allen Seiten Menschen zusandte , mit denen sie sich gut unterhielt . Mario war da , täglich , ja , wenn sie es gewünscht hätte , stündlich ; Mario , der sie so gut verstand , auf Ernst und Munterkeit einging , stets das zu sagen wußte , was , wenn es ihr auch nicht gefiel , doch sie zum Widersprechen anregte , woraus hervorgeht , daß es keine flache Aeußerungen waren ; Mario , um den allmälig eine hohe Leidenschaft starke Wellen schlug , die sein Herz umdrängten und ihn zu dem schönen » Stern der Meere « hintrugen , welcher alle Wogen zu einem Element des unermeßlichsten Glanzes verwandelte ; Mario , an den sie so oft , so gern , mehr als sie wollte , dachte - nicht um ihn zu lieben , aber um sich an diesem Dasein voll seltner Kraft und seltner Gaben zu freuen und zu erquicken - so wähnte sie . Dann war auch Clemens da ; doch weder erfreulich noch erquickend für sie - wie sie es früher wol gewähnt . Die letzten Tage in Oberwalldorf hatten ihr die Ueberzeugung aufgedrängt , daß er eine lebhafte Neigung für sie hege ; aber sie glaubte sich auf eine Weise gegen ihn benommen zu haben , die auf immer jede Hoffnung in ihm tödten und ihm das Unstatthafte seiner Empfindung dargethan haben mußte . Als er in Dresden erschien , hielt sie ihn für erwacht aus seinem Traum , denn es war ihr unmöglich , an eine dauernde Liebe ohne Erwiderung zu glauben , und sie hoffte ihm vielleicht von einigem Nutzen bei seinem Eintritt in die Gesellschaft zu sein , und seine frische , unverdorbene Seele vor bösen Einflüssen zu bewahren . Doch das gestaltete sich sehr bald ganz anders . Clemens hatte keineswegs ein Gefühl aus seiner Brust verbannt , das ihn einst berührte , wie der Sonnenstrahl die eingewickelte Raupe . Faustine war ihm nun einmal zur Hieroglyphe für Schönheit und Glück geworden : bei ihr verstand er jene , durch sie verstand er dieses . Aber das Wesen , das uns in den zwiefachen Himmel der Schönheit und des Glücks erhebt - lieben wir es nicht ? ist Liebe etwas Andres , als Offenbarung unendlicher Schönheit und unendlichen Glücks ? - So dachte Clemens in den langen öden Tagen , die auf Faustinens Abreise von Oberwalldorf folgten , und daß sie ihn nicht liebe , dachte er auch wol zuweilen , aber nie ohne den demüthigen Zusatz : wie hätte ich auch das verdient ? ist ' s nicht meine Seligkeit , ihr mein Herz zu geben ? das ihre will ich ja gar nicht . Wird nicht der Bettler von der Fürstenkrone erdrückt ? aber nehmen soll sie mein Herz ; nehmen muß sie es - wenn sie es in den Staub träte .... nein , das kann sie nicht ! sie muß den Werth eines Herzens erkannt haben , so wie die Gottheit ihn erkennt . Mit diesen Gedanken kam er aus dem Einerlei seines beschränkten thätigen Lebens nach Dresden . Hier sah er Faustine in ganz andern Verhältnissen als zu Oberwalldorf . Sie war umringt , bewundert , gefeiert , Männer und Frauen wünschten sehnlichst ihren Umgang , ihre Bekanntschaft ; wer ihr nahte , huldigte ihr , und was mehr ist - huldigte ihr gern . Ihm kam es vor , als ob alle Männer sie liebten , das Herz vor ihr niederlegten ; als sei das seinige dadurch im Werth nicht , aber im Preise gesunken . Wodurch sollte er denn ihre Augen , die verwöhnten , auf sich ziehen ? Er verlief sich unter der Menge . Er wurde eifersüchtig , wie ein Kind , ohne Gegenstand , ohne Grund . Dies Aufpassen , dies Haschen , dies Lauern machte ihn unzufrieden mit sich selbst , und deshalb wurde er verdrießlich und Faustine zur Last , die gar nicht wußte , was mit diesem Menschen anfangen , als - ihn wegzuschicken , und dazu hatte sie kein Recht . Bisweilen , wenn er allein mit ihr war , rührte seine Andacht sie , und sie war freundlich und herzlich nach ihrer Weise ; wie sie selbst sie bezeichnete : » Ich bin freundlich gegen alle Menschen - die mir gefallen , « - aber sobald sie freundlich war , gerieth Clemens in Entzücken , und sie mußte spotten und lachen , um dadurch seine Freudenflammen ein wenig zu dämpfen . Kamen nun gar andre Menschen hinzu , gegen welche sie gleichmäßig freundlich war , weil sie ihr keine Veranlassung gaben , ihr Benehmen zu ändern ; kam vollens der gehaßte Mario , von dem Clemens sehr schnell erkannte , daß er für Faustine in einer andern Reihe , als ihre gewöhnlichen guten Freunde stehe , nämlich in gar keiner und ganz abgeschieden - so tobten Wogen von Groll und Bitterkeit durch seinen sonst so sanften Sinn , und sein Mangel an Erziehung veranlaßte ihn zu einem Benehmen , welches ihn bald lächerlich , bald unerträglich machte . Faustine hatte gehofft , die Furcht , lächerlich zu erscheinen , würde ihn , der nicht ohne Schüchternheit war , in seinen Grenzen halten , aber die Leidenschaft übersprang und überwog jede Rücksicht . Jetzt war Faustine ganz gleichmäßig ernst gegen ihn und er kam seltner . Sie fragte ihn einmal , wo und mit wem er seine Zeit hinbringe , und er antwortete : » Mit jungen Künstlern ! ich will auch Maler werden . « Sie lachte , aber sie freute sich , daß er doch irgend eine Beschäftigung habe , da das nichtsthuerische Leben ihm , dem Arbeitgewohnten , leicht gefährlich werden konnte . Cunigunde kam . Faustine empfing sie mit der ganzen Holdseligkeit , die sie bezaubernd machte , und die immer , wenn ihr Herz berührt wurde , wie eine Glorie sie umfloß . Sie waren lieblich anzusehen , die beiden schönen Gestalten ! Cunigunde glich der Nacht mit ihrem dunkeln Haar