Unglück fügte es , daß er in zornigem Aufbrausen einen wandernden Mönch erschlug , der ihn gescholten , da war seines Bleibens nicht fürder . Der Waldfrau Gedanken hafteten heut immerdar auf jener letzten Stunde , die ihn von ihr geschieden . Da hatten ihn die Gerichtsmänner vor seine Hütte im Weiterdinger Wald geführt , sechshundert Schillinge sollte er als Wehrgeld für den Erschlagenen zahlen , und wies ihnen statt dessen Haus und Hofmark zu und schwur mit zwölf Eideshelfern , daß er nichts unter und nichts ober der Erde mehr zu eigen habe . Drauf ging er in sein Haus , sammelte eine Hand voll Erde , stand auf die Schwelle und warf mit der Linken die Erde über seine Schultern auf seines Vaters Bruder , als Zeichen , daß seine Schuld auf diesen seinen einzigen Blutsverwandten übergehen solle , er aber griff einen Stab und sprang im leinenen Hemde ohne Gürtel und Schuhe über den Zaun seines Hofes ; das Recht der chrene chruda127 schrieb ' s so vor , und damit war er seiner Heimat ledig und ging in Wälder und Wüsten - ein landflüchtiger Mann , und ging wieder ins Dänenland zu seinen Nordmännern und kam nimmer zurück . Nur eine dunkle Kunde sagte , er sei mit ihnen nach Island hinübergefahren , wo die tapfern Seefahrer , die ihren Nacken nicht beugen wollten vor neuem Glauben und neuer Herrschaft , sich ein kaltes Asyl gegründet . Das war schon lange , lange her , aber der Waldfrau war es , als sähe sie ihren Friduhelm noch , wie er ins Waldesdunkel sprang ; sie hatte damals ins Weiterdinger Kirchlein einen Kranz von Eisenkraut gehängt und viel Tränen vergossen ... kein anderer hatte sein Bild aus ihrer Seele verdrängt . Die traurige Jahreszeit gemahnte sie an ein altes Nordmännerlied , das er sie einst gelehrt ; das summte sie jetzt vor sich hin : » Der Abend kommt und die Herbstluft weht , Reifkälte spinnt um die Tannen , O Kreuz und Buch und Mönchsgebet - Wir müssen alle von dannen . Die Heimat wird dämmernd und dunkel und alt , Trüb rinnen die heiligen Quellen : Du götterumschwebter , du grünender Wald , Schon blitzt die Axt , dich zu fällen ! Und wir ziehen stumm , ein geschlagen Heer , Erloschen sind unsere Sterne - O Island , du eisiger Fels im Meer , Steig ' auf aus nächtiger Ferne . Steig ' auf und empfah unser reisig Geschlecht - Auf geschnäbelten Schiffen kommen Die alten Götter , das alte Recht , Die alten Nordmänner geschwommen . Wo der Feuerberg loht , Glutasche fällt , Sturmwogen die Ufer umschäumen : Auf dir , du trotziges Ende der Welt , Die Winternacht woll ' n wir verträumen ! « Ekkehard war indes draußen abgestiegen und hatte sein Roß an eine Tanne gebunden . Jetzt trat er über die Schwelle ; scheu ging Audifax hinter ihm drein . Die Waldfrau warf das Gewand über den Stein , faltete die Hände in ihren Schoß und sah starr dem eintretenden Mann im Mönchsgewand entgegen . Sie stand nicht auf . » Gelobt sei Jesus Christ ! « sprach Ekkehard als Gruß und Ablenkung etwaigen Zaubers . Unwillkürlich schlug er den Daumen der Rechten ein und schloß die Hand , er fürchtete das böse Auge128 und seine Gewalt ; Audifax hatte ihm erzählt , die Leute sagten von ihr , daß sie mit einem Blick ein ganzes Grasfeld dürre zu machen vermöge . Sie antwortete nicht auf den Gruß . » Was schafft Ihr Gutes ? « hub Ekkehard das Gespräch an . » Einen Rock bessern « , sprach die Alte , » er ist schadhaft geworden . « » Ihr sucht auch Kräuter ? « » Such ' auch Kräuter . « - » Seid Ihr ein Kräutermann ? Dort liegen viele : Habichtskraut und Schneckenklee , Bocksbart und Mäuseohr , auch dürrer Waldmeister , so Ihr begehrt . « » Ich bin kein Kräutermann « , sprach Ekkehard . » Was macht Ihr mit den Kräutern ? « » Braucht Ihr zu fragen , wozu Kräuter gut sind ? « sprach die Alte , » Euer einer weiß das auch . Es stünd ' schlimm um kranke Menschen und krankes Tier und schlimm um Abwehr nächtiger Unholde und Stillung liebender Sehnsucht , wenn keine Kräuter wären . « » Und Ihr seid getauft ? « fuhr Ekkehard ungeduldig fort . » Sie werden mich auch getauft haben ... « » Und wenn Ihr getauft seid « , rief er mit erhobener Stimme , » und dem Teufel versagt habt und allen seinen Werken und allen seinen Gezierden , was soll das ? « Er deutete mit seinem Stab nach den Pferdeschädeln an der Wand und stieß einen heftig an , daß er herunterfiel und in Stücke brach ; die weißen Zähne rollten auf dem Fußboden umher . » Der Schädel eines Rosses « , antwortete die Alte gelassen , » den Ihr jetzt zertrümmert habt . Es war ein junges Tier , Ihr könnt ' s am Gebiß noch sehen . « » Und der Rosse Fleisch schmeckt Euch ? « frug Ekkehard . » Es ist kein unrein Tier « , sagte die Waldfrau , » und sein Genuß nicht verboten . « » Weib ! « rief Ekkehard und trat hart vor sie hin - » du treibst Zauberkunst und Hexenwerk ! « Da stand die Alte auf . Ihre Stirn runzelte sich , unheimlich glänzten die