Husarentanz ? « fragte der Müllerknecht , » was ist denn das für ein Tanz ? « » Kein besonders anständiger « , antwortete ihm Friedrich . » Der Husarentanz « , sagte der Schütz , » nun , das ist eben der Husarentanz . Wer wird denn den nicht kennen ? « » Der Schütz « , rief der Kübler , » stellt sich doch , als ob er alles wüßt ! Ich bin euch gut dafür , daß er ihn selber nicht kennt . « » Was , ich ? « erwiderte der Schütz und richtete sich stolz empor , » ich soll ihn nicht kennen ? « » Nein , ich wett , was du willst . « » Ein Flasch Wein ! « » Eingeschlagen ! « Und ohne an seine Amtswürde zu denken , sprang der Schütz vom Stuhl auf , setzte den Hut verkehrt auf den Kopf , nahm die Rockzipfel zwischen die Zähne und führte einen seltsamen Tanz mit plumpen Sprüngen auf , die sich um so abscheulicher ausnahmen , da er im wachsenden Rausche seines Körpers nicht mehr mächtig war . Wenn das Mädchen , von dem er erzählte , nur zum zehnten Teil so häßlich getanzt hatte , so hatte Friedrich mit seiner Bezeichnung vollauf recht gehabt . Die Gesellschaft brüllte vor Lachen , aber in den Augen der Männer malte sich zugleich die Verachtung , welche die Bäckerin noch deutlicher ausdrückte , indem sie , ohne lachen zu können , mitleidig nach dem Lustigmacher hinsah . » Da tanzt unsere Obrigkeit ! « sagte der Kübler . » So , das ist der Husarentanz ! « keuchte der Schütz , indem er atemlos auf seinen Stuhl zurückfiel . » Jetzt eine Halbe dem Küblerfritz ! « Das Gelächter dauerte noch lange fort , während er sich schon den Preis seiner Schaustellung schmecken ließ . Er wurde mit zweideutigen und spöttischen Lobsprüchen überschüttet , und der Invalide sagte ihm , er sollte sich beim Ballett in Stuttgart anstellen lassen , da würde er am besten hintaugen . Diese Aufnahme seiner künstlerischen Produktion machte ihn wieder ein wenig nüchtern . » Aber das Schönste hab ich noch gar nicht erzählt ! « rief er , um den ihm allmählich klar werdenden Eindruck des Possenspiels , das er soeben aufgeführt hatte , zu verwischen . » Ein Hexenprozeß ist heut noch zu guter Letzt verhandelt worden ! « » Ein Hexenprozeß ? Was ? Wird wieder einmal eine Hex verbrennt ? « » Nein , dazu bietet die Obrigkeit nimmermehr die Hand . Aber doch ist ' s ein Hexenprozeß gewesen , und das ein saftiger . Ich hab schon gemeint , die Sitzung geh zu End , die Herren haben nur noch ein wenig von wegen der Kirche und Schule diskuriert - der Wetterhahn ist lahm worden , und die Schulmeisterin will eine Küche und mag sich nicht mehr mit dem schlechten Verschlag zum Kochen behelfen - da kommt auf einmal der Franzos den Gang herangestiegen , wie ein welscher Hahn , und den Hut hat er ganz schief aufgehabt , so daß ich gleich gedacht hab , da sei bös Wetter im Anzug . « » Wer ist der Franzos ? « fragte der Müllerknecht . » Man heißt ihn so , weil er ein Jahr im Elsaß das Sattlerhandwerk gelernt hat und davon ein wenig welscht . Er hat eine Hammelayin zum Weib . Ich hab ihn gleich müssen bei Konvent anmelden , und weil ich neugierig gewesen bin , hab ich die Tür ein wenig offengelassen . Da hat er schrecklich getan und immer mit den Händen dazu gefochten und hat den Schmiedhannes verklagt , daß er heut in Gegenwart des ganzen löblichen Magistrats , just vor der Konventssitzung , in einem Streit wegen eines Gartenzaunes die Hammelayischen insgesamt Hexen gescholten habe . Das sei ein Schimpf und eine Schande für ihn und seine Gefreund ' ten , und er klage im Namen der ganzen Hammelayischen Familie , man möchte den Schmied zur gebührenden Strafe ziehen und ihm eine christliche Abbitte auferlegen . Ich hab gleich den Schmiedehannes holen müssen , und der hat auch ohne weiteres bekannt , daß er diese Rede vor gesessenem Gericht ausgestoßen hab , und es sei wahr , er bleibe dabei , denn die alte Hammelayin sei ihm schon vor fünf Jahren einmal in aller Früh ohne Haub im Hemd und Rock begegnet , hab auch eine schwarze Katz bei sich gehabt , die so groß als ein Kalb gewesen sei . Der Herr Amtmann hat ihm drauf die Sach ausreden wollen , er hab vielleicht einen starken Morgenschnaps getrunken gehabt und die Katz durch eine zu große Brill angesehen . Er aber ist dabei beharrt , daß er keinen Rausch gehabt habe , und wie ihm der Herr Amtmann zugesetzt hat , so ist er zornig worden und hat sich verschworen , der Teufel solle ihn zu Sägmehl verreißen , wenn er weiter als für sechs Kreuzer getrunken gehabt hab . Auf das ist der Herr Pfarrer aufgefahren , und der Herr Amtmann hat ihm gleich zwei Pfund Heller andiktiert , weil er sich mit Fluchen vermessen hab , absonderlich in Gegenwart des Herrn Pfarrers . Das hat ihn denn etwas mürber gemacht , und endlich hat er sich zureden lassen , daß er den Hammelayischen solche Gottlosigkeiten nicht beweisen könne , sondern aus Zorn und Unverstand gered ' t hab . Er hat dann dem Franzosen für die Hammelayischen Abbitte tun müssen und ist als ein schlecht bemittelter Mann , den die zwei Pfund Heller schon sauer ankommen , auf zweimal vierundzwanzig Stund in Turn gesprochen worden , heißt das , erst wenn das Quartier vom Küfer frei wird . « » So was muß man eben auch nicht auf seine Nebenmenschen bringen , wenn man ' s nicht beweisen kann « , bemerkte der Müllerknecht , » das ist doch das Allerärgste , was man einem nachsagen kann . «