von sogenannten Grundsätzen , sie waren mir immer ein Greuel ! weil sie leise , leise einen Tropfen Gift nach dem andern in den Ruf eines vielleicht bethörten Geschöpfes schütten , und dessen Fall dadurch beschleunigen , weil sie selbst die Liebe , die sie nicht kennen , durch geistige Buhlerei verkrüppeln , zu der ihnen das komponirte Wesen einen Freibrief auswirken half . Denn ich habe sie ja gesehen , diese selbe Frauen , wie sie ihr studirtes Mienenspiel und die kleinen Mittel ihrer armen Natur in Bewegung setzen , wenn es gilt , einen Mann zu bestricken , den sie nicht lieben , nicht achten , der grade da und Mode ist . Maske ist ihr ganzes Wesen , an der ich mich stets getrieben fühle , zu rücken , und sie wegzuschieben . Die Welt sieht das auch ein , denn es ist ja zum Sprachgebrauch geworden , von solchen , die eben nichts anders thun als figuriren , gemeinhin zu sagen , sie behaupten ihre Rolle gut in der Welt , sie fallen nie aus ihrer Rolle ! Wie anders ist es mit jenen hellen , durchsichtigen Engelsseelen , die an dem Unrecht hingehn , ohne Scheu vor Befleckung , oder die Starken , die überwunden haben , und mild und gütig auf die hinblicken , die noch im Kampf begriffen sind . Unter allen weiblichen Tugenden ist sanfte Duldung die schönste . Sie küßte hier Marien auf die Stirn , welche sich zärtlich an sie schmiegte , wie immer , Liebe und freundliches Anerkennen bei der mütterlichen Freundin findend . So standen alle Theile zu einander , so hatte ein jeder Monate lang das Leben hingehalten , Sorgen und Bekümmerniß in sich verschlossen , gehofft und gefürchtet , als endlich Briefe von Adalbert einliefen . Es waren fliegende Blätter an den Herzog addressirt , ohne Datum , ohne Ort des Auffenthalts . Ihr Inhalt war folgender . » Zu wem unter Euch Allen soll ich reden ? ich bin Euch Allen verschuldet ! Ich kann an keinen ohne Schmerz , ohne Vorwurf , denken ! Marie ! Antonie ! Wo ist hier ein Ausweg ! War das ganze vorige Leben nicht da ? Sagt , ich bitte Euch , ist Wahrheit in den Augenblick , den ich nicht weggeben , den ich nicht erlebt haben möchte ? Es ist mir wie im Traum ! - ich hatte einen Traum - O Gott ! Träume greifen vor und zurück , welches ist nun das rechte ? Warum treibe ich mich in so heftiger Eil von Ort zu Ort ? Wohin will ich denn ? was soll ich in einer ganz fremden Welt ! Ich ängstige die Postmeister , verleite die Postillone ihre Pferde todtzujagen , stürze mich bis in die Nacht unter unbekannte Gegenstände hin , reiße dann die Menschen unbarmherzig aus ihrem Schlaf , gönne Niemand Ruhe , weil ich sie selbst nirgend finde , setze nach kurzer Frist alles wieder in Bewegung , und schleppe mich heute wie gestern trostlos in der Irre umher . Wozu nur das ? Ich sehe dem allem kein Ende ? Es muß anders werden ! Gestern fand ich in einer Stadt französische Kriegsgefangene . Es waren Leute von meinem Regiment dabei . Sie erkannten mich gleich ! ich glaubte Musik zu hören , als das Wort , Camerad , über ihre Lippen flog . Ist denn der Mann noch etwas anderes als Soldat ! Sie fragten mich wo ich hinwolle ? Ich stand beschämt unter ihnen . Weiß ich es selbst ! weiß es irgend eine Seele ? Ich möchte nach Frankreich zurück ! Der - sche Gesandte bot mir es an , mir die nöthige Erlaubniß auszuwirken , es gehn viel Emigrirte von hier dahin ab . Ich will wieder Kriegsdienste nehmen ! Es muß anders werden ! Marie ! meine Marie , weinst Du ? Gott im Himmel ! warum hast Du mich so elend gemacht ! Vergieb mir Engel ! aber ich kann , ich darf nicht zu Dir zurück ! « Marie faltete die Blätter zitternd zusammen , nachdem sie sie gelesen und händigte sie dem Herzoge wieder ein . Es ist im Grunde gut , sagte dieser , unruhig in ihr Auge blickend , daß sich die alte Kriegslust wieder in ihm regt ; so schlägt doch etwas Bestimmtes den widerwärtigen Streit nieder , er nimmt sich zusammen , er richtet sich an großen Beispielen auf , und die gesunde Natur heilt sich nach und nach aus . Meinst Du nicht mein Kind ? Marie drückte ihm die Hand , und weinte still in ihr Taschentuch . Sieh , fuhr er fort , wir können ja nun auch nach Frankreich zurück . Wir sind ihm dann näher . Ich muß es Dir nur sagen , Dein Vater und ich haben seit Kurzem daran gearbeitet . Was sollen wir Kräfte und Mittel im Auslande verschleudern ? Wir haben ohnehin genug eingebüßt ; mit der Wiedererstattung daheim sieht es freilich mißlich aus , indeß hat der Marquis Hoffnung , sein Stammhaus an der Rhone wieder zu erlangen , und haben wir erst festen Fuß gefaßt , so findet sich auch manches andere zu thun und zu erlangen . Sein Stammhaus , sagte Marie , die Flammen haben es ja verschüttet . Er denkt es wieder aufzubauen , entgegnete der Herzog , laß ihn sich daran wagen , es beschäftigt ihn und lenkt ihn von thörigen Grübeleien ab . Sein Stammhaus - wiederholte Marie noch einmal . Sie hielt einen Augenblick inne , dann sagte sie mit fester Stimme , mein Vater , ich kann nicht zweifeln , Gott habe zwischen mir und Antonien entschieden , die Natur läßt sich nicht irren , sie hat ihr einfaches Wort gesprochen , Adalbert ist durch sie an mich gebunden , er ist Vater . - Der Herzog sah sie überrascht und zugleich mit Ehrfurcht an , küßte ihre Stirn , und sagte , meine Tochter , bewahre das