Neues . » Was hat auch der Oswald wieder ? « fragten sich die Bauern unter einander . Denn wenn alle Leute Feierabend hatten , lief er noch mit dem Schulmeister und einigen jungen Burschen in den Feldern herum . Die schleppten sich mit Ketten , steckten lange Stangen in die Erde , und Oswald sah immer über einen kleinen , langbeinigen Tisch nach den Stecken , und konnte sich nicht satt daran sehen . Und der Schulmeister Heiter that es auch gern . Und an den Stecken war doch nichts zu sehen . Das ging beinahe ein Jahr lang so . Und da die Bauern hörten , daß Oswald das Land und alle Felder vermessen und alle Wege und Stege in einen Plan bringen lasse , ward Vielen bange . Denn es ging wieder die Rede vom Krieg und sie dachten , der Oswald könne dem Feind das Land verrathen wollen . Es verhielt sich aber folgendermaßen : Oswald verstand das Feldmessen und hatte Bücher , die davon handelten . Und er hatte seinen Liebling , den Johannes Heiter , auch in dieser Kunst unterrichtet , nebst andern Bauernburschen , die Kopf dazu besaßen . Weil nun die Waldungen der Gemeinde sehr genau ausgemessen waren , kam er auf den Einfall , nach und nach in den Nebenstunden alle Güter , Wege und Stege des ganzen Gemeindsbezirks zu vermessen und daraus eine große Karte zu machen . Auf der Karte sah man sehr deutlich jedes Stück Land , jeden Steg , jeden Hag , jedes Haus . Eine Juchart war beinahe einen Zoll ins Geviert groß . Und die große Karte , wie sie fertig war , wurde im Gemeindshause aufgehängt . Da liefen nun tagtäglich Bauern hin und beschauten den Plan , und wunderten sich sehr . Denn sie fanden sich bald zurecht , und Jeder erkannte seinen Acker , seinen Garten , seine Wiese . Und was das Beste war : in jedem Stück Feld oder Acker stand die Größe desselben , genau bis auf einen halben Schuh , geschrieben . Nun erst wußte Jeder recht eigentlich , wie groß seine Aecker und Wiesen waren , und er schrieb sich die Zahlen sorgfältig ab . Das war beim Kauf und Verkauf keine Kleinigkeit ; denn bisher hatte man das Land nur nach Schritten geschätzt , und Mancher zu wenig angegeben , Mancher zu viel . Das war allerdings nun ein großer Nutzen . Der Vorsteher Oswald sagte aber zu den Leuten , wenn sie den Plan betrachteten : » Das ist noch nicht der größte Nutzen ; ich weiß noch einen bessern . « Wenn sie ihn darum fragten , antwortete er : » Habet ihr ' s bis Lichtmeß nicht errathen , so will ich es euch dann sagen . « Sie erriethen es aber nicht . Als nun Lichtmeß kam und die Gemeinde wegen verschiedener Angelegenheiten versammelt war , trat Oswald , nachdem man alles abgethan hatte , hervor und sprach : » Ihr Alle kennet sattsam den Plan von unserm Gemeindsbezirk , wie ihn der Schulmeister Johannes Heiter mit seinen Schülern genau und zierlich verfertiget hat . Ihr Männer , liebe Mitbürger , Jedermann hat dabei seine besondern Gedanken gehabt , und auch ich die meinigen . Und diese will ich euch offenbaren . « » Wenn ich die Felder übersah , die wir im Schweiße unsers Angesichts bauen , nicht ohne Segen von Gott dem Herrn , so that es mir oft weh im Herzen , daß die Arbeit uns so viel Mühe macht , und es that mir oft weh im Herzen , daß dabei Vieles nicht so gut angebaut ist , und folglich auch nicht so viel abträgt , als wohl sein sollte . Und ich warf meine Augen noch einmal auf den Plan , und siehe , da wurden auch die Augen meines Geistes eröffnet , und ich erkannte einen Hauptfehler in unserer Feldwirthschaft . « » Ihr Männer , liebe Mitbürger , es liegt nun sonnenklar am Tage , wenn ihr euch unter einander verstehet , so werden eure meisten Güter mit geringerem Aufwand von Zeit und Unkosten besser besorgt werden und abträglicher sein können , als bisher . « Da riefen viele Bauern : » Dazu wollen wir uns ohne Mühe mit einander verstehen , wenn es nicht einmal so viel kostet , als sonst ! « Oswald sprach : » Ich wünsche Glück dazu . Ich will euch sagen , was bisher viel Unkosten verursacht hat , die ihr nun sparen könnet , wenn ihr wollet . Das ist die Zeit ! - Jeder von euch hat nämlich sein Land nach und nach zusammengeerbt oder zusammengekauft , wie es kam . Da hat er ein Stück am Berg liegen , ein anderes hinterm Wald , ein anderes wieder jenseits der Brücke , ein anderes neben der Landstraße , wieder ein anderes am Bach , und noch ein anderes beim Steinbruch . Da muß er nun Viertelstunden weit unnütz umherlaufen von einem Stück zum andern , eben so die Knechte und Mägde , eben so die Fuhre mit dem Dünger . Da wird ein Theil des Tages bloß mit Gängen und Läufen verloren , wo man hätte arbeiten können . Da werden Magd und Knecht für Hin- und Hergehen bezahlt , was doch nichts einträgt . Es wird daher um so viel weniger im Tage gearbeitet , und das Land um so weniger mit größtem Fleiß bearbeitet , weil es an der nöthigen Zeit gebricht . Mancher scheut sich , noch etwas Land zu kaufen , weil er das seinige kaum recht in Ordnung besorgen kann ; und doch hat er nicht viel . Aber das Umherziehen von einem Stück zum andern nimmt die Zeit weg . Lägen alle seine Felder beisammen und wäre ein Ganzes , er könnte mit eben so vielen Leuten in eben so vieler Zeit noch einmal so viel Land besorgen , als er jetzt hat , und um so viel reicher sein .