Tod gegeben haben , wenn der muntere Schnapphahnski nicht plötzlich den Schluß des berühmten Tannhäuser-Liedes gesprochen und ihr erklärt hätte : » Ich will gen Rom wol in die statt gott well mein immer walten ! zu einem bapst der haist Urban ob er mich möcht behalten - - « Als nämlich der Ritter diesen Vers zitiert hatte , trocknete die Herzogin ihre Tränen aus beiden Roulettescheiben und sprang empor mit dem Schrei des Entzückens . » Ja , zum Papst ! Zum Papst Urban ! « rief sie . » Wenn er dich auch nicht behalten soll , so soll er dich wenigstens erlösen . Ja , nach Rom , zum Papst ! Ich werde dich begleiten - - « Mit beiden Armen umschlang die Herzogin ihren geliebten Ritter . Am nächsten Morgen waren sie auf dem Wege nach Italien . Meine Leser können unmöglich verlangen , daß ich ihnen die Abenteuer dieser italienischen Reise haarklein erzähle . Ich dachte damals noch nicht an den Ritter Schnapphahnski und bestach daher weder einen Kutscher noch eine Kammerfrau , um mir alle die süßen Geheimnisse mitzuteilen , die zwischen der kalten Jungfrau und dem feurigen Vesuv vorgefallen sein mögen . Genug , unser glückliches Paar reiste von der Jungfrau bis fast an den Vesuv , d.h. bis nach Rom . - Es versteht sich von selbst , daß unsere Pilger nicht wie die Pilger von ehedem zu Fuß in härenem Gewände ihre Straße zogen . Nein , sowohl Frau Venus als Ritter Tannhäuser stimmten in der Ansicht überein , daß der religiöse Fanatismus mit einer bequemen Karosse wohl zu vereinbaren sei . Indem sie nicht nur bequem , sondern höchst elegant reisten , befolgten sie sogar recht eigentlich das Prinzip des Katholizismus , denn die katholische Religion ist die Religion des Glanzes und der Pracht . Gerade das macht den Katholizismus liebenswürdig , daß er ein Auge für das Schöne , für das Sinnliche hat . Alles , was sinnlich ist , ist aber ewig , und so glaube ich auch an die Ewigkeit des Katholizismus . Man lache mich ja nicht aus ! In keinem Falle muß man mir aber mit den Griechen kommen . Man könnte mir nämlich vorwerfen , die Griechen seien auch im höchsten Grade sinnlich gewesen , und trotzdem wären ihre Götter verschwunden , und niemand denke und niemand glaube mehr an sie - - dummes Zeug ! Die Griechengötter leben bis auf den heutigen Tag . Oh , ich habe das einem meiner alten Lehrer an der Nase angesehen . Am Morgen gab er uns nämlich den nüchternen protestantischen Religionsunterricht , und dann war er ledern , zum Verzweifeln . Steif wie ein Stockdegen stand er vor uns , seine Ohren waren länger als gewöhnlich , seine Gesichtsfarbe war bleiern fahl , und die Worte haspelten sich aus seinem Munde los wie ein dünner langweiliger Zwirnsfaden von einer unbeholfenen Spule - oh , es war entsetzlich , wie man uns peinigte ! Da kam der Abend ; und derselbe Mann , der uns morgens den Katechismus einpaukte , er schlug den Homer auf und las uns einen Gesang der Odyssee vor . Anfangs holprig und poltrig . Man merkte , daß der arme Mann erst das Christentum vergessen mußte , um ganz wieder Heide zu werden . Aber allmählich ging es besser , mit jeder Strophe gewann seine Stimme an Wohlklang . Es war , als wenn der ganze Mensch von Minute zu Minute anders geworden wäre . Der Rücken hörte auf , steif zu sein , die Ohren wurden kleiner , sein Gesicht belebte sich , seine Augen funkelten ; der Schulmeister war ein Mensch geworden , ja , der arme Teufel war plötzlich ein schöner Mann , und er riß uns fort , und atemlos horchten wir , und war er zu Ende und blitzten Freudentränen in seinen Wimpern , da stürzten wir auf ihn los , und warm drückte er uns die Hände , und heiter eilten wir in die Nacht hinaus , wo die Sterne am dunkeln Himmel heraufzogen , feierlich , prächtig - ach , und wir glaubten an die alten Götter . Der Mann , der uns zu Christen machen sollte , er machte uns zu Heiden . Ich werde ihm das nie vergessen . Dankbar will ich seiner gedenken . Herrn von Schnapphahnski erwartete in Rom der beste Empfang . Frau Venus protegierte ihn herrlich , und zum Lohn für seine Sünden schmückte man seine Brust mit einem der höchsten Orden der Christenheit . XX Die Politik Von Rom kehrte unser Ritter zurück nach Berlin . Er trat jetzt bei weitem anders auf als früher , denn die Herzogin hatte ja alle Schwierigkeiten seines Daseins aus dem Wege geräumt . Herr von Schnapphahnski konnte sich nicht nur wieder auf der Straße sehen lassen , nein , er hatte auch wieder Zutritt zu den besten Kreisen , und allerhöchsten Ortes stand er von neuem sehr gut angeschrieben . Zu allen diesen Errungenschaften kam jetzt noch die Huld des Papstes und der Nimbus , die ihm die ganze italienische Reise verlieh - in der Tat , es gab nicht leicht einen Menschen , der in so kurzer Zeit mehr auf den Strumpf gekommen wäre als unser Ritter . Alles drängte sich an ihn heran , um ihn zu protegieren und um von ihm protegiert zu werden . So machte man Schnapphahnski z.B. zum Direktor eines großen industriellen Unternehmens , eine Stellung , die er dadurch geschickt zu seinem Vorteile zu benutzen wußte , daß er die ganze Anlage auf den Namen einer der höchstgestellten Personen des Landes taufen ließ und sich natürlich dadurch die besondere Gunst derselben sicherte . Vor allen andern war es aber stets die Herzogin , die unserm Ritter getreu blieb . Sie konnte nicht mehr ohne ihn leben . Ging er von seinen Gütern nach Berlin , so folgte sie ihm ; reiste sie nach Berlin , so mußte er ihr folgen . Schnapphahnski beutete diese