eben im Begriff war , ihr das Nachtkleid überzuwerfen , und legte sie unter ihre linke jugendliche Brust . » Laß nur gut sein , Lydchen « - erwiederte Gertrud lächelnd , welche das Recht hatte , ihre junge Herrin noch als ihr Pflegekind zu behandeln . - » Laß nur gut sein . Ich kenne das , bin auch mal jung gewesen und habe gezittert und gebebt , als sie mir in der Kammer den Brautkranz aus dem Haare nahmen . Aber ' s giebt sich halt mit der Zeit . « - Sie seufzte . » Aber sag ' mir , Kindchen , warum willst Du denn noch aufbleiben , warum legst Dich nicht in ' s Bettchen ? « - » Richard kommt ja noch zu mir ; Gertrud ! « - » Kommt er noch ! « - erwiederte Gertrud , wie verwundert über diesen Grund , mit fast ironischem Tone . » Freilich , Gertrud . Er hat es mir ja versprochen « - sagte Lydia treuherzig . » Hat er wirklich ? « - fragte Gertrud wie vorhin , indem sie den Kopf schüttelte . » Nun ja . Was fällt Dir dabei auf , Gertrud ? - ist er nicht mein Mann ? « - Sie erröthete , als sie mit schamhaftem Lächeln von ihrem » Manne « sprach . Die Alte schüttelte noch immer fort . » Du bist ja heut ' ganz wunderlich , Gertrud . - Geh ' nur - Richard wird gleich kommen . « Gertrud drückte sie mit einer Mischung von Zärtlichkeit und Feierlichkeit an das Herz ; - zündete dann die in einer Glocke von rosafarbenem Glase hängende Nachtlampe an und entfernte sich langsam und leise auftretend durch den Corridor nach ihrem Schlafzimmer neben dem Zimmer der Forsträthin . Lydia hatte sich in die Ecke des kleinen mit weißseidenem Zeuge überzogenen Sopha ' s geworfen , und saß , den schönen Kopf in die Hand gestützt , in Gedanken versunken da , als ein leises Pochen an der Thüre sie emporschreckte . » Er ist ' s « - sagte sie fast athemlos zu sich , indem sie beide Hände über den ungestüm wallenden Busen legte , als fürchte sie , die Bewegung möchte ihre Brust zersprengen . Sie hatte weder die Kraft , zu rufen , noch einen Schritt zu thun . Ein zweites stärkeres Klopfen gab ihr endlich ihre Kraft zurück . » Richard « - rief sie mit bebender Stimme . Landsfeld trat herein . Er war mit einem einfarbigen grünen sammetnen Morgenrock bekleidet , welcher durch eine dicke Seidenschnur von gleicher Farbe um den Leib gehalten , bis auf die feinen Morgenstiefel herabfiel . Sein Hals war frei und nur mit einem weißen Hemdkragen umgeben , der sich leicht und glatt über den Shawlkragen des Morgenrocks legte . » Du schliefst schon , Geliebte « - sagte er lächelnd , auf sie zu tretend , indem er einen langen aber sanften Kuß auf ihre Stirn drückte . » Ach nein , Richard , ich schlief nicht . Dein Klopfen - ich weiß nicht warum - nahm mir die Kraft - die Stimme versagte mir « - Er sah ihr tief , tief in das glänzende Auge , welches sie mit offner Liebe zu ihm aufgeschlagen hatte . » Komm ' , setze Dich zu mir , « - sagte er dann hastig , indem er sie zum Sopha führte . Er umschlang sie mit der einen Hand und zupfte mit der andern an den Bändern des zierlich gestickten Nachthäubchens , welches Lydiens Haar gefangen hielt . » Ich liebe das nicht « - flüsterte er kosend - » ist nicht die Natur überall schöner als die Kunst , besonders wenn diese dazu dienen soll , die erstere zu verhüllen . « Ohne ein Wort zu erwiedern , löste Lydia die Bänder und warf das Häubchen von sich . Voll und glänzend fielen wie ein dunkelgoldiger Strom die entfesselten Locken über ihre Schultern und ihren Nacken . » Wie weich und elastisch ist Dein Haar , Lydia ! « - Er ließ es spielend durch die Finger gleiten . Weißt Du , wie schön Du bist ? Sag ' mir das , Lydia ! « » Welche Frage , Richard ! Wie schön man ist , das kann man wohl nicht wissen , sollte ich denken . Daß ich manchmal , wenn ich vor dem Spiegel gestanden , mich darauf angesehen , ob ich hübsch bin , will ich nicht läugnen - aber « - » Nun ? « - » Aber ich that es doch immer im Gedanken an Dich . Ich dachte dann : kann er Dich wohl hübsch finden ? Und dann freute ich mich ; denn Richard , ich will es Dir nur gestehen , ich antwortete dann gewöhnlich ganz leise : Ja . - Meinst Du nun , daß ich eitel bin , Richard ? « Es lag eine solche Kindlichkeit und Harmlosigkeit in dem , was Lydia sagte , daß ein Mann von so eisernem Willen und so titanischer Selbstüberwindung , wie Landsfeld , dazu gehörte , um dem einmal gefaßten Entschluß , das höchste Glück sich zu versagen , so lange treu zu bleiben , bis durch längere Beobachtung seine Ueberzeugung von der Wahrheit dieses weiblichen Herzens eine unerschütterliche Festigkeit erreicht hatte . Je mehr er gerade jetzt geneigt war , zu glauben , desto mehr fühlte er gegen sich die Verpflichtung , sich nicht eher diesem Glauben hinzugeben , als bis jede Möglichkeit von Zweifel verschwunden war . - Aber diese Entsagung wurde ihm schwerer , als er es geahnt hatte . Wäre Lydia ein Weib wie Laura gewesen , so würde er eine Art egoistischen Triumphs darin gefeiert haben , ihre Sehnsucht ungestillt zu lassen . Denn die Macht sinnlicher Reize , obwohl er selbst feurigen und leidenschaftlichen Temperaments war , konnte doch die Energie seines Geistes , seinen Stolz nicht erschüttern . Aber sie