an der Thüre wandte er sich und sah sie noch einmal mit dem Ausdruck des tiefsten Seelenschmerzes an und ging stumm , ohne wieder aufzublicken , von ihr . Am nächsten Morgen aber ging er zum Vrenely und bat sie um ihre Hand . Er sagte ihr , daß sie ihm das theuerste Mädchen auf Erden sei , daß er die Hoffnung habe , sie glücklich zu machen ; sie möge ihm nun das Dasein wieder lieb werden lassen , das er ja nur ihr verdanke . Das gute Kind war tief bewegt , sie wehrte es nicht , daß Otto sie an seine Brust zog , und legte sanft ihr Köpfchen an sein Herz . Dann aber hob sie das Rosengesichtchen zu ihm auf und sagte , es sei nun allzuspät ihm zu bergen , wie sehr sie ihn liebe ; als er aber sie noch näher zu sich hinziehen wollte , wand sie sich still aus seiner Umarmung und sprach ohne Schüchternheit mit der zartesten Hingebung und doch ganz fest es aus , daß sie ihn genug liebe , um nicht sein schönes , der Wissenschaft geweihtes Leben verderben zu wollen . Wenn er sie heirathe , müsse er seine großen Reisen aufgeben , und das würde ihn gewiß unsäglich unglücklich machen - darum möge er von ihr ziehen , frank und frei , durch kein Versprechen an sie gebunden , und ihrer zuweilen gedenken . Sie aber wolle daheim den alten Vater pflegen und seiner auch nicht vergessen . Und käme er einst nach Jahren wieder und habe dann sein Sinn sich nicht von ihr gewandt , dann , ja dann werde sie unaussprechlich glücklich sein , ihm anzugehören . Nein ! sagte Otto ernst und bestimmt , indem er ihre Hand inniger drückte , dein schönes Herz irrt . Der Mensch hat nur den Augenblick , nur dessen ist er gewiß . Er ist der feste Strand , auf dem er sicher fußt , die Zukunft ist ein wild bewegtes Meer , man muß nicht unnütz sich ihm vertrauen . Und die Trennung , ach , armes Kind ! du kennst sie nicht , das ist die Brandung , an der das Schiff zerschellt . Nein , nein , jetzt laß mich in Basel dir und mir die neue Heimat gründen , den sichern Hafen bauen . Laß mich sogleich mit deinem Vater sprechen . Ich reise diese Nacht ab , aber ich hole dich - er wollte sagen , wenn Anna fort ist , sagte aber - wenn die nächsten Rosen blühen . Und , setzte er immer freundlicher hinzu , denn ihr Glück leuchtendes Gesicht erhellte auch sein Inneres , bist du erst eines Naturforschers Frau , ei nun , so mußt du eben mit forschen lernen . Warum kannst du denn nicht mit nach Schweden ? Wer weiß , ich könnte wieder in ein Schneeloch fallen - Vrenely hätte nicht so ganz Wahrheit und Natur sein müssen , um es zu vermögen , dem Drängen des so heiß Geliebten , der ja längst ihr ganzes Wesen beherrschte , zu widerstehen . Beide gingen zum alten Vater hinüber , dessen rührende Freude Otto ' n an den seinen erinnerte und sehr bewegte . Seinem Selbst zum Trotz fühlte er sich glücklich , und blieb es - bis er Annens Haus wieder betrat und sie sah . Er war aber den Einwohnern desselben nicht bestimmt , auf dem jeden von ihnen anders , aber doch so gewaltig ergreifenden Eindruck dieser Stunde zu weilen , noch war das Vorgefallene , obschon Allen bewußt , nicht zur Sprache unter ihnen gekommen , als sich die Thür öffnete und Herr Gotthard todtenbleich und mit zerstörten Zügen ins Zimmer trat . Er hatte soeben die Nachricht vom Verscheiden des Ministers H * * * * erhalten , der unerwartet auf dem Rückwege von Verona gestorben war . Der Brief , den seine zitternden Finger krampfhaft umschlossen , war im Augenblicke abgesandt , in welchem ein Courier die Trauerpost nach Berlin gebracht . Großer Gott ! schrie Anna , aufspringend und mit gerungenen Händen vor Gotthard hintretend , und alle Ihre Hoffnungen , alle Ihre Arbeiten - - Für den Augenblick vernichtet , gnädige Gräfin ! erwiderte er dumpf ; aber - Der Fürst ist todt ? riefen Leontine und Otto zugleich . Aber Kronbergs Gesandtenstelle , seine Reise nach Petersburg ? Das bricht ja alle seine Pläne , sagte Otto - und ward plötzlich noch bleicher , als vorhin Gotthard . Anna kam zur Besinnung , der kalte Schweiß trat ihr auf die Stirn . Sie hatte weder an Petersburg , noch an den Gesandtenposten gedacht . Es ist nicht zu redressiren , sagte Leontine vor sich hin ; sie hat ihn total vergessen . Otto war aufgestanden , die Stirnadern drohten ihm zu springen ; er trat ans Fenster , den innern wilden Aufruhr seines Wesens zu verbergen . Ein Brief vom Herrn Grafen , flüsterte Sophie Annen zu , ich habe ihn draußen Duguet abgenommen . Gott sei Dank ! nun werden die Frau Gräfin doch gleich erfahren , wo wir den Winter zubringen . Er enthielt die nämliche Nachricht . Gotthard hatte sich gefaßt ; er berichtete noch einige mit dem Todesfall in Verbindung stehende Nebenumstände und verließ dann den Salon . - Otto war wie vernichtet . Und Vrenely ? ach , die saß daheim überselig an ihrem Nähtischchen und nähte dem Verlobten , dem Geliebten ein längst heimlich gesticktes Halstuch fertig . Vor ihr saßen der alte Vater und die fast eben so alte Professorin , bei welcher sie ihren , ja , ihren Otto kennen gelernt , und alle drei erzählten einander zum hundertsten Mal jeden kleinen Umstand der glücklich-unglücklichen Zeit dieser Bekanntschaft und malten sich die Zukunft mit den glänzendsten Farben der Hoffnung und Erinnerung aus . Zuweilen sank dem Mädchen die Arbeit in den Schoos , die Thränen schossen ihr in ' s Auge ; sie mußte die kleinen Hände über