zu ihr hinsprang und sie küßte . Sie setzte sich neben sie hin und half sie von allen Seiten schmücken , setzte ihr bald einen Hut , bald Blumen auf , und riß ebensooft alles wieder herunter , wie ein verliebter Knabe , der nicht weiß , wie er sich sein Liebchen würdig genug aufputzen soll . » Ich weiß gar nicht , was wir uns putzen « , sagte das schöne Weib endlich und lehnte den schwarzgelockten Kopf schwermütig auf den blendendweißen Arm , » was wir uns kümmern und noch Herzweh haben nach den Männern : solches schmutziges , abgearbeitetes , unverschämtes Volk , steifleinene Helden , die sich spreizen und in allem Ernste glauben , daß sie uns beherrschen , während wir sie auslachen , fleißige Staatsbürger und ehrliche Ehestandskandidaten , die , ganz beschwitzt von der Berufsarbeit und das Schurzfell noch um den Leib , mit aller Wut ihrer Inbrunst von der Werkstatt zum Garten der Liebe springen , und denen die Liebe ansteht wie eine umgekehrt aufgesetzte Perücke . « - Rosa besah sich im Spiegel und lachte . - » Wenn ich bedenke « , fuhr die Gräfin fort , » wie ich mir sonst als kleines Mädchen einen Liebhaber vorgestellt habe : wunderschön , stark , voll Tapferkeit , wild , und doch wieder so milde , wenn er bei mir war . Ich weiß noch , unser Schloß lag sehr hoch zwischen einsamen Wäldern , ein schöner Garten war daneben , unten ging ein Strom vorüber . Alle Morgen , wenn ich in den Garten kam , hörte ich draußen in den Bergen ein Waldhorn blasen , bald nahe , bald weit , dazwischen sah ich oft einen Reiter plötzlich fern zwischen den Bäumen erscheinen und schnell wieder verschwinden . Gott ! mit welchen Augen schaute ich da in die Wälder und den blauen , weiten Himmel hinaus ! Aber ich durfte , solange meine Mutter lebte , niemals allein aus dem Garten . Ein einziges Mal , an einem prächtigen Abende , da der Jäger draußen wieder blies , wagte ich es und schlich unbemerkt in den Wald hinaus . Ich ging nun zum ersten Male allein durch die dunkelgrünen Gänge , zwischen Felsen und über eingeschlossene Wiesen voll bunter Blumen , alte , seltsame Geschichten , die mir die Amme oft erzählte , fielen mir dabei ein ; viele Vögel sangen ringsumher , das Waldhorn rief immerfort , noch niemals hatte ich so große Lust empfunden . Doch wie ich im Beschauen so versunken ging und staunte , hatt ich den rechten Weg verloren , auch wurde es schon dunkel . Ich irrt und rief , doch niemand gab mir Antwort . Die Nacht bedeckte indes Wälder und Berge , die nun wie dunkle Riesen auf mich sahen , nur die Bäume rührten sich so schaurig , sonst war es still im großen Walde . - Ist das nicht recht romantisch ? « unterbrach sich hier die Gräfin selbst , laut auflachend . - » Ermüdet « , fuhr sie wieder weiter fort , » setzte ich mich endlich auf die Erde nieder und weinte bitterlich . Da hört ich plötzlich hinter mir ein Geräusch , ein Reh bricht aus dem Dickicht hervor und hinterdrein der Reiter . - Es war ein wilder Knabe , der Mond schien ihm hell ins Gesicht ; wie schön und herrlich er anzusehen war , kann ich mit Worten nicht beschreiben . Er stutzte , als er mich erblickte , und staunend standen wir so voreinander . Erst lange darauf fragte er mich , wie ich hierhergekommen und wohin ich wollte ? Ich konnte vor Verwirrung nicht antworten , sondern stand still vor ihm und sah ihn an . Da hob er mich schnell vor sich auf sein Roß , umschlang mich fest mit einem Arme , und ritt so mit mir davon . Ich fragte nicht : wohin ? denn Lust und Furcht war so gemischt in seinem wunderbaren Anblick , daß ich weder wünschte , noch wagte von ihm zu scheiden . Unterwegs bat er mich freundlich um ein Andenken . Ich zog stillschweigend meinen Ring vom Finger und gab ihn ihm . So waren wir , nach kurzem Reiten auf unbekannten Wegen , zu meiner Verwunderung auf einmal vor unser Schloß gekommen . Der Jäger setzte mich hier ab , küßte mich und kehrte schnell wieder in den Wald zurück . Aber mir scheint gar , du glaubst mir wirklich alles das Zeug da « , sagte hier die Gräfin , da sie Rosa über der Erzählung ihren ganzen Putz vergessen und mit großen Augen zuhorchen sah . - » Und ist es denn nicht wahr ? « fragte Rosa . - » So , so « , erwiderte die Gräfin , » es ist eigentlich mein Lebenslauf in der Knospe . Willst du weiter hören , mein Püppchen ? Der Sommer , die bunten Vögel und die Waldhornsklänge zogen nun fort , aber das Bild des schönen Jägers blieb heimlich bei mir den langen Winter hindurch . - Es war an einem von jenen wundervollen Vorfrühlingstagen , wo die ersten Lerchen wieder in der lauen Luft Schwirren , ich Stand mit meiner Mutter an dem Abhange des Gartens , der Fluß unten war von dem geschmolzenen Schnee ausgetreten und die Gegend weit und breit wie ein großer See zu sehen . Da erblickte ich plötzlich meinen Jäger wieder gegenüber auf der Höhe . Ich erschrak vor Freude , daß ich am ganzen Leibe zitterte . Er bemerkte mich und hielt meinen Ring an seiner Hand gerade auf mich zu , daß der Stein im Sonnenscheine funkelnd , wunderbar über das Tal herüberblitzte . - Er schien zu uns herüber zu wollen , aber das Wasser hinderte ihn . So ritt er auf verschiedenen Umwegen und kam an einen tiefen Schlund , vor dem das Pferd sich zögernd bäumte . Endlich wagte es den Sprung , sprang zu kurz und er