davon in Kenntniß gesetzt ist . Aber auch das glaube ich nicht , da alle öffentlichen Gebäude vom Volke besetzt waren . Laß uns die Zeit benutzen . Vorgestern war die Wiener Revolution , übermorgen muß die Berliner vollendet sein . - Einer unserer einflußreichsten Volksführer sitzt im Gefängniß . - Wer ist ' s ? - Ralph . Ich glaube , Felix , daß Gilbert ein Verräther ist . - Das wäre des Teufels ! Hast Du Beweise ? - Vorläufig nur Vermuthungen . Doch ich werde noch heute klar sehen . - Was macht Lydia ? - fragte der Fürst . Alice schüttelte lächelnd den Kopf . - Du bist eifersüchtig , Alice ? - Nichts weniger . Aber was soll die Frage ? Du weißt , daß ich das Mädchen wie meine Tochter liebe und nie zugeben würde - - - Beruhige Dich . Ich fragte aus reinem Interesse . Doch wenn Du es nicht wünschest , sprechen wir nicht davon . Die Equipage hielt am Hotel . Sie stiegen aus . - Jetzt lasse Dich erst herzlich umarmen , Geliebte - sagte der Fürst , als sie auf seinem Zimmer angelangt waren . Alice duldete seine Umarmung schweigend , fast seufzend . Sie dachte an den armen Ralph . Es erschien ihr wie ein Verbrechen gegen den Gefangenen , daß sie sich den Liebkosungen des Fürsten überließ , während sie jenem , wenn nicht Hülfe , so doch Trost hätte bringen müssen . - Wie ? Du willst mich schon verlassen , Alice ? - Ich habe ein nicht aufschiebbares Geschäft abzumachen . Doch heute Abend werde ich Dich zu einem politischen Spaziergange abholen . - Horch , das war ein Schuß - rief plötzlich der Fürst - noch einer . - - In der That - sagte Alice ruhig - doch das ist jetzt in Berlin nichts Ungewöhnliches mehr . Die armen Soldaten thun mir am meisten dabei leid ; seit 8 Tagen müssen sie Tag und Nacht gewärtig sein , ihre Kasernen zu verlassen und gegen das Volk zu marschiren . So häuft sich auf beiden Seiten die Erbitterung an , bis eine allgemeine Explosion stattfindet . Doch ich will eilen . Auf heute Abend also . Der Fürst war , nachdem Alice ihn verlassen , nachdenklich geworden . Ihr kalter Empfang , ihr schnelles Forteilen erregte seine Besorgniß . Auch brachte seine einmal durch die Furcht aufgeregte Phantasie damit die kurze Scene auf dem Eisenbahnperron in Verbindung , deren er sich jedoch nur noch dunkel erinnerte . Doch war er sicher , den Namen des Polizeipräsidenten dabei gehört zu haben . Was sollte dieser im Munde Alicens ? Eine unheilvolle Ahnung durchblitzte seine Seele - er sprang auf und eilte hinaus . Denn er war jetzt fest überzeugt , daß man sich seiner bemächtigen wolle . Der Fürst war im weitesten Sinne des Worts ein Phantast . Das Thatsächliche und Reale ließ ihn kalt , die Möglichkeiten mit ihrer unbeschränkten Zaubermacht erwärmten ihn ! Wie sehr ihn daher auch die Gegenwart mit ihren Bedürfnissen zur Ironie stimmen konnte , wie rücksichtslos er gegenwärtigen Personen und Gefahren gegenüber sich verhalten konnte , so sank sein Muth und seine Besonnenheit in Nichts zusammen vor einem Phantom , das er sich selbst geschaffen . Der Schein dessen Hoherpriester er war , rächte sich an ihm dadurch , daß er die Macht der Wirklichkeit gegen ihn ausübte ; eine Macht , die durch die Unbegränztheit , welche Alles , was nur möglich ist , mit den Chicanen des Unbegreiflichen umkleidet , zur Allmacht werden muß für Jeden , der sich von der Wirklichkeit losgesagt hat . Die bloße Möglichkeit , Alice könnte ihn verrathen , nahm sofort für ihn den Schein der Wirklichkeit an , und trieb ihn , den eingebildeten , aber desto schrecklicheren Gefahren zu entfliehen . Erst als er sich plötzlich , ohne zu wissen , wie er dahin gekommen , im Thiergarten befand , kehrte seine Besonnenheit zurück . In Gedanken versunken wandelte er vor sich hin , als er seinen Namen nennen hörte . Es war Gilbert . - Gut , daß ich Sie treffe - sagte der Fürst - was haben wir für Aussichten ? - Schlechte bis jetzt - antwortete jener und begann , dem Fürsten Bericht über seine Thätigkeit zu erstatten . - Wie kommts , daß Ralph im Gefängniß sitzt ? Man sagt , Sie seien Schuld daran . - Man sagt ? Wer sagt das , mein Fürst ? - - Gleichviel - ich hab ' s gehört und , wie ich glaube , aus guter Quelle . Gilbert wußte , daß der Fürst seine alten Verbindungen mit dem preußischen Gouvernement nicht aufgegeben . Er war deshalb in Zweifel , ob er die Wahrheit sagen müsse . Denn er war es allerdings gewesen , welcher der Regierung einen Wink über Ralphs Thätigkeit gegeben , um sich diesen gefährlichen Aufpasser von der Seite zu schaffen . - Ralph ist ein aufbrausender , leidenschaftlicher Mensch , der Alles verderben könnte - sagte er einleitend . - Außerdem glaubte ich zu bemerken , daß ein Einverständniß zwischen ihm und Alice existire , welches zu manchen Gedanken Veranlassung geben konnte . Gilbert wußte von der Verbindung des Fürsten mit Alicen Nichts ; es konnte ihm daher auch nicht einfallen , mit jener Andeutung auf die Eifersucht desselben spekuliren zu wollen . Es war ein glücklicher Wurf , den er von Ungefähr that und er gelang über Erwarten . Als er des Fürsten Bewegung bei diesen Worten sah , erzählte er ihm zum Beweise , wie Alice durch Ralphs Schwester die frühere Verbindung mit diesem wieder angeknüpft hatte , schilderte den Zorn Alicens über seine Gefangenschaft und den Versuch derselben , ihn im Gefängniß zu besuchen . Das Letztere hatte er kürzlich durch Lucie erfahren . - In diesem Augenblicke , schloß er seine Rede , befindet sie sich noch bei ihm . Hatte ich also nicht Ursache , aufmerksam zu sein