sie merken es nicht . Tritt nun etwas Besonders in ihr Leben , fordert Gott ein Opfer von ihnen , streckt er seine Hand nach ihrem Gelde aus , rüttelt er an ihren Gewohnheiten , machen sie Verluste oder tun ihre Ausübungen , welche gegen kein Gebot stoßen , Andern weh , verbittern sie ihnen das Leben , dann , dann zeigt es sich , was ihnen fehlt und an was sie ihr Leben gesetzet und wie ihr Leben ihr Meister geworden und nicht sie ihres Lebens Meister , denn der Geist ists , der ihnen fehlt . Ob der Angst ums Geld vergessen sie Gott , haben weder Vertrauen auf ihn noch ein Ergeben in seinen Willen ; sie werden betrübet , gehen hinweg vom Heile , dem reichen Jüngling gleich , werden erbittert im Gemüte über die Menschen , vermögen ihrer Gewohnheit keinen Zwang anzutun ; Friede und Eintracht werden gebrochen , weil sie nur gebaut gewesen auf die äußeren Verhältnisse , auf des Lebens gewohnten Gang und nicht auf den lebendigen Geist , der zu jeder Stunde zu jedem Opfer bereit ist , bereit ist , das Auge auszureißen , die Hand abzuhauen , von denen Ärgernis kommen . « Sie sollten doch nur nachdenken , wie oft ihr Friede auf diese Weise gestört würde , wie oft ihr eigenes Gemüt Zeugnis rede , daß Gott ihnen nicht über alles sei , wie sie zu schwach seien für das kleinste Opfer , der geringsten Anforderung erliegen und betrübet werden . Ja , sie sollten nachdenken , wie viele Menschen und Haushaltungen auf diese Weise äußerlich und innerlich zugrunde gegangen seien , eben weil sie nie erkannt , was ihnen fehle . Heute sei der Pfingsttag , und solange er wiederkehre , sei gültig die Verheißung , daß Gott seinen Geist geben wolle denen , die darum bitten . So sollten sie erkennen , daß dieser Geist die höchste Gabe sei , welche Gott uns Menschen werden lasse , sollten an sein Gewinnen das Leben setzen . » Dies ist der Geist , der in Christo die Welt überwunden hat , in jedem sie überwindet , der in Christo ist ; er ist köstlicher als Silber und Gold ; die Welt nimmt ihn nicht , der Tod raubt ihn nicht , er bewahrte das Glück in jedem Verhältnis , den Frieden in jedem Hause , das Genügen in jedem Herzen ; es ist der , der uns den Vorgeschmack der Seligkeit gibt und der Schlüssel zum Himmelreich ist . « » Dieser Geist wars , der dem reichen Jüngling fehlte , der noch so Vielen fehlt , und ohne diesen ists dem Menschen schwerer , ins Himmelreich zu kommen , als es einem Kamel wird , durch ein Nadelöhr zu gehen , und schwer besonders ists dem Reichen , weil er sein Genügen in seinen Besitztum setzet und es vergißt , daß weit über dem Gelde etwas anderes ist , in dem einzig das Genügen wohnet , das fest bleibet im Leben und im Sterben , in gesunden und kranken Tagen , in jeglichem Wechsel dieser Welt ; und wenn ihm dann sein Geld Jammer bringt oder kein Genügen mehr gibt , dann geht es ihm wie dem Menschen , der ins Wasser fällt und nicht schwimmen kann , in zappelnder Angst beschleunigt er seinen Untergang . Die Besonnenheit hat er nicht , die Hand zu sehen , die rettend sich ihm bietet ; er fasset sie nicht , er stößt sie von sich , er gehet unter . « So redete der Pfarrer im Allgemeinen , führte aber das Allgemeine im Besondern näher durch und belegte alles mit dem Leben . Da ward den Gliedern der Familie der Text lebendig ; der Stein ward zum Diamant , der die hellsten Strahlen durch ihre Seele warf , alle Falten erleuchtete . Es war ihnen , als sehe der Pfarrer in ihrem Herzen eine eigene Schrift und lese ihnen die ab , und diese Schrift erzähle alles , was sie erlebt und wie es in ihren Seelen gewesen , wie ein Irrtum sie an den Rand des Abgrundes geführt , und lese nun auch ab , was in solchem Zustande helfen könne und was ihnen wirklich geholfen . Wunderbar wurden sie gerührt und erhoben , als sie im Wechsel ihrer Seelen , in den Regungen , die sie füllten , das Wehen des Geistes erkannten , der ihnen so lange gefehlt , als sie deutlich dessen sich bewußt wurden , daß Pfingsten geworden sei in ihrem Herzen , daß sie ein Gut erlangt , welches über alle Güter ist , dessen Mangel die ganze Welt nicht ersetzt , daß der Herr sie in die Finsternis geführet , damit in der Angst der Nacht ihre Seelen den Morgen suchten , ihre Augen nach dem Aufgang sich richteten , bis die Sonne kam . In Staunen , in frommer Bewegung versunken horten sie , wie von der Kanzel herab abgelesen ward vor der ganzen Gemeinde ihrer Herzen Geschichte und Zustände ; es war , als stünde dort oben ein wunderbarer Zauberspiegel , in welchem zu sehen wäre das Innere der Herzen , welches sonst den Augen der Menschen verborgen ist . Und daß der Pfarrer so deutlich auf sie rede , ihr Geheimstes vor der ganzen Gemeinde erzähle und erläutere , sie zum Gegenstand der allgemeinen Betrachtung mache , das zürnten sie nicht ; es war ihnen , als müsse es so sein , als seien gerade solche Erlebnisse Gemeingut und sollten nicht unter den Scheffel gestellt werden , sondern auf einen Leuchter , damit die Herzen der Nächsten auch gewonnen würden . Es kam manchmal sie an , daß sie fast des Wortes sich nicht enthalten konnten zur Bestätigung oder Erläuterung dessen , was der Pfarrer sagte . Wenn er ihre Namen genannt hätte , sie hätten es nicht gezürnt , denn , meinten sie , müsse doch jedes Kind , welches in der Kirche sei , wissen , wen