Eigenheiten , es ist ja auch nichts Tiefes , es ist nur ein leises Berühren mit der Natur . Und was mögen wohl andere für Gesichte und innerliche Seltsamkeiten haben ! - Da fallt mir die de Gachet ein , sie war am Rhein , wo sie sich ein kleines Gut gekauft hat , manchmal möchte ich bei ihr sein , und ich glaube auch und fühle , daß sie vortrefflich ist wie Du und Deine Freunde , aber oft zweifle ich noch an ihr , wenn ich höre , wie sie bei jeder Gelegenheit von dem spricht - was ihr heilig sei , sagt sie ; und ich hab darüber eine Unterhaltung mit ihr gehabt , sie wohnt auf vierzehn Tage in Oberath , wo sie jetzt unwohl ist , aber sie wird bald wieder an den Rhein gehen , sie frug mich , ob ich nicht mit Dir auch bloß von dem spreche , was mir heilig sei ? - Ich lachte sie aus . - Das machte sie böse , sie suchte mich zu überführen , daß ich ganz kindisch sei und noch nichts vom Leben begriffen habe , denn ich habe noch nicht vom Baum der Erkenntnis gegessen . - Ich sagte , der trage Äpfel und ich mache mir nichts aus Äpfeln ; wenn ich nun noch dazu gewarnt sei , daß die Äpfel von diesem Baum eine so wunderliche , unangenehme Erkenntnis des Bösen einem beibringen , das dann überall einem in den Weg trete , um einem das Vergnügen am Leben zu verderben , so wolle ich lieber nie Äpfel essen und lauter Kartoffeln , die nicht schädlich sind . - Sie sah mich so gemischt an - sie sagte lieber gar nichts mehr . - Ich guckte zum Fenster hinaus nach den kleinen Pflänzchen , die eben begossen wurden , und nach dem Feld , wo der Landmann den Acker furchte , sie wohnt bei diesem Mann , um das Pflügen zu lernen , denn sie will im Rheingau ihr Feld selbst bestellen , und sie ging hinaus , um eine Lektion von Hot und Haar zu nehmen , den Pflug ordentlich wenden zu lernen , sie begleitete mich noch , nachdem der Pflug ausgespannt war , durch die Hecken hinter der Gerbermühle weg ; sie fragte , ob das nicht was Heiliges sei , die Erde zu bestellen . - Das kann wohl sein , aber daß man gegenseitig sich ergieße über seine Heiligkeit , daß kommt mir fremd vor . - » Ja « , sagte sie , » fremd kommt einem das Heilige vor , aber das Unheilige befremdet nicht , das wie ein unheimlicher Strom aller Unterhaltung das ganze Leben mit sich reißt und überall seinen Schlamm zurückläßt . Wer kann noch darauf rechnen , daß der Boden des Geistes wieder gereinigt werde von bösen Dünsten ? Die Welt , die so schön könnte sein , wird untergehen , weil das Heilige vertauscht wird mit dem Scheinheiligen . Es wird eine große Verwirrung werden im Geist der Menschen , und die das Große zu tun berufen sind , die werden das Kleine tun , so geht es mit der Revolution ; der Strom des Unheiligen darin ist zu stark , und die ihm widerstehen , die werden darin untergehen . Das Große zu bewirken kann man immer nur die heiligsten Mittel ergreifen , wo aber zum edelsten Zweck ein unheilig Mittel dient , da ist er verloren und erzeugt nur Übel « , sagte sie . Sie war so schön vom Feuer ihrer Rede und von der Morgenluft . Du hättest sie lieben müssen , ich auch liebte sie , und sie sprach weiter : » Wer das Große tut aus reinem Genie , nämlich ohne sündhafte Vermittlung der eignen Schwäche , die ja doch das Große nicht zu fassen vermag , der kann nicht untergehen . Umstände , Zufälle , Geschicke reichen diesem aus . - Seine Größe muß alles decken , erzeugen , zaubern . War unser König wirklicher König , der nur seine Kraft sammelte durch das Genie , das immer heilig ist . - Wer konnte ihm widerstehen ! Nicht die Nation ! - Geist ist alles , er ist die Macht des Heiligen - er fühlt sich , und dies Gefühl eben macht ihn zum Herrscher . Die Zuflucht aber zu fremden Mitteln ist unheilig , und sei der Zweck auch noch so edel und groß , er wird nie verehrt , er wird unter den eignen Trümmern begraben . - Und die Welt sieht das alles mit Staunen an und gewöhnt sich zuletzt an die umgestürzten Trümmer , und baut ihr herabgewürdigtes Leben darauf fort . « - Wie die Frau das alles sagte , so fühlte ich mich so sehr beklommen vor ihr , und wie ich sah , daß sie keine Tränen wollte fließen lassen , ging ich zurück hinter einen Baum und sah mich nicht mehr um nach ihr ; sie stand bald auf von dem Stein , wo sie gesessen hatte , sie sagte noch zum Abschied , ich solle immer bedenken , daß jeder Mensch das Recht habe , der größte zu werden , und daß darin die ganze Erziehung der Seele begründet sei , - und daß dazu nicht die äußere Größe und Anerkenntnis gehören , aber die Geschicke , die seien der Tempel aller Größe und ihr eignes Geschick beweise es , daß sie diesen Gedanken immer vor Augen gehabt , sie wolle groß werden in ihrem Schicksal . » Cette pensée est mon pilote « , sagte sie , » et il me menera par tous les mondes et cieux ! « - Ich vergaß Abschied zu nehmen , ich sprang zwischen den Hecken fort . Wie ich mich nach ihr umsah , stand sie noch da , ich winkte ihr mit dem Sacktuch , sie nickte mir und ging weg , und jetzt legte ich mich an die Erde und ließ mein Herz