die menschenfreundliche Begegnung ihm so wohl gefiel , daß er dort seinen Aufenthalt nahm . Er fand bald Arbeit , erwarb sich nach und nach ein kleines Eigentum , heiratete eine freie Schwarze und ist jetzt Vater von fünf Kindern , drei Söhne und zwei Töchter , welche alle verheiratet sind , bis auf die jüngste Tochter , welche mich , sowie einer ihrer Brüder , ebenfalls begleiten wird . Seine Hütte und sein kleines Feld grenzen nahe an Ellisons Landhaus , deshalb kennt ihn William seit seiner frühesten Jugend und wird von dem Alten , fast mehr als seine eigenen Kinder , geliebt . Überhaupt ist Anhänglichkeit und unerschütterliche Treue ein vorzüglicher Charakterzug dieser guten , bis jetzt so unterdrückten Menschengattung . Wer nur irgend Wohlwollen und Aufmerksamkeit gegen sie blicken läßt , kann ihrer innigen Liebe versichert sein . Ich habe oft auf unsern Morgenstreifereien die kleinen schwarzen Buben geherzt und mit dem Alten freundlich geredet , aber dafür könnte ich auch mit ihm bis zu den Huronen reisen , er würde jede Gefahr von mir abwenden und mich nur mit seinem letzten Lebenshauche verlassen . Zittre daher nicht , liebe Adele , vor den Schrecknissen , welche diese Reise für mich haben könnte . Das Land ist so wüst nicht mehr , als du es vielleicht noch aus früheren Reisebeschreibungen kennst . Es gehen regelmäßig Landkutschen von hier auf Baltimore und Washington , Landstraßen und Wirtshäuser sind nach allen Richtungen angelegt , und wo diese in der Gegend der Seen aufhören , da geht für mich der romantische Teil der Reise erst recht an . Ein leichtes Fuhrwerk ist bald gekauft , ja selbst für eine Fußreise habe ich hinreichende Kraft und Lust . Wenn Du diesen Brief erhältst , welchen William heilig gelobt hat nach zwei Monaten in Deine Hände zu liefern , dann kannst Du denken , daß ich an dem großen Wasserfalle sitze , wohin mein Herz mich mit einer unwiderstehlichen Sehnsucht zieht , wie den Wilden , welcher dorthin geht , um den Großen Geist anzubeten . Vor der Abschiedsstunde graut mir recht von Herzen . Soll ich den armen William ohne Hoffnung ziehen lassen ? und kann ich ihm Hoffnung geben ? Soeben war er hier und meldete mir , daß sein Schiff segelfertig liege und der Wind sich günstig zu wenden scheine . Meine Augen wurden feucht , der Gedanke , den Freund , den Beschützer meines Lebens zu verlieren , drang schmerzlich auf mich ein . Er trocknete schnell meine Tränen mit seinem Tuche ab und drückte dies an seine Lippen . » Du sollst mich begleiten und mich stärken « , rief er , » wenn die Niedergeschlagenheit zu mächtig werden will ! « - » Guter William « , sagte ich , und meine Tränen flossen stärker , » ich wünschte , ich könnte Ihnen mehr geben . « - » Sie wünschen es und können nicht ? « sagte er erblassend . » Jetzt noch nicht . « - » Wann aber ? « - » Wenn wir beide unsre Reise beendigt haben . « - » Was kann da verändert sein ? « - » Viel , o viel , lieber William ! Das Leben steht ja nie still , und in vier , fünf Monden verändert sich die Erde so sehr . « - » Auch das Herz ? auch das Herz , Virginia ? « rief er heftig . » O welche Aussicht eröffnen Sie mir ! « - » Sie kennen die seltsame Lage meines Herzens « , sagte ich , » ich habe Ihnen niemals meine Gefühle verhehlt , und auch jetzt mag ich Ihnen einen fast mir selbst lächerlichen Gedanken nicht bergen . Es scheint mir nämlich , als könne nur am Fall des Niagara der Zwiespalt sich lösen , welcher in meiner Seele sich erhoben hat , seit ich unter Ihrem Schutze lebe . « - » Ach , es ist nur der Wunsch nach weiter Entfernung von mir « , sagte er mit traurigem Kopfschütteln . » Nein , nein ! « rief ich , » ich verlasse Sie mit Schmerz , aber ein unerklärliches Etwas reißt mich fort . Am Niagara ! tönt es in meinen Träumen ; und wie andre Pilger sich gen Osten wenden , so scheint mir im Westen die Sonne der Verheißung zu glänzen . Ihr Weg geht dem Osten zu , o möchte die freundliche Morgenröte auch Ihrem Herzen Hoffnung schimmern ! « - » Ich lasse die Hoffnung hier zurück « , erwiderte er . » Ach , das Meer zieht mich nicht mehr an , wie ehemals , mit seinem ewigen Wechsel ! Wäre es nicht , um Ihnen Nachrichten zu verschaffen , ich würde schon diese Reise nicht mehr unternehmen ; es wird die letzte sein . Der stille Reiz des heimatlichen Lebens spricht mächtig zu meinem Herzen , mein Sinn strebt nicht mehr in die Weite hinaus . Was ist der Lohn des Weltumseglers ? des Welteroberers ? Ruhm , kalter Ruhm . Aber auch Glück ? Nein , das Glück wird ewig vor ihm fliehen , es wohnt nur in der stillen Hütte , wo ein treues Weib ihm lächelt und muntre Kinder um ihn spielen . « - » Wohl , wohl ! « sagte ich gerührt , » auch ich kannte den seligen Frieden der begrenzten Heimat , und mein Herz sehnt sich dahin zurück , wie nach dem Paradiese der Unschuldswelt . Aber ein feindseliges Geschick vernichtete mein Eden , und wie die Trümmer einer zerstörten Welt muß ich irren durch den Raum , bis ich meinen Pol finde und meine Bahn . « - » Sie glaubten hier die Ruhe zu finden « , sagte er mit halbem Vorwurf . » Was glaubt , was hofft nicht der Mensch ! « erwiderte ich . » Auch fand ich viel . Schon fühle ich mich im Vorhof des Heiligtums , die Balsamdüfte der Paradiesesblüten wehen