That einige Sicherheit , um den wechselnden Stimmungen meiner armen Freundin zu begegnen . Sie ist durchaus unfähig , ein Bild aus der Ferne festzuhalten . Ihre Empfindungen sind viel zu beweglich , um die Phantasie irgend etwas vollenden zu lassen . Sie erträgt die Anschauung des Unglücks nicht , und mißtrauet dem Geschick zu sehr , um tröstlichen Verheißungen geduldigen Glauben zu schenken . Deshalb treibe ich unabläßig zur Rückkehr in die Heimath . Es hält uns auch in der That nur die vorgerückte Jahrszeit , welche der Gesundheit meiner Gefährtin nachtheilig werden könnte , vor der Hand hier fest . Wir leben gleichwohl mit unsern Gedanken und Gefühlen mehr im Vaterlande , als an den blühenden Ufern des Arno . Denn wo die Seele ihren Frieden nicht findet , wird der Anblick des Schönen nur eine trübe Mahnung an den Druck , der uns so beugt , daß wir unempfindlich gegen die vielen Gaben der Natur und Kunst bleiben . Sie begreifen mich vielleicht nicht in dieser Verstimmung , die Ihnen fremd an mir sein muß . Ich selbst , liebe Elise , würde mir unverständlich werden , schöbe ich nicht etwas von so viel Muthlosigkeit auf Rechnung der stets leidenschaftlich wogenden Unterhaltung mit einer Frau , die mir Mitleid wie peinliche Besorgniß einflößt . Und dann - es liegt etwas Tragisches in dem Gedanken , daß kein Opfer , das einmal zertrümmerte Glück eines Hauses wieder herstellen kann . Meine schöne , junge Freundin , wenn Sie mich von dieser immer wachsenden Ueberzeugung mehr ergriffen sehen , als es sich mit meinen isolirten Verhältnissen im Leben verträgt , so suchen Sie den Grund davon in der Theilnahme für Andere . Diese warme Theilnahme , die auch Ihr Geschick liebend umfaßt , läßt es nicht zu , daß ich ruhig bleibe , wenn ich für die Ruhe allzu sicherer Freunde zittere . Uebersehen Sie das nicht , Beste , und verzeihen Sie mir , wenn ich zu weit gehe ! Hugo an Heinrich Wenn Du Dir , wie ich nicht zweifle , die alte Gewohnheit bewahrt hast , lieber Heinrich , mich auf gute Manier auszulachen , so biete ich Dir heute die willkommenste Veranlassung dazu . Nichts Lächerlicheres als ein abgeblitzter Spaß , und keine ärgere Zielscheibe des Witzes , als der unglückliche Urheber desselben ! Siehst Du , ich wollte den Leuten zeigen , was gesellige Unterhaltung sei , welchen Schwung eine Posse nehmen , wie der Geist sich mitten im Wechsel der Belustigung erheben könne . Ich wußte mir etwas mit diesem Plane , ich that groß damit vor mir und wichtig vor Andern . Nun , und das Ende war , die ganze Sache fiel platt zu Boden . Kein Mensch wußte , was ich wollte , Niemanden hat es unterhalten , geschweige denn ergötzt , der Abend ging auf die miserabelste Weise hin , und das Schlimmste ist , Spott und Tadel folgten mir . Das ist des Menschen Klugheit . Um Dir den Vorgang zu erklären , müßte ich weit ausholen , Dich an eine Gräfin Ulmenstein erinnern , deren Nachbarschaft uns von Zeit zu Zeit in ihre bewegliche Lebensweise hineinzieht . Vielleicht besinnst Du Dich auf sie . In einem meiner Briefe glaube ich von ihr gesprochen zu haben ; anfänglich war mir das Treiben in ihrem Hause , wie sie selbst , neu , es überraschte mich Manches , ich bildete mir ein , neue Fäden des innern Lebenszusammenhanges zu entdecken . Nachher war es damit , wie mit dem Meisten , nichts . Das flache Wesen fing mich an unglaublich zu langweilen . Indeß hatte sie mich einmal mit vieler Emphase als ein ausgezeichnetes Genie gepriesen , mich ihrem Kreise so empfohlen . Sie und ich , wir mußten Wort halten . Deshalb war nicht von ihr loszukommen . Die Töchter , so vergnügungssüchtig wie die Mutter , ziehen einen Schwarm nüchterner Gecken hinter sich her . Unter gewissen Menschen muß immer etwas vorgenommen werden , um die Langweile zu bannen . Gesellschafts-Theater bilden sich überall , wo man am bequemsten durch Andere sprechen und antworten kann . Eine Weile unterhält das , was aber gemeinhin für die Darstellung ungeübter Dilettanten gewählt wird , gleicht deren alltäglichem Treiben auf ein Haar . Es ist immer heute und gestern , macht denselben Effekt , läßt denselben Eindruck zurück . Man ist damit fertig , sobald die Schminke abgewischt , das umgestaltende Costüm weggeworfen , und das Theater einem andern Schauplatze , im Ball- oder Speisesaal gewichen ist . Ich hatte das bald weg . Mehrere waren eben so klug ; das Ding fing an , matt zu werden . Jetzt stachelte mich die Eitelkeit . Mein Plan war gemacht . Eine neue kleine Welt stand mir zu Gebot . Die Fee , welche mir ihren Beistand lieh , rief Kobolde und Geister von fern und nahe herbei . Ein wandernder Schauspielertrupp , vertheilten wir uns , auf abentheuerliche , ausstaffirte Karren und Wagen , versteckten uns hinter Larven und tollen Putz , und nahmen so den Weg nach Ulmenstein . Bis dahin ging alles gut . Wir lebten in der Posse , Witz , Humor , die schellenkappige Thorheit mit ihrem buntscheckigen Mantel , waren unsere Reisegefährten . Plötzlich erhebt sich , wie aus heiterm Himmel , aus einer einzigen Wolke , der heftigste Sturm , den ich je hörte . Regenströme stürzten nieder , wir konnten uns kaum bergen ; die bunten Decken , daß übergespannte Linnen , Mäntel , Hüte und Schleier , nichts widerstand der Wuth der Elemente . So übel zugerichtet , steuerten wir mit abgetakeltem Fahrzeuge mühsam in den Schloßhof der Gräfin . Hier hatte man vor dem Unwetter Thüre und Thore geschlossen . Keine Seele ließ sich an den Fenstern sehen . Wir lenkten unter den Schutz einiger schirmenden Bäume . Unser Häufchen drängte sich dicht zusammen . Lange konnte die Prüfung nicht dauern , der blaue Himmel schimmerte bereits zwischen dem zerrissenen Wolkenberg